<b>Von Albert A. Feldkircher</b><BR /><BR />In der Generation meines Vaters – also bis Ende der 1960er – wa<?TrVer> ren in unserem Kulturkreis die Rollen von Mann und Frau klar definiert: Der Mann war der Alleinverdienende, brachte das Geld nach Hause; die Ehefrau und Mutter versorgte Haushalt und Kinder, übernahm überwiegend die Kindererziehung. Ein Vater steuerte bestenfalls einige „Richtlinien“ dazu bei. Zudem war er das erklärte Familienoberhaupt. <BR /><BR /><h3> Rollenbilder und Umdenken</h3>Ohne dieses traditionelle Rollenbild bewerten oder glorifizieren zu wollen, denke ich, dass es den Männern viel Macht verlieh. Dazu kam, dass die Gesellschaftsordnung und die politischen Entscheidungen von Männern dominiert waren. Die Mutter wurde zwar geehrt, zumindest offiziell einmal im Jahr am Muttertag. Doch ihr vielseitiger Einsatz für die Familie ohne Arbeitszeitbegrenzung wurde kaum gewürdigt, die männliche Erwerbsarbeit hingegen galt als Grundlage für die Familie und besaß insofern einen hohen Stellenwert.<BR /><BR />Ein erstes Umdenken gab es jedoch bereits lange vor der Frauenrechtsbewegung – nämlich im 19. Jahrhundert mit der Industrialisierung. Mit den neuen Maschinen verlor die körperliche Kraft des Mannes zunehmend an Bedeutung. Und als es zunehmend um die Frauenrechte (also die ausgleichende Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern) ging, geriet diese Bastion ins Wanken.<BR />Nun war/ist meine Frau Monika keine Frauenrechtlerin, aber dennoch eine selbstbestimmte Frau mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Bei uns war es so wie in vielen anderen Familien auch: Ich hatte eine gute Arbeitsstelle in der Privatwirtschaft, während meine Frau sich entschied, zu Hause zu bleiben. Hausfrau und Mutter nach den Geburten unserer Söhne Oliver (1970) und André (1973) zu sein, war ihr wichtig.<BR /><BR />Eines Abends – unsere Jungs waren im Kindergarten- bzw. Schulalter – überraschte mich Monika mit der Ankündigung: „Ich habe jetzt einen Job als Verkaufsberaterin.“ Meine spontane Reaktion darauf soll gewesen sein: „Verdiene ich dir nicht genug?!“<BR /><BR />Jedenfalls ergab sich daraus eine ausgiebige Diskussion. Monika überzeugte mich, dass es ihr nicht ums Geld gehe, sondern um eine andere, neue Aufgabe, die sie zusätzlich zur Familienarbeit übernehmen wolle. Eine Tätigkeit, die sie als kommunikative Frau „unter die Leute“ bringe. Sie sagte: „Nur zu Hause zu sein, füllt mich einfach nicht aus. Manchmal fällt mir die Decke auf den Kopf.“ Sie versprach mir, dass die Kinder und ich dabei nicht zu kurz kämen. Und das hat sie auch eingehalten. Nachdem ich ihre Beweggründe verstanden und meine Bedenken reflektiert hatte, konnte ich sie auch besser unterstützen.<BR /><BR />Meine damalige Reaktion zeigt mir im Nachhinein meine traditionellen Wurzeln auf. Unbewusst hatte ich das konservative, althergebrachte Rollenbild meines Vaters verkörpert. Um bei den Archetypen zu bleiben: Ich war kein wirklicher „König“ (obwohl ich mich wahrscheinlich so fühlte) mit der Aufgabe, zu schauen, dass es der Familie gut geht. Vielmehr war <?Uni SchriftWeite="96ru"> ich mehr mit mir selbst und meinen Bedürfnissen beschäftigt als zu bemerken, dass meine Frau auch noch andere Bedürfnisse hatte.<?_Uni> <BR /><BR /><h3> Quoten und Gleichstellung</h3>Eine weitere einschneidende, die rechtliche und gesellschaftspolitische Gleichstellung der Geschlechter betreffende Maßnahme war das Aufkommen der Frauenquoten in den 1980ern. Damit sollten in politischen Gremien und im Verwaltungsbereich die Geschlechter möglichst gleich stark vertreten sein. Zuletzt kam eine gendergerechte Sprachregelung dazu, also dass die Sprachformen gleichwertig verwendet werden und Frauen sich somit gleich angesprochen fühlen wie Männer. Grundsätzlich halte ich das für richtig. Doch im realen Sprachgebrauch ist das mitunter holprig. Mit der Konsequenz, dass etwa statt „Werte Damen und Herren“ inklusivere Formeln wie „Guten Abend“ verwendet werden.<BR /><BR />Was ebenso nicht vergessen werden darf: Im intimsten Bereich des Zusammenlebens – also der Sexualität – übte der Mann über Jahrhunderte Macht über die Frauen aus. Unter dem Deckmantel der „ehelichen Pflichten“ nahm sich der Mann jederzeit das, wonach ihn gelüstete. Und die kirchliche Sexualmoral schützte und unterstützte diese einseitige Haltung und Macht der Männer. Gott sei Dank gibt es heutzutage bei diesem Thema mehr gesellschaftliche Sensibilität! Wobei immer noch zu viele Frauen Opfer gewaltsam-se<?TrVer> xueller Übergriffe werden. <BR />„Das Streben nach Macht, also der Fähigkeit zur Steuerung des Denkens und Verhaltens anderer, ist etwas zutiefst Menschliches“, stellte der Kriminalpsychologe Dr. Reinhard Haller fest. Wobei Macht an sich nichts rein Männliches ist. Jedoch hatte das „starke Geschlecht“ über Jahrhunderte die Macht an sich gerissen und verteidigt. Ob in politischen <?Uni SchriftWeite="94ru"> Schaltstellen, im öffentlichen Leben,<?_Uni> in Vereinen oder im häuslichen Bereich: Die Männer waren an der Macht.<BR /><BR />Kommen wir also zurück zum Archetyp des Königs. Bei ihm liegt die Macht. Doch ein guter König versteht und lebt diese Macht als schöpferische Kraft, die das Leben fördert – sodass er das Wohl seiner Anvertrauten im Blick hat.<BR /><BR />In der Negativform wird er aber zum Tyrannen, zum Despoten, zu einem Narzissten, der in seiner Macht- und Selbstverliebtheit jegliche Empathie verloren hat und seine Macht in destruktiver Form ausübt. Was wir moderne Männer (wieder) brauchen, ist mehr schöpferische Kraft, verbunden mit Empathie. Im beruflichen wie im privaten Umfeld.<BR /><BR /><BR /><b><Fett_DinPro>Albert A. Feldkircher</Fett_DinPro></b> (*1947, aus Egg/Bregenzerwald) ist Trainer, Coach und Berater in der Erwachsenenbildung – und auch in Südtirol tätig. Schwerpunkt dabei ist unter anderem die Männerberatung.