„Wir haben das Recht zu wissen, wer sich auf Kosten der Gemeinschaft bereichert hat“, betonte Renzi.Renzis Vorgänger Silvio Berlusconi fordert mit Nachdruck die Auflösung des Gemeinderats. Die Bedingungen für eine Absetzung der römischen Stadtregierung wegen zu starker Mafia-Infiltration seien vorhanden, Rom müsse unter Aufsicht eines Sonderverwalters gestellt werden, wie es Italiens Anti-Mafia-Gesetzgebung bei starker Unterwanderung durch das organisierte Verbrechen vorsieht, meinte Berlusconi.Danach sollen Neuwahlen in der 3,5 Millionen-Metropole ausgerufen werden.Alfano will abwartenDie Auflösung von Roms Gemeinderat wäre ein schwerer Imageschlag für Premier Matteo Renzi, da Italien zurzeit den EU-Vorsitz innehat. Die Absetzung des Gemeinderats wird auch von der oppositionellen Protestbewegung „Cinque Stelle“ gefordert.Auf Neuwahlen drängte auch die rechtspopulistische Oppositionspartei Lega Nord. Im Fall eines Urnengangs will die Partei mit einem eigenen Kandidaten in die Bürgermeisterwahl ziehen, kündigte Lega Nord-Chef Matteo Salvini an.Innenminister Angelino Alfano bremst. „Die Absetzung eines Gemeinderats ist eine komplexe Prozedur. Außerdem ist Bürgermeister Ignazio Marino nicht in den Skandal verwickelt. In dieser Phase ist es besser, die Arbeit der Ermittler aktiv zu unterstützen und dafür zu sorgen, die Verantwortlichen zu bestrafen, statt die Gemeinde aufzulösen“, so Alfano.Die spektakulären Ermittlungen gegen Dutzende Politiker, Mafiabosse und Unternehmer zeigen, dass die Mafia in der Hauptstadt lange quasi mitregierte und wirft erneut einen Schatten auf das sowieso schon krisengeplagte Land.Durchsucht wurde auch das Haus des ehemaligen, rechten Bürgermeisters Roms, Gianni Alemanno. Er und andere Politiker, darunter auch von der sozialdemokratischen Partei PD Renzis, sollen mit der „Mafia Capitale“ unter einer Decke gesteckt haben.Renzi entließ umgehend örtliche Parteispitzen und zeigte sich schockiert. Außenminister Paolo Gentiloni nannte die Sache am Freitag „beschämend“. Alemanno, der bis 2013 im Amt war, weist alle Vorwürfe von sich.apa