Die bisher auf den Gemeinderat Roms beschränkte Untersuchung dehnt sich jetzt auch auf die gesamte Region Lazio aus. Die Mafiabande soll Ausschreibungen verfälscht und öffentliche Gelder, beispielsweise für Flüchtlingsheime, veruntreut haben. Neben Bildung einer mafiösen Vereinigung wird den Verdächtigen auch Erpressung und Geldwäsche zur Last gelegt."Man kann in diesem Fall von einem kriminellen Bündnis zwischen Politik, organisierter Kriminalität und Rechtsextremisten sprechen", beschreibt ein Polizeisprecher das Ergebnis der Ermittlungen, die wie ein Erdbeben die Hauptstadt erschüttert haben. Der in den Sog der Ermittlungen geratene Ex-Bürgermeister Roms, Gianni Alemanno, legte gestern alle Ämter in seiner Rechtspartei "Brüder Italiens" nieder. Er bekräftigte seine Unschuld und versicherte, dass er bald seine Position klären werde.Den Verhafteten wird seitens der ermittelnden Staatsanwaltschaft vorgeworfen, Jahre lang lukrative städtische Aufträge für Bauarbeiten, aber auch im Bereich der Müllabfuhr, untereinander aufgeteilt zu haben. Die Politiker sollen dafür hohe Schmiergelder erhalten haben. Den verhafteten Unternehmern wird hinzu angelastet, städtische Politiker erpresst zu haben, um den Zuspruch zu bestimmten Auftragsvergaben zu erhalten. Besonders brisant ist der Umstand, dass zu dem kriminellen Mafiaring auch rechtsradikale Elemente gehören.Die Cinque-Stelle-Bewegung forderte gestern wegen Unterwanderung durch die Mafia die Auflösung der Gemeinde Roms. Spitzenvertreter der Oppositionskraft verlangten ein Treffen mit dem Präfekten Alessandro Pansa, um den Stadtrat aufzulösen. "Alle Bedingungen sind dafür vorhanden", betonte der Fünf Sterne-Parlamentarier Alessandro Di Battista, der auch den Rücktritt von Alemannos Nachfolger, den seit Juni 2013 amtierenden Bürgermeister Ignazio Marino, verlangte. Rom sei von einem korrupten mafiösen System zerstört worden.mit