<b>Von Albert A. Feldkircher</b><BR /><BR />Nehmen wir's mal wörtlich: „Partner sein“ heißt, einen „Part“ zu übernehmen. Und damit wären wir gleich bei den männlichen Rollenbildern.<BR /><BR />Nicht wenige Männer haben heutzutage die traditionellen Rollenbilder hinter sich gelassen und sich – unter mehr oder weniger Erwartungsdruck ihrer Frauen – einem partnerschaftlichen, modernen Rollenbild zugewandt. Vom dominanten Familienoberhaupt und karriereorientierten Berufsmann wandeln sich manche Männer zu „netten Kerlen“, die partnerschaftlich, einfühlsam, sensibel sein wollen. Die nicht rauchen, nicht trinken und friedfertig sind. <BR /><BR />Trotzdem, das beobachte ich auch in meiner Beratungstätigkeit: Gar nicht wenige Männer stellen sich die Frage, ob sie als Jungs davon geträumt hatten, derart harmlose, nette Kerle zu werden. Und auch manche Frauen scheinen sich dann doch nicht genau solch brave Männer zu wünschen. Was wiederum zeigt: Allein mit „Anpassung“ ist es halt auch nicht getan. Zu viele Beziehungen scheitern an der Beziehungsgestaltung.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1032585_image" /></div> <h3> Vom Mangel an Vorbildern</h3>Eine partnerschaftliche Beziehung auf Augenhöhe zu leben, das jedenfalls ist für manche Generationen eine Art „Weltneuheit“. Das gab es früher nicht. Daher fehlt es immer noch an brauchbaren „Mustern“. Nur die Anpassung an Erwartungen von außen ist aber zu wenig. In der Beziehungsgestaltung scheinen beide Geschlechter jedenfalls recht unterschiedlich zu sein. Hierzu einige – durchaus sehr persönliche Überlegungen und Beobachtungen: <BR /><BR /> 1. Männer sind toll darin, sich Ziele zu stecken, einen Plan zu verfolgen, dranzubleiben und fokussiert zu arbeiten. Diese Fähigkeit kann die Ehe zu einem Projekt der Liebe, Achtung, Verlässlichkeit und Beständigkeit machen. <BR /><BR />2. Es fängt damit an, wirklich präsent zu Hause zu sein. Das ist oft gar nicht so einfach, wenn man(n) noch den Kopf voll hat mit unerledigter Arbeit oder Problemen. Die Partnerin aber spürt es, ob man wirklich da ist, bei ihr. Denn damit gibt man einer Beziehung Wichtigkeit, Wert und Qualität.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1032588_image" /></div> <BR /><BR />3. Männer sind im Kontakt zum anderen eher auf ein Drittes hin orientiert, auf eine Sache, ein Ziel, eine Aufgabe. Frauen mehr auf die beteiligte Person. Bekannt ist das Beispiel vom Einkaufen, wenn Mann die Einkaufsliste abhakt, während Frau das gemeinsame Einkaufserlebnis genießen will. Wenn man das weiß, dann lässt sich das Nützliche – das Einkaufen – mit dem Angenehmen – einem Bummel – verbinden und damit zeigen, dass man die Bedürfnisse gegenseitig berücksichtigt.<BR /><BR /> 4. Für die männliche Identität und das Selbstwertgefühl sind Beruf und Leistung wichtig. Männer tendieren dazu, der beruflichen Selbstverwirklichung erste Priorität einzuräumen und gehen (stillschweigend) davon aus, dass ihnen die Frau „den Rücken frei hält“.<BR /><BR /> 5. Viele Männer glauben immer noch, dass es genügt, wenn sie das Geld nach Hause bringen, und zwar möglichst viel davon. Die Beziehungsarbeit überlassen sie lieber den Frauen, die es – so der Irrglaube – eh besser können.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1032591_image" /></div> <BR /><BR /> 6. Im Familienalltag wirkt sich oft aus, dass sich Männer für das Lösen von Problemen und Frauen für alles, was mit Fürsorge zu tun hat, zuständig fühlen.<BR /><BR /> 9. In der Sexualität sucht der Mann zuerst Sex und dann Nähe, während die Frau zuerst Nähe, Geborgenheit, Zärtlichkeit und dann Sex erwartet. So lautet das Klischee. Männer werden gerne als sexbesessen, triebhaft und ohne Einfühlungsvermögen hingestellt. Für sie aber ist Sexualität oft die Brücke, die sie mit der Partnerin verbindet, da sie sich oft schwer tun, ihre Gefühle anders zu zeigen. Und in einer langen, reifen Beziehung und im Altern wird die Verbundenheit immer wichtiger. So liegt es an den Männern selbst, herauszufinden, wie tiefe Verbundenheit und erregende Körperlichkeit zusammenfinden. Denn der Nährboden jeder Beziehung ist ein liebevoller Umgang.<BR /><BR /> 8. Frauen verfügen über vielfältigere Ausdrucksmittel in Gestik, Mimik oder Stimme und sprechen leichter ihre Gefühle aus. Männer hingegen sind „introvertierte Fühler“, sie haben Gefühle, tun sich aber schwerer im verbalen Ausdruck. Da nützt es nicht, wenn Frauen nach Gefühlen „bohren“. <BR /><BR /><embed id="dtext86-64905461_quote" /><BR /><BR />9. Ein oft trennender Unterschied wird in der Kommunikation zwischen Mann und Frau deutlich: Männer machen eher Aussagen, als dass sie Fragen stellen. Sie geben lieber einen Rat, als um Rat zu bitten. Frauen können im Allgemeinen besser zuhören und nachfragen. Durch diese Unterschiede entsteht oft das Gefühl: „Du verstehst mich einfach nicht!“<BR /><BR />10. Im Alltag geht es auch darum, zu funktionieren. Jeder macht seinen Part. Was aber oft schleichend verlorengeht, ist das Interesse am andern, die Aufmerksamkeit. Man glaubt, sich gut zu kennen, zu wissen, was der/die andere denkt oder als nächstes tun wird. Das ist natürlich ein Irrtum. Nachfragen und zuhören ist gefragt. <BR /><BR />Ist die „Phase der Umerziehung“ überwunden, wird die Verschiedenheit nicht zum trennenden Konkurrenz- und Machtkampf, sondern zu einem belebenden Element: Jede(r) bringt die eigenen Stärken – als „Partner“ – ein, und beide lernen voneinander.<BR /><BR />DER AUTOR<BR /><BR />Albert A. Feldkircher (*1947, aus Egg/Bregenzerwald) ist Trainer, Coach und Berater in der Erwachsenenbildung – und auch in Südtirol tätig. Schwerpunkt dabei ist unter anderem die Männerberatung.<BR /> www.feldkircher-trainings.com