Am Anfang des Projektes stand ein Schicksalsschlag“, erinnert sich Architektin Nadia Erschbaumer. „Bei einem Brand wurde der Erbhof vollständig zerstört.“ Ein Trauma für die Bauherrin, die sich anfangs gar nicht sicher war, jemals wieder hierherzukommen. „Es war mein Heimathaus, ich bin dort geboren und habe im Ausland von der Katastrophe erfahren. Erst nach 14 Monaten sind wir zur Entscheidung gekommen, einen Neubau zu wagen“, erzählt sie.<h3> Einfühlsames Konzept</h3>Für das Architektenduo von „NAEMAS Architekturkonzepte“, Nadia Erschbaumer und Martin Seidner, war deshalb die Suche nach dem idealen Standort eine wichtige Phase. Ausführliche Analysen zu topografischen Gegebenheiten, Ausrichtung, Orientierung und Besonnung berücksichtigten sie genauso wie emotionale Komponenten. <BR />Die Wahl des Standortes fiel schließlich auf einen Bauplatz nicht weit vom ehemaligen Gebäude entfernt, rund 50 Meter höher. Nah am Schicksalsort, aber dennoch verschoben. „Die belastende Vergangenheit wird somit auch räumlich hinter sich gelassen“, betont Seidner.<BR /><BR />Ausrichtung und Orientierung des neuen Bauplatzes lassen vielfältige Blickbeziehungen zu. Der Blick zu einer denkmalgeschützten Kapelle oder auf einen jahrzehntealten Apfelbaum sind für die Planer „Bestandteil einer neuen Identitätsfindung“.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="967315_image" /></div> <BR />Das ansteigende Gelände war von Vorteil für die Anordnung des Volumens, es sollte nämlich auf 2 Baukörper verteilt werden. „Da wir 2 Kinder haben, war uns eine Trennung wichtig, wir wollten 2 Einheiten, aber doch verbunden“, erklärt die Bauherrin.<BR />Die Idee der Architekten: 2 oberirdische, dezente Volumen, die sich sanft ins Gelände einfügen und unterirdisch miteinander verbunden sind. <BR /><BR />Die Form dieser Chalets ist zeitgenössisch – schlicht und klarlinig. Die Satteldächer zitieren die traditionellen Bauten der Umgebung, aber als überstandslose, asymmetrische Neuinterpretation. <BR />Auch die Fassade spielt mit Zitaten der historisch gewachsenen Umgebung, die Planer setzten auf Hüllen aus dunkel lasiertem Lärchenholz, das sich nicht mehr verändert. Zusätzlich wollten sie auch etwas vom alten Hof übernehmen: „Mithilfe einer alten Fotografie konnten wir ein Muster abzeichnen und als Ornament in den Fassaden übernehmen“, erzählt Erschbaumer, „quasi eine Erinnerung an die Vergangenheit mit Blick in die Zukunft.“ Vertikal angeordnet setzen die Ornamentleisten jetzt überraschende Akzente in der sonst puristischen Hülle. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="967318_image" /></div> <BR />Neben klug gesetzten, großflächigen Verglasungen sind vor allem die eingeschnittenen Balkone markante Elemente: Für ihre Auskleidung blieb das Lärchenholz naturbelassen und lässt sie förmlich leuchten– beim unteren Gebäude nach Osten und beim oberen nach Westen orientiert. „Schon eine gelungene Anordnung und Ausrichtung“, ist der Hausherr zufrieden, „jetzt haben wir viel mehr Sonne und Licht.“ <BR />Von der Weilerstraße gelangt man über eine kurze Zufahrt zum Neubau mit seinen fast städtebaulich angeordneten Volumen und Freiräumen. <BR /><BR />„Wir haben bewusst nur einen Zugang geplant“, erklärt Seidner. „Ein Garagentor und eine Tür daneben.“ Dadurch „sitzt der Bau so richtig in der Wiese und im Winter gibt es keine eisigen Treppen und nur einen Weg zum Räumen“. Die Garage bietet Platz für 4 Stellplätze und die hochwertige Haustechnik. „Geothermie mit Wärmepumpe und Photovoltaikanlage samt Batteriespeicher, also ein fast autarker Bau“, betont Erschbaumer. „Es braucht nur noch etwas Strom vom lokalen E-Werk.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="967321_image" /></div> <BR />Innen überraschen die Gebäude mit 2 Welten: Im unteren dominieren Lärchenholz, Naturstein und Leinen – ein modern interpretierter Alpinstil, der auch wieder das Ornament der Fassade aufgreift und damit bei Bett und Absturzsicherung originelle Akzente setzt. Oberlichter bringen Helligkeit auch in die Räume im Hang, farbige Spachtelungen prägen Bäder und die komfortable Sauna. Dies ist das Reich der Tochter, während sich die Bauherrin für ihren Bereich, den oberen Baukörper, einen klaren Schnitt zum alpenländischen Stil wünschte: „Ich wollte keine getäfelte Stube, dafür war die Zeit einfach vorbei.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="967324_image" /></div> <BR />So präsentiert sich der zweite Bau urbaner – mit eingefärbtem Sichtbeton, Terrazzoboden und kräftiger Farbensprache bei den Einbaumöbeln. Hier wurden 3 Schlafzimmer untergebracht, denn auch der Sohn mit seiner Familie kommt zu Besuch. „Dreimal im Jahr treffen wir uns alle hier in Pflersch“, erzählt die Bauherrin. Dabei ist es für sie längst mehr als ein Feriendomizil, drei viertel des Jahres lebt sie mit ihrem Mann hier „und ist wieder angekommen in der Heimat“.<BR /><BR />Eine ebenso überraschende wie überzeugende Lösung für den maßgeschneiderten Neubau – klug strukturiert, sorgfältig angepasst und einfühlsam inszeniert.<BR /><BR /><embed id="dtext86-62318087_gallery" /><BR /><BR />