Marlene Schuen von der Musikgruppe Ganes erzählt von den großen Veränderungen, die das Coronavirus mit sich gebracht hat und dem Wert von Umarmungen.<BR /><BR /><BR /><i>Von Roman Clara</i><BR /><BR /><BR /><b>Wie haben Sie und Ihre Band dieses Jahr der Pandemie erlebt?</b><BR />Marlene Schuen: Wir haben im Februar 2020 noch Fotos für unser Album-Cover „Or Brüm“ in Fanes gemacht. Kurz danach kamen die ersten Meldungen über das Coronavirus. Wir hätten nie gedacht, dass wir aufgrund dessen die gesamte Tour 2020 verschieben mussten. Bis heute sind wir zum Teil immer noch damit beschäftigt, Termine zu verschieben.<BR /><BR /><BR /><b>Also ist es auch für den Sommer 2021 noch schwierig zu planen?</b><BR />Schuen: Auf jeden Fall. Es hängt alles vom Verlauf der Pandemie sowie von den Impfungen und Teststrategien ab. Unser Plan ist es, dass das neue Album „Or Brüm“ im Sommer rauskommt und wir dann ab September in Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz auf Tour gehen. Die Agentur ist aber dauernd im Austausch mit den Veranstaltern. Es gibt derzeit noch wenig Sicherheiten.<BR /><BR /><BR /><b>Haben die Bandmitglieder in dieser Zeit ohne Events also vermehrt geprobt und sich neue Songs ausgedacht?</b><BR />Schuen: Elisabeth Schuen, Natalie Plöger und ich leben in verschiedenen Städten und deshalb war es kaum möglich sich zu treffen und zu proben. Wir konnten im Herbst einige Tage gemeinsam musizieren aber waren durch die Pandemie meistens voneinander getrennt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-48662424_quote" /><BR /><BR /><BR /><b><BR />Welchen Blick auf die Musik haben Sie nach diesem Jahr: hat sich Ihr Zugang zur Musik geändert?</b><BR />Schuen: Die Liebe zur Musik ist unverändert. Ich denke es ist vor allem für junge Musiker schwierig in dieser Zeit in der Musikwelt Fuß zu fassen, denn die Kulturbranche ist gerade in einer großen Krise. Im Allgemeinen denke ich aber, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und sicher wieder gerne auf Konzerte gehen wird, wenn die Gesundheit nicht mehr gefährdet ist. <BR /><BR /><BR /><b>Die Pandemie hat auch die Schwächen der Musikbranche aufgezeigt: zum Beispiel die Aufteilung der Gelder zwischen Produzenten, Musikplattformen und Musiker.</b><BR />Schuen: Ja, große Anbieter zahlen sehr wenig und gehen auch sehr undurchsichtig mit den Verdiensten um. Das große Problem ist aber, dass es für viele selbstverständlich geworden ist, dass die Musik umsonst da ist. Musiker arbeiten an ihren Songs und Auftritten. Sie leben davon und es wäre deshalb selbstverständlich, dass das Konsumieren dieses Angebotes auch einen finanziellen Wert hat. Mit einem Ticket für ein Konzert erwirbt man deswegen nicht nur schöne Erinnerungen für die Zukunft, sondern man sagt damit auch gleichzeitig, dass eine Wertschätzung für die Arbeit da ist. <BR /><BR /><BR /><b>Was fehlt Ihnen am meisten von den Auftritten?</b><BR />Schuen: Musik und Theater physisch zu erfahren ist ganz etwas anderes, als es virtuell zu erleben. Man spürt den Austausch, es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen und man bekommt ein direktes Feedback von den Fans. Das fehlt uns schon sehr. <BR /><BR /><embed id="dtext86-48662428_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Welche Maßnahmen könnten helfen um die Situation zu verbessern? Wie bewerten sie die Unterstützung seitens der öffentlichen Stellen?</b><BR />Schuen: Die Politik gibt sich Mühe, Freischaffende zu unterstützen. In Deutschland war allerdings ein großer Teil der Hilfen auf die Einnahmen von 2019 gebunden, aber als Künstler sind nicht alle Jahre gleich. Ein Jahr arbeitet man am neuen Album und hat wenig Einnahmen, das nächste geht man auf Tournée und hat viele Konzerte in wenigen Monaten. Dies hat die Politik nicht berücksichtigt. Dazu gibt es meistens Gelder zur Kostendeckung, aber keine generelle Hilfe für die Lebenshaltungskosten, die jeder von uns hat. <BR /><BR /><BR /><b>Musik vermittelt auch Botschaften: Hat sich der Fokus der Ganes seit 2020 geändert oder ist er gleich geblieben?</b><BR />Schuen: 2020 hat uns gezeigt, wie wichtig menschliche Kontakte sind. Zusammen zu sein mit anderen Menschen, sich zu umarmen, feiern zu können. Zu dieser Normalität und Unbeschwertheit wollen alle wieder zurückkommen und ich bin sicher, dass gerade die Musik und die Kunst einen großen Beitrag dazu leisten werden. Es braucht neues Futter für die Seele und eine wiedergewonnene Leichtigkeit, damit wir die Schwere der Pandemie überwinden. Menschen müssen wieder normal miteinander kommunizieren können mit Zuversicht und Respekt. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Das Album „Or Brüm“ ist vor der Pandemie entstanden, um was geht es dort?</b><BR />Schuen: Das zentrale Thema ist das Wasser und alles was mit dem Thema zusammenhängt. Als ladinische Wasserfrauen („ganes“) ist für uns das Wasser ein großes Thema. Im Song „Tartaruga de plastica“, der schon veröffentlicht wurde, geht es zum Beispiel um die Plastiküberflutung der Meere. Wir werden aber auch ein paar neue Songs hinzufügen, die wir 2020 produziert haben. Wenn alles klappt möchten wir die Tour mit einem „Home“- Konzert in Gröden starten. <BR /><BR /><BR /><b>Was ist Ihr Wunsch für den Sommer 2021?</b><BR />Schuen: Gesundheit ist ganz wichtig, auch die seelische, und, dass hoffentlich ein Stück Normalität wieder möglich sein wird. Ich denke, damit können wir alle wieder ein bisschen Leichtigkeit zurückgewinnen. Dass wir wieder viel rausgehen können an die frische Luft und durchatmen können.