Samstag, 02. Januar 2016

Massenhinrichtung in Saudi-Arabien – Schiitischer Geistlicher getötet

In Saudi-Arabien sind an einem Tag 47 Menschen exekutiert worden. Die Staatsführung hat die Hinrichtungen gegen internationale Kritik verteidigt.

Im benachbarten Bahrain, wo Schiiten die Mehrheit der Bevölkerung stellen, kam es zu Protesten.
Im benachbarten Bahrain, wo Schiiten die Mehrheit der Bevölkerung stellen, kam es zu Protesten. - Foto: © APA/Reuters

Die wegen Terrorismusvorwürfen Getöteten – unter ihnen der prominente schiitische Geistliche Scheich Nimr al-Nimr – folgten „den Fußstapfen des Teufels. Durch ihre terroristischen Taten ist unschuldiges Blut vergossen worden mit dem Ziel, die Stabilität in diesem Land zu erschüttern“, hieß es nach Angaben der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur SPA in einer Stellungnahme des Innenministeriums in Riad vom Samstag.

Insgesamt wurden 45 Staatsbürger Saudi-Arabiens, ein Ägypter und ein Mann aus dem Tschad hingerichtet.

Der Iran – der schiitisch dominierte Regionalrivale Saudi-Arabiens – verurteilte die Tötung Nimr al-Nimrs scharf. „Anstatt sich mit den (IS-)Terroristen zu beschäftigen, die die Region und die ganze Welt gefährden, lassen die Saudis eine Persönlichkeit wie Al-Nimr hinrichten“, sagte Außenamtssprecher Jaber Ansari am Samstag.

Die rein politisch und religiös motivierte Tat reflektiere die irrationale und verantwortungslose Politik der Saudis. Der saudische Geschäftsträger in Teheran wurde laut iranischem Staatsfernsehen herbeizitiert.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty hatte in der Vergangenheit kritisiert, Saudi-Arabien setze das Todesurteil auch als politisches Instrument gegen die schiitische Minderheit ein, die etwa 15 Prozent der Bevölkerung ausmacht. 

Von Jänner bis November waren mindestens 151 Menschen hingerichtet worden, hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mitgeteilt – im gesamten Jahr 2014 seien es 90 gewesen. In Saudi-Arabien ist für zahlreiche Taten die Todesstrafe vorgesehen, darunter Mord, Vergewaltigung, Drogenhandel und „Hexerei“. Die Verurteilten werden entweder enthauptet oder erschossen.

apa/dpa

stol