Noch diese Woche will Mattarella einer parteiunabhängigen Persönlichkeit den Auftrag zur Bildung einer neutralen Regierung erteilen, berichteten italienische Medien mit Bezug auf Kreise um den Staatschef.Der Präsident sei auf der Suche nach dem passenden Premier und parteiunabhängiger Minister. Nicht ausgeschlossen wird, dass Mattarella eine Frau mit der Regierungsbildung beauftragen wird, was es in Italien noch nie gab.Als mögliche Kandidatinnen gelten Lucrezia Reichlin (63), Wirtschaftsexpertin und Professorin an der London Business School, Marta Cartabia (55), jüngste Vizepräsidentin des Verfassungsgerichts in der Geschichte Italiens, und die Ex-Präsidentin der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt RAI Anna Maria Tarantola (73).Der neue Premier sollte sich kommende Woche dem Parlament einer Vertrauensabstimmung unterziehen. Wer die Expertenregierung im Parlament unterstützen wird, ist jedoch unklar. Die zwei stärksten im Parlament vertretenen politischen Kräfte – die populistische Fünf Sterne-Bewegung und die rechte Lega – wehren sich gegen ein Kabinett aus Fachleuten und drängen auf Neuwahlen im Juli.Lega droht Forza Italia mit BruchDie Lega droht ihrem Partner, dem Ex-Premier und Chef der konservativen Forza Italia, Silvio Berlusconi, mit dem Bruch der politischen Allianz, sollte dieser ein Expertenkabinett unterstützen. „Wir hätten in diesem Fall ein großes Problem“, bestätigte der Lega-Fraktionschef in der Abgeordnetenkammer, Giancarlo Giorgetti.So rief die Lega Berlusconi zur „Vernunft“ auf, um die Bildung einer politischen Regierung in Italien und die Abwendung von Neuwahlen im Juli zu ermöglichen. Berlusconi solle einen „Schritt zur Seite“ machen, um eine Regierung aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung zu ermöglichen. Dagegen wehrt sich Berlusconi aber heftig.Nach der Parlamentswahl am 4. März waren alle Versuche, eine Regierung zu bilden, gescheitert. Bei der Wahl hatte ein Bündnis rechter Parteien die meisten Stimmen auf sich vereint (36 Prozent), aber die Fünf-Sterne-Bewegung wurde mit knapp 32 Prozent der Stimmen die stärkste Einzelpartei. Die bisher regierende Demokratische Partei (PD) stürzte auf 17 Prozent ab.apa