<b>In welchem Alter erhalten die meisten Patienten ihre Diagnose?</b><BR /><BR />Dr. Francesca Caleri: Zumeist zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr. In seltenen Fällen auch schon früher, ganz selten auch schon im Kindesalter. Was wir allerdings beobachten, ist – neben einer allgemeinen Zunahme der Krankheit –, dass immer häufiger auch Personen über 40, ja über 50 erstmals Symptome zeigen.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Gibt es eine Erklärung für diese „späten“ Diagnosen?</b><BR /><BR />Dr. Caleri: Keine gesicherte. Es lässt sich nur vermuten, dass die allgemeinen Lebensumstände sich dergestalt verändert also verbessert haben, dass Patienten die Krankheit wahrscheinlich länger in sich haben, bevor sie erstmals Symptome zeigen als früher.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Stichwort Symptome – welche sind das?</b><BR /><BR />Dr. Caleri: Die Symptome können sehr vielfältig sein. Das reicht von sensorischen Veränderungen wie etwa Taubheits- und Kribbelgefühle in Armen und Beinen, Gang- und Gleichgewichtsstörungen oder Sehstörungen bis hin zu Kraftlosigkeit. Diese Symptome bauen sich oft über mehrere Tage auf, manifestieren sich aber in jedem Fall über mehr als 24 Stunden. Dann verschwinden sie wieder.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Was passiert nach erfolgter Diagnose?</b><BR /><BR />Dr. Caleri: Zuerst einmal muss man sagen, dass die Diagnose MS heutzutage weit weniger erschreckend ist als noch vor 20 Jahren. Damals konnte man wenig tun. Heute haben wir zahlreiche Medikamente und Therapien, so dass Patienten, die heute eine solche Diagnose bekommen häufig normales Leben führen können. Heilbar ist MS aber nach wie vor nicht. <BR /><BR /><BR /><BR /><b>Was passiert eigentlich bei MS?</b><BR /><BR />Dr. Caleri: MS ist eine Autoimmunerkrankung, Das Immunsystem greift die Nerven an. Im Gehirn, an den Sehnerven oder im Rückenmark entstehen Entzündungen. Diese heilen zwar wieder ab, hinterlassen aber „Narben“ – und mit der Zeit – auch irreversible – Funktionsstörungen. Eine frühzeitige Diagnose ist daher entscheidend, um so die Häufigkeit und Schwere der Schübe zu reduzieren und den Verlauf der Krankheit zu bremsen, damit sich erst gar keine bleibenden Schäden bilden.