In mehreren europäischen Ländern bleiben Regale und Schubladen von Apotheken bei bestimmten Medikamenten leer. Ein Grund dafür ist auch, dass nordeuropäische Staaten im Süden des Kontinents – also auch in Italien – einkaufen, weil die Präparate dort billiger zu haben sind. <BR /><BR />„Schwer erhältlich sind zurzeit klassische Mittel gegen Epilepsie und bestimmte einzelne Antibiotika“, weiß Stephan Peer von Apotheke Peer in Lana/Brixen. „Man schafft es aber immer, eine Alternative zu finden. Im Notfall wird das Medikament im Labor hergestellt, man fragt bei einem Kollegen nach oder man macht eine Notfallbestellung beim Unternehmen.“ <BR /><BR />„Es ist sehr selten, dass der Patient ohne Medikament bleibt“, beschwichtigt auch Maximin Liebl, Inhaber der Madonna-Apotheke in Bozen und Präsident der Südtiroler Apothekerkammer. Für ihn ist Medikamentenmangel seit vielen Jahren ein Thema. „Uns fehlen nicht mehr Präparate als vor einem halben Jahr“, vergleicht Maximin Liebl.<BR /><BR /><embed id="dtext86-61857486_quote" /><BR /><BR /> Ein Grund dafür sei, dass nordeuropäische Länder bereits seit Jahren Medikamente aus Billigländern wie Spanien, Griechenland oder eben Italien importieren würden. „Sie sind dann bei uns knapp.“ <BR /><BR />Arbeitsgruppen in Rom und auf Europaebene gebe es zwar, die sich mit der Thematik beschäftigen. „Aber ihre Resultate sind mager“, sagt der Präsident der Apothekerkammer Südtirol. Die Ursache, warum Medikamente immer mal wieder fehlen würden, seien vielfältig. Sie reichen von Qualitätsproblemen bis hin zur nicht rechtzeitigen Lieferung. „Im vergangenen Winter hatten wir z. B. ein großes Problem mit der Verpackung. Dafür wird Aluminium verwendet, dass zum Großteil in Russland hergestellt wird“, sagt Liebl.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="954811_image" /></div> <BR /><BR />Dabei sei das System in Italien immer noch viel besser als etwa das in Deutschland oder in Österreich, berichtet Stephan Peer. „Wir haben nur eine Krankenkasse, die den Preis für einen Wirkstoff festlegt. Wer den Wirkstoff liefert, ist egal.“ In Deutschland hingegen, so Apotheker Peer, gebe es viele Krankenkassen, aber meist nur einen Lieferanten. <BR /><BR />Peer bestätigt, dass das Fehlen von Medikamenten ein europäisches Problem sei. „Es gibt nur noch wenige Unternehmen, die den Grundstoff herstellen.“ Bei vielen Grundstoffen gebe es nur noch einen oder 2 Lieferanten weltweit. Diese hätten zumeist ihren Sitz in China oder Indien. „Wenn einer dieser Lieferanten ein Problem hat, dann haben auch wir ein Problem.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-61858020_quote" /><BR /><BR />Peer plädiert deshalb dafür, die Grundstoffproduktion wieder zurück nach Europa zu bringen. „Aus Kostengründen setzt man auf diese Standorte, dabei sinken die Ausgaben für Arzneimittel in der öffentlichen Apotheke seit Jahren – trotz steigender Anzahl an Patienten.“ <BR /><BR />Problematisch ist auch, wenn der Kunde im letzten Moment vorbeikommt. Stephan Peer rät gerade bei Dauermedikation dazu, etwa eine Woche vor dem Aufbrauchen das neue Pharmazeutikum zu holen. <BR />„Und auf keinen Fall sollte man anfangen, Medikamente zu horten“, sagt der Apotheker. „Die Leute bringen jetzt verfallene Medikamente zurück, die im vergangenen Winter knapp waren, und uns damals gefehlt haben.“<BR /><BR />Aber was tun mit verfallenen Medikamenten? Wenn man Medikamente einfach in den Hausmüll wirft, können sie sich auflösen und in das Trinkwasser geraten. „Bei verfallenen Medikamenten handelt es sich um Sondermüll, den man über den Recyclinghof entsorgt oder in der Apotheke abgibt“, informiert Apotheker Peer.<BR />