10 Jahre lang dauerte das Vertragsverletzungsverfahren wegen möglicher Diskriminierung von EU-Bürgern. Am Mittwoch fiel schließlich die Entscheidung. Die Kommission befand, „dass das für das Medizinstudium geltende Quotensystem berechtigt und angemessen ist, um das öffentliche Gesundheitssystem in Österreich zu schützen.“ Deshalb dürfe die Alpenrepublik die Quote beibehalten, teilte die Brüsseler Behörde mit.Die Kommission forderte Österreich jedoch auf, die Situation weiterhin genau zu überwachen und ihr alle 5 Jahre darüber Bericht zu erstatten, ob die Beschränkungen beibehalten werden sollten.Südtirol von Entscheidung betroffenEine Entscheidung, auf die in Österreich und Südtirol mit Sorge gewartet wurde – und das mit gutem Grund.Durch die 2006 eingeführte Quotenregelung sind 75 Prozent der Plätze für Human-und Zahnmedizin für österreichische Maturanten reserviert, 20 Prozent gehen an EU-Bürger und 5 Prozent an Nicht-EU-Bürger.Die Absolventen deutsch- und ladinischsprachiger Oberschulen sind den österreichischen Maturanten gleichgestellt – ein Großteil der Südtiroler Anwärter auf einen Medizin-Studienplatz fällt also in die Österreicher-Quote.Insgesamt 1620 StudienplätzeEs waren vor allem auch die deutschen Studienanwärter, die die österreichische Regierung bewogen hatten, diese Regelung einzuführen. Nachdem der Europäische Gerichtshof die Zugangsregelung aufgehoben hatte, begannen zahlreiche deutsche Numerus-Clausus-Flüchtlinge ihr Studium im Nachbarland.Außerdem wurde damals die Zahl der Anfängerplätze für Human- und Zahnmedizin auf 1500 beschränkt, mittlerweile liegt die Zahl bei 1620.Achammer: "Erfreuliche Nachricht"Die EU-Entscheidung sorgte in Österreich, wie auch in Südtirol für Erleichterung.„Dies ist eine erfreuliche Nachricht“, reagierte Bildungslandesrat Philipp Achammer umgehend.Gerade aufgrund der Schwierigkeit, den Ärztenachwuchs zu sichern, sei es für die Südtiroler besonders wichtig, dass die österreichische Quotenregelung beibehalten werde, meinte der Landesrat.HochschülerInnenschaft: "Sehr erleichtert"Auch die Südtiroler HochschülerInnenschaft (sh.asus) zeigt sich sehr erleichtert."Eine Abschaffung der Österreicher-Quote hätte die Chancen der Südtiroler auf einen der hart umkämpften Studienplätze an den öffentlichen Universitäten deutlich vermindert", sagt Stephan Illmer von der Bozner Geschäftsstelle zu STOL. Da traditionellerweise ein großer Teil der Mediziner ihre Ausbildung in Österreich absolviere, so Illmer weiter, hätte eine Aussetzung der Quote nicht nur kurzfristig verheerende Auswirkungen auf die Anzahl der Südtiroler Medizinstudierenden gehabt, sondern langfristig wohl auch auf den Südtiroler Ärztenachwuchs insgesamt.Insgesamt knapp 16.000 Bewerber Für das Zahnmedizin-Studium hält die Kommission die Quoten hingegen für „nicht gerechtfertigt, da kein Mangel an Zahnärzten prognostiziert ist“. Die Beschränkungen müssen dort bis zum Studienjahr 2019/2020 aufgehoben werden.Das betrifft allerdings nur eine geringe Zahl an Studienplätzen: Von den derzeit 1620 Medizin-Anfängerplätzen sind nur 144 für angehende Zahnmediziner reserviert, der überwiegende Teil entfällt auf die Humanmedizin.Im Studienjahr 2015/16 haben 76 Südtiroler einen Medizin-Studienplatz in Österreich erhalten. Für das diesjährige Aufnahmeverfahren am 7. Juli haben sich knapp 300 Südtiroler Maturanten angemeldet – insgesamt sind es rund 16.000 Bewerber. stol/aw/apa/lpa