Donnerstag, 06. Oktober 2016

Medizinstudium: Österreich kämpft für Quote – Südtiroler betroffen

Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner schätzt die Chancen für eine Beibehaltung der Quotenregelung für das Medizinstudium auf 60 Prozent. Österreich habe am Montag den 181 Seiten Abschlussbericht mit umfangreichem Datenmaterial an die EU-Kommission geschickt, so Mitterlehner am Donnerstag vor Journalisten. Die Entscheidung, die auch etliche Südtiroler beträfe, soll im Dezember fallen.

306 Südtiroler hatten sich für den Medizin-Aufnahmetest in Österreich angemeldet.
306 Südtiroler hatten sich für den Medizin-Aufnahmetest in Österreich angemeldet. - Foto: © D

Seit 2006 gilt für das Medizinstudium eine Quotenregelung: 75 Prozent der Plätze für Human-und Zahnmedizin sind für österreichische Maturanten reserviert - die Absolventen deutsch- und ladinischsprachiger Oberschulen fallen in diese Quote - 20 Prozent gehen an EU-Bürger und fünf Prozent an Nicht-EU-Bürger.

Starker Zustrom aus Deutschland 

Diese Maßnahme war eingeführt worden, da nach der Aufhebung der bis dahin gültigen Zugangsregelung durch den Europäischen Gerichtshof zahlreiche Numerus-Clausus-Flüchtlinge aus Deutschland nach Österreich strömten.

Die Quotenregelung war ursprünglich von der EU-Kommission wegen der Diskriminierung von EU-Bürgern bekämpft worden. Bis 2016 wurde allerdings ein Aufschub gewährt: Bis dahin muss Österreich nachweisen, dass ohne Quote die medizinische Versorgung des Landes nicht gesichert ist – etwa, weil Studenten aus nach ihrem Studienabschluss Österreich wieder verlassen und dem heimischen Gesundheitssystem damit nicht zur Verfügung stehen.

Immer weniger Absolventen aus Österreich

Österreich argumentiert dabei auf mehreren Schienen: So ist etwa die Zahl österreichischer Absolventen in der Humanmedizin seit 2009/10 um 38 Prozent zurückgegangen, während die Zahl der deutschen Abschlüsse von einem Anteil von fünf auf über 18 Prozent geklettert ist.

Deutsche Absolventen verbleiben nach Abschluss ihrer Ausbildung aber wesentlich seltener in Österreich als ihre österreichischen Kollegen: Lediglich 43 von 603 der deutschen Absolventen der Jahrgänge 2008/09 bis 2011/12 standen dem österreichischen Gesundheitssystem zur Verfügung. Das sind nur 7,5 Prozent – bei den Österreichern und Absolventen aus Drittstaaten ist das Verhältnis fast umgekehrt.

Trendstudium Medizin

Gleichzeitig steigt aber auch der Andrang auf das Medizinstudium: Heuer haben sich mehr als 12.000 Personen dem Aufnahmetest gestellt, das sind um 1.000 mehr als im Vorjahr. Rund 35 Prozent davon sind Deutsche. Unter den Angemeldeten waren auch 306 Südtiroler, von denen 76 einen Studienplatz erhalten haben.

Mitterlehner: "Alternativen sind möglich" - Südtirol-Modell als Beispiel 

Minister Mitterlehner hielt am Mittwoch fest:  „Wir haben nach wie vor einen starken Aufnahmedruck aus Deutschland, der in den nächsten Jahren noch zunehmen wird.“ 

Sollte die Quote trotzdem wegfallen, was auch für Südtirol schwerwiegende Folgen hätte - sind für Mitterlehner zwei Varianten denkbar. Einerseits könnten dann Stipendien für Medizin-Studenten eingeführt werden, deren Inanspruchnahme mit der Verpflichtung zur Aufnahme einer ärztlichen Tätigkeit im Land für einen bestimmten Zeitraum verknüpft ist. Dieses Modell sei EU-konform und etwa in Ungarn oder Südtirol umgesetzt.

Studiengebühren möglich

Dann müsste aber auch wieder die Studiengebühren-Diskussion zumindest für die Medizin geführt werden. Die zweite Möglichkeit bestünde in zusätzlichen Benefits für Ärzte, die sich in einer bestimmten Region niederlassen.

Keine Chance sah Mitterlehner für eine Refundierung der Ausbildungskosten für Studenten aus Deutschland – das Nachbarland sei dazu nicht verpflichtet. „Das würde das ganze System in Frage stellen.“ Dazu komme, dass dann umgekehrt dann auch Österreich für seine Studenten in anderen Staaten zur Rechnung gezogen würde.

apa/stol

stol