Freitag, 23. September 2016

Mehr als 160 Tote bei Flüchtlingstragödie vor Ägyptens Küste

Mindestens 162 Flüchtlinge und andere Migranten sind beim Untergang eines voll besetzten Bootes vor der ägyptischen Küste ums Leben gekommen. Das teilte der Gouverneur der ägyptischen Provinz Beheira, Mohamed Sultan, am Freitag mit. 164 Menschen seien gerettet worden, zitierte ihn die Tageszeitung „Al-Masry al-Youm“.

Ägyptische Rettungstrupps suchen nach Opfern der Flüchtlingstragödie.
Ägyptische Rettungstrupps suchen nach Opfern der Flüchtlingstragödie. - Foto: © APA/AFP

Das Boot war am Mittwoch nahe der Stadt Alexandria gekentert. Über die Zahl der Passagiere gab es widersprüchliche Angaben. Die staatliche Nachrichtenagentur Mena berichtete von etwa 600. Andere Medien sprachen von 300 bis 400 Menschen an Bord. Außer Ägyptern, seien das Syrer, Sudanesen, Somalier und Eritreer gewesen, berichtete die Zeitung „Al-Shourouk“.

Helfer hätten am Freitag Dutzende weitere Leichen geborgen, berichtete das ägyptische Staatsfernsehen unter Berufung auf Behördenangaben. Viele Schiffbrüchige würden noch vermisst. Die Rettungsaktion im Mittelmeer dauert an.

Der Überlebende Ahmed Darwisch sagte der privaten Zeitung „Al-Masry al-Youm“: „Das Boot kippte über und sank, kurz nachdem wir losgefahren waren“. Der 25 Jahre alte Ägypter, der nach neun Stunden aus dem Wasser gerettet worden war, gab schwierige Lebensumstände und die schlechte Situation auf dem Arbeitsmarkt als Grund für die gefährliche Reise an.

Bei der Fahrt über das Mittelmeer Richtung Europa sterben immer wieder Flüchtlinge, weil die Boote überfüllt und schrottreif sind. Die meisten Migranten, überwiegend Afrikaner, starten die Überfahrt vom Bürgerkriegsland Libyen aus.

Doch Ägypten entwickelt sich nach Angaben der europäischen Grenzschutzagentur Frontex zu einem immer wichtigeren Startpunkt für Schlepperboote nach Europa. Die Odyssee, oft mit alten Fischkuttern, von dort sei besonders gefährlich und dauere oft länger als zehn Tage. Als Fluchtgründe werden vor allem Konflikte im Heimatland und eine hohe Arbeitslosenquote gesehen.

In diesem Jahr kamen der internationalen Organisation für Migration zufolge bereits mehr als 300 000 Bootsflüchtlinge in Italien oder Griechenland an. Mehr als 3000 seien auf der sogenannten mittleren und östlichen Mittelmeerroute ums Leben gekommen.

dpa

stol