Sonntag, 01. Oktober 2017

Mehr als 300 Verletzte bei Katalonien-Referendum

Bei Polizeiaktionen zur Verhinderung des umstrittenen Unabhängigkeitsreferendums in der spanischen Region Katalonien sind nach amtlichen Angaben Hunderte Bürger verletzt worden. Es gebe bereits 337 Verletzte, teilte die katalanische Regionalregierung am frühen Sonntagnachmittag mit.

Die Guardia Civil hat etwas gegen die Abstimmung - Sarrià de Ter - Foto: APA
Die Guardia Civil hat etwas gegen die Abstimmung - Sarrià de Ter - Foto: APA

Die Betroffenen wurden aufgerufen, bei der katalanischen Polizei Anzeige gegen die staatliche Polizeieinheit Guardia Civil zu erstatten. Zur Verhinderung der Abstimmung hatte Madrid rund 4.000 staatliche Polizisten nach Katalonien geschickt.

Das von der katalanischen Regionalregierung von Carles Puigdemont ausgerufene „verbindliche Referendum” findet trotz eines Justizverbotes und gegen den Willen der Zentralregierung in Madrid statt. Schon bei der Öffnung der Wahllokale um 09.00 Uhr griffen die von der Zentralregierung entsandte paramilitärische Polizeieinheit Guardia Civil und die Nationalpolizei teilweise hart durch, es gab 38 Verletzte.

Die Sicherheitskräfte versuchten, Wähler energisch am Zugang zu den Urnen zu hindern. Die Frage auf den Stimmzetteln lautete: „Wollen Sie, dass Katalonien zu einem unabhängigen Staat in Form einer Republik wird?” Eine Lösung der Krise war vorerst nicht in Sicht.

Puigdemont, Chef der katalanischen Regionalregierung, betonte, jeder der abstimmen wolle, könne das tun. Da die Gegner einer Abspaltung überwiegend nicht zur Wahl gingen, wurde eine Mehrheit für die Unabhängigkeit erwartet. Fraglich war, ob die Polizei eine Auszählung und Veröffentlichung der Ergebnisse verhindern würde.

Je höher die Beteiligung, desto mehr Gewicht dürfte das Referendum haben. Die Zentralregierung in Madrid beharrte darauf, dass das Referendum illegal sei. Dies hatte die Justiz bestätigt.

Über Barcelona kreisten Hubschrauber. Die Menschen reagierten friedlich auf die Aktionen der Polizei, hielten ihre Hände in die Höhe und stimmten Lieder an. Einige gingen mit Blumen in den Händen auf die Sicherheitskräfte zu. „Wir sind friedliche Leute!”, riefen die Bürger in Sprechchören.

Auf Fotos war zu sehen, dass die Polizei in Barcelona zum Teil auch Gummigeschoße einsetzte. Mehrere Menschen bluteten im Gesicht, darunter auch ältere Bürger. Die Guardia Civil ist seit der Unterdrückung der Region unter dem Franco-Regime in Katalonien äußerst unbeliebt.

apa/dpa

stol