Es gibt viele von ihnen – und sie leiden oft still und unerkannt vor sich hin: Betroffene von psychischen Problemen in Familien. Darunter fallen auch Kinder und Jugendliche, deren Eltern derartige Schwierigkeiten haben. Ihnen widmete sich eine Tagung auf Schloss Goldrain.<BR /><BR />Es gehe z. B. darum, die Kooperation zwischen den Partnern aus Bezirksgemeinschaft und Sprengel, Schulen, Kindergärten oder dem Psychologischen Dienst zu stärken, erklärte die Sozialdienste-Leiterin Karin Tschurtschenthaler am Rande der Veranstaltung.<BR /><BR /><embed id="dtext86-53819468_quote" /><BR /><BR />Im Rahmen eines Interreg-Projektes hat man daher versucht, diese Zusammenarbeit zu stärken und neue Impulse für die wichtige Arbeit zu setzen. „Wir sind auf dem Weg“, sagte Tschurtschenthaler in Bezug auf die Begleitungs- und Betreuungsmöglichkeiten dieser Kinder und Jugendlichen bzw. auch ihrer Eltern. Es gebe leider noch viele Tabus rund um psychische Erkrankungen, bedauerte sie. Es gebe Ängste, es werde zu wenig darüber offen geredet usw. Das möchte man ändern. Die Fachleute in diesem Bereich möchten die Gesellschaft für die Anliegen der Betroffenen sensibilisieren. Das sah auch Roselinde Gunsch so, welche die Bezirksgemeinschaft vertrat und die Bedeutung der Thematik unterstrich.<BR /><BR />Dass Betroffene sehr unter psychischen Problemen in der Familie leiden, machte Anita Pernter deutlich. Sie erzählte über ihre Lebens- und oft auch Leidensgeschichte und wünschte sich Hilfe, Begleitung und Entlastung für die Betroffenen – aber keine Bevormundung. <BR /><BR /><embed id="dtext86-53819464_quote" /><BR /><BR />Einblicke in seine langjährige Arbeit gab auch der Psychiater Alberto Degiorgis. Er sagte, dass es wichtig wäre, die psychisch Erkrankten direkt und vor Ort zu betreuen. Es sei wichtig, zu sehen, wo und wie sie lebten, betonte er. Auf die Frage, was er sich wünsche, sagte Degiorgis: „Mehr Schuhe und weniger Schreibtische.“ Therapeuten, Sozialarbeiter und Co. sollten sich verstärkt auf den Weg machen, um ihre Klienten in allen Lebenslagen zu betreuen. <h3> In den Menschen investieren</h3>Er wies auch auf den Umstand hin, dass ein fast schon industrialisiertes Modell von zunehmenden Diagnosen nicht der richtige Weg sei – vielmehr müsse man in die Menschen investieren und Begleitung in jedem Lebenskontext ermöglichen. Ein „Paradigmenwechsel“ sei also nötig. Auch bei der reinen Zahl der Fachleute gebe es durchaus Verbesserungspotenzial. Es ging bei der Tagung also insgesamt darum, die Qualität der Betreuungsarbeit zu verbessern und ebenso die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten. <BR /><BR /><BR />In Arbeitsgruppen aufgeteilt, wurden den Teilnehmenden Aufträge zugewiesen, wobei es unter anderem um die Rolle der Dorfgemeinschaften ging. Jede Freundschaft, jede Hilfestellung, jedes gute Wort könne Menschen mit psychischen Problemen helfen, sagte Anita Pernter. In diesem Sinne müssen Tabus gebrochen werden und sollten sich Nicht-Betroffene mit den Schwierigkeiten von Menschen mit psychischen Problemen beschäftigen. <BR />