Samstag, 10. Dezember 2016

Mindestens 38 Tote bei Explosion in Istanbul: Staatstrauer

Istanbul ist neuerlich von schweren Anschlägen erschüttert worden: Bei zwei Bombenexplosionen vor einem Fußballstadion und in einem Park im Zentrum der türkischen Metropole wurden nach Regierungsangaben am Samstagabend mindestens 38 Menschen getötet, die meisten von ihnen Polizisten. Es gab zudem weit über 100 Verletzte.

In Istanbul gelten nach den Bombenexplosionen vom Samstagabend höchste Sicherheitsvorkehrungen.
In Istanbul gelten nach den Bombenexplosionen vom Samstagabend höchste Sicherheitsvorkehrungen. - Foto: © APA/AFP

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Nach Angaben von Innenminister Süleyman Soylu war kurz nach einem Fußballspiel zwischen den türkischen Erstligaclubs Besiktas und Bursaspor um 22.29 Uhr (Ortszeit, 20.29 Uhr MEZ) eine Autobombe vor der Vodafone Arena, dem Stadion von Besiktas, explodiert.

Der Anschlag galt seinen Angaben zufolge einem Bus mit Polizisten, die das Fußballspiel abgesichert hatten. 45 Sekunden später habe sich im nahegelegenen Macka-Park ein Selbstmordattentäter in einer Gruppe Polizisten in die Luft gesprengt.

Fernsehbilder zeigten schwer beschädigte Polizeifahrzeuge sowie ein brennendes Auto und mehrere Rettungswagen. Nach Angaben von Augenzeugen gingen zudem mehrere Fenster von benachbarten Häusern zu Bruch.

Die Polizei riegelte das gesamte Gebiet rund um die Vodafone Arena ab, die im Stadtteil Besiktas im europäischen Teil der Metropole liegt. Die Gegend zwischen dem Taksim-Platz und dem ehemaligen Sultanspalast Dolmabahce ist auch bei Touristen sehr beliebt.

Laut Präsident Erdogan ein Terrorakt 

Der türkische Präsident Erdogan sprach von einem „Terrorakt“, der sich gegen die türkischen Sicherheitskräfte und die Menschen in Besiktas gerichtet habe. Die zwei Explosionen unmittelbar nach dem Ende des Fußballspiels hätten offenbar möglichst viele Menschen töten sollen. 

In Istanbul hatte es in diesem Jahr schon mehrere schwere Anschläge gegeben, für die die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) oder deren Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) oder die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich gemacht wurden. Istanbul war auch einer der Hauptschauplätze des blutigen Putschversuchs Mitte Juli.

Zu den Anschlägen am Samstag bekannte sich zunächst niemand. Nach Angaben von Innenminister Soylu wurden bereits kurz nach dem Anschlag zehn Verdächtige festgenommen und in Gewahrsam genommen worden. Laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu übernahm die Anti-Terror-Abteilung der Istanbuler Staatsanwaltschaft die Ermittlungen.

Der ganze Staat trauert 

Die türkische Regierung hat nach den schweren Anschlägen ein eintägige Staatstrauer ausgerufen. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, ordnete Ministerpräsident Binali Yildirim an, dass die Flaggen am Sonntag auf Halbmast gesetzt werden.

apa/afp

stol