Als Erfolgsrezept für die Vereinbarkeit von privatem Glück und öffentlichem Erfolg nennt die bayerische Staatsministerin „eiserne Disziplin, unglaublichen Fleiß und den Rückhalt der Großfamilie“. <BR /><BR />Herzlich, das ist das Erste, das einem einfällt, wenn man mit Ulrike Scharf spricht. Bei strahlendem Winterwetter ist die bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales gerade auf dem Weg in die Meraner Thermen, wo ausnahmsweise etwas Ruhe auf dem Programm steht. <BR /><BR />Entspannt erzählt die 56-Jährige von Sohn Andreas, von Enkel Xaver und von der Freude, die der Kleine in die Familie gebracht hat. Ulrike Scharf schwärmt vom Wandern und Skifahren und von ihrer großen Leidenschaft, der Jagd. Sie spricht vom Landkreis Erding in Oberbayern, von Maria Thalheim, dem 600-Seelen-Ort, in dem sie aufgewachsen ist, und von Südtirol, dem Land des Herzens, das ihr eine zweite Heimat geworden ist.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985306_image" /></div> <BR /><BR />Dass sich die CSU-Spitzenpolitikerin über die Weihnachtsfeiertage ausgerechnet in Südtirol aufhält, ist kein Zufall. Seit 10 Jahren ist Ulrike Scharf mit dem Partschinser Florian Gamper liiert. Zum ersten Mal begegnet sind sich die Ministerin und der Publizist, Ornithologe und Betriebswirt im Jahr 2013. Anlass war die Hauptversammlung der Bayern-Südtirol-Gesellschaft auf der Fürstenburg in Mals. Sie bat ihn um Wandertipps in der Umgebung, und er nahm sie tags darauf mit auf die Gamsjagd. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985309_image" /></div> <BR /><BR />Bei einem Teller Nudeln und einem Glas Rotwein hat es schließlich gefunkt, und seitdem pendelt das Paar über den Brenner. „Freilich wäre es einfacher, wenn wir zusammen wohnen würden“, gesteht Ulrike Scharf, deutet aber auch an, dass die Beziehung der Distanz durchaus trotze. <h3> Vom Bus zur Politik</h3>„Zielstrebig“ ist das Adjektiv, das einem durch den Kopf geht, wenn man Ulrike Scharfs Biografie liest. Als Mutter ist es ihr gelungen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Als Tochter und Schwester von 3 Brüdern hat sie nach dem Studium ihren eigenen Platz im Familienunternehmen gesucht und gefunden. Als Frau hat sie sich in der Politik durchgesetzt – und zwar in den Reihen der nach wie vor stark männlich geprägten CSU. <BR /><BR />Mitglied des Parteipräsidiums, Vorsitzende der Frauen-Union, Staatsministerin – das sind nur 3 Etappen einer Karriere, die die geschickte Netzwerkerin von Maria Thalheim über Erding nach München geführt haben. Anfang November hat Ministerpräsident und Parteikollege Markus Söder Ulrike Scharf zu seiner zweiten Stellvertreterin ernannt und damit nicht zuletzt auch ihr Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen goutiert.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985312_image" /></div> <BR /><BR /> Zwei Eigenschaften, die sie, unabhängig von ihrer persönlichen Geschichte, als wichtige Voraussetzungen für eine weibliche Karriere beschreibt: „Frauen brauchen einen längeren Atem und mehr Mut als ihre männlichen Kollegen, sie brauchen eiserne Disziplin und unglaublichen Fleiß.“ Ebenso notwendig seien verlässliche Betreuungsplätze für die Kinder und eine effektive Entlastung bei der Pflege der Angehörigen. „Bayerns größtes Pflegeheim sind nach wie vor die Familien“, sagt die Ministerin. <BR /><BR />Sie will für mehr Kita-Plätze und Senioreneinrichtungen, aber auch für mehr Frauen in der Politik kämpfen. „Jede zusätzliche Mitstreiterin ist entscheidend“, lautet ihr Credo, wobei sich der Appell gleichermaßen an die Frauen – „Wir müssen es uns nur zutrauen“ – und an die Politik richtet, allen voran an ihre CSU. „Denn eine Volkspartei hat nur Zukunft, wenn sich auch Frauen auf wichtigen Posten und als Mandatsträgerinnen wiederfinden.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985315_image" /></div> <BR /><BR /><BR />„Tief verwurzelt“ zeigt sich die Oberbayerin, wenn sie von ihrer Familie erzählt. In den 1930er-Jahren von Großvater Josef Scharf gegründet, wurde das gleichnamige Busunternehmen später von Ulrikes Vater Johann übernommen und anschließend von dessen Kindern weitergeführt.<BR /><BR /> Dass auch sie in den Familienbetrieb einsteigen würde, war für die Zweitgeborene von Anfang an klar. 20 Jahre lang hat Ulrike Scharf das Reisegeschäft des mittlerweile internationalen Tourismusunternehmens aufgebaut und geleitet – bis sie Horst Seehofer 2014 als Umweltministerin in sein Kabinett holte. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="985318_image" /></div> <BR /><BR />Hand in Hand mit dem beruflichen Engagement ging bei Ulrike Scharf immer auch die politische Passion. „Ich bin in einer politisch interessierten Familie und in einem Betrieb aufgewachsen, der zwangsläufig eng mit den lokalen Verwaltungen zusammenarbeitet.“ Schon als Mädchen kannte sie die meisten Bürgermeister im Landkreis persönlich. <BR /><BR />Der Anstoß, selbst politisch aktiv zu werden, kam 1994 schließlich vom damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber bei seiner ersten Wahlkampftour durch Bayern. „Meine Brüder fuhren den Bus und ich durfte mit.“ Eine prägende Erfahrung. Ohne den Rückhalt ihrer Großfamilie hätte die junge Mutter den Sprung in die Politik damals allerdings nicht gewagt. „Das war mein großes Glück.“<h3> Amüsiert</h3>Amüsiert gibt sich Ulrike Scharf, wenn man sie nach den Anspielungen auf ihren Nachnamen fragt. „Das geht schon, solange ich denken kann“, antwortet die Ministerin vergnügt. „Bei meinem ersten Fernsehinterview nach der Angelobung rief der Techniker, der gerade an seiner Kamera herumdrehte, plötzlich: So, jetzt sind Sie endlich scharf.“ Sie habe gelacht und spontan geantwortet. „Na, dann ist ja gut.“<BR /><BR /><BR /><BR />ZUR PERSON<BR /><BR />Ulrike Anna Scharf wurde am 16. Dezember 1967 in Erding in Oberbayern geboren. Nach dem Abitur hat sie zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau absolviert und anschließend in München Betriebswirtschaftslehre studiert. Von 1992 bis 2014 hat sie im familieneigenen Bus- und Reiseunternehmen gearbeitet. <BR /><BR />Seit 1995 ist sie Mitglied der Christlich-Sozialen Union (CSU), in der sie diverse Funktionen innehatte. 2001 wurde sie Mitglied der Frauen-Union Bayern, deren Landesvorsitzende sie heute ist, 2003 zog sie in den CSU-Bezirksvorstand ein und von 2011 bis 2014 war sie als Schatzmeisterin sogar Mitglied des Parteipräsidiums.<BR /><BR />Als Vertreterin der CSU saß Ulrike Scharf im Erdinger Kreistag, im Bayerischen Landtag und in der Bayerischen Staatsregierung. Von 2014 bis 2018 war sie Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, seit 2022 ist sie Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales. Am vergangenen 8. November hat sie Ministerpräsident Markus Söder zu seiner zweiten Stellvertreterin ernannt.<BR /><BR />Die Oberbayerin ist außerdem ehrenamtlich aktiv – 16 Jahre lang hat sie in der Stadtkapelle Erding mitgewirkt, 8 Jahre war sie Vorsitzende der Wasserwacht.<BR /><BR />Ulrike Scharf ist geschieden und Mutter eines erwachsenen Sohnes, der sie vor 6 Monaten zur Großmutter machte.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR />Bildtext:<BR /><BR />Angelobung als Ministerin für Arbeit, Familie und Soziales – mit Lebenspartner Florian Gamper (links) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder</TD><TD>Foto: privat<BR /><BR /><BR />Achtung: Bild B0A2979.jpg: © <BR />