Die einstige Gewinnerin der „Maratona dles Dolomites“ erfüllte sich damit einen Traum.<BR /><BR />2003 kam die gebürtige Hamburgerin mit „steirischem Blut“ (ihr Vater war aus der Steiermark) nach Südtirol. Weil sie die Berge liebte und ein ideales Terrain für ihre Leidenschaft, das Radfahren, vorfand. Sie begann, Radrennen zu bestreiten, glänzte bei der Maratona dles Dolomites, war aber vor allem als Hobbyradlerin unterwegs. Im Hauptberuf ist die diplomierte Bauingenieurin in der Klimahaus-Agentur tätig, wobei sie jeden Tag von Meran nach Bozen mit dem Rennrad zur Arbeit fährt.<h3>2100 Kilometer in 2 Wochen</h3>Die Idee zu einer Rundfahrt durch Frankreich hegte die Sportlerin schon lange, doch dann kam Corona dazwischen und so musste das Vorhaben aufgeschoben werden. Doch in diesem Frühjahr war es endlich so weit. Mit akribischer Genauigkeit plante Astrid ihr sportliches Abenteuer auf den Straßen Frankreichs. Anfang August flog sie nach Bordeaux, wo ihre 2100 Kilometer lange Tour beginnen sollte. Astrid hatte sich die Etappen so eingeteilt, dass sie täglich rund 150 Kilometer abstrampeln musste. Auch die Unterkünfte hatte sie sich vorgemerkt. Das hatte den Vorteil, dass sie abends immer wusste, wo sie ein warmes Bett vorfinden würde, andererseits musste aber rigoros der Terminplan eingehalten werden. Denn auf jedwede Begleitung hatte sie verzichtet.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="826178_image" /></div> <h3>Die Pässe der Pyrenäen</h3>Zuallererst wollte die Radlerin den Atlantik sehen. So fuhr sie vom Flughafen Bordeaux westwärts bis nach Mimizan, wo sie den Ozean bewundern konnte. Dann folgte eine endlos erscheinende, eigentlich öde Zufahrt zum Fuße der Pyrenäen, wo sich die tollen Erlebnisse überhäuften. „Die Pyrenäen sind wunderbar bewaldet, man hat Schatten, und das war in der Hitze diesen Sommers echt Labsal“, schmunzelt die Wahlmeranerin, die hinzufügt, dass bis auf die bekannten Pässe wie Tourmalet oder Peyresourde andere Strecken fast menschenleer waren. <BR /><BR />„Ich habe oft stundenlang lediglich Kühe gesehen, keine Menschen“, räumt sie ein. Auf ihrer Liste führt sie Pässe wie den Col Otxondo, den Col d'Ispeguy oder den Burdinkurutxeta an. Natürlich durften die Klassiker der Pyrenäen wie Aubisque oder Aspin nicht fehlen, auch an der Gedenktafel für Fabio Casartelli (am Portet d'Aspet) hielt die Radlerin inne. Danach wagte sie den Übergang nach Andorra, wo sie sich zunächst schwer tat, ein halbwegs ordentliches Essen zu finden – und dann später am Abend wahre Köstlichkeiten aus der Region entdeckte.<BR /><BR />Ein absolutes Highlight war der frühe Morgen am Envalira-Pass, am Übergang von Andorra zurück nach Frankreich. Dort erlebte Astrid einen unvergesslichen Sonnenaufgang, sozusagen der verdiente Lohn für den schweren Anstieg. Gerade zu den schwierigen Anstiegen hatte sich die Radlerin eine einfache Motivationshilfe zurechtgelegt: „Wenn es schwer wurde, redete ich mir ein, ich sollte doch den Tag genießen. Das gab mir neue Kraft“, philosophiert die Ausdauersportlerin. Der lange Transfer von Perpignan über Montpellier nach Avignon war vor allem mental eine Herausforderung. „Diese Strecke ist nervtötend, aber da muss man durch. Wichtig war mir, dass ich mir unterwegs neue Freuden vorstellte, etwa das abendliche Bier.“ <h3>Auf den Spuren der Legenden in den Alpen</h3>Doch dann kam die Camargue, wo Astrid ein paar der bekannten Pferde in freier Natur sah. Und die endlos wunderschönen Lavendelfelder in der Provence. Das empfindet sie als weiteres Highlight ihrer Tour. Einen besonderen Leckerbissen suchte sich die Sportlerin für den 11. Tag aus, als sie den legendären Mont Ventoux in Angriff nahm. Auf den Spuren von Miguel Indurain, Alberto Contador oder Laurent Fignon strampelte sie durch die obere Steinwüste am „windigen Berg“, dem ein weiterer landschaftlicher Genuss folgte, nämlich die Schluchten Richtung Embrun und später dann Briancon.<BR /><BR />„Ich bin auf gewissen Strecken kaum einem Auto begegnet, generell nehmen in Frankreich die Autofahrer große Rücksicht auf Radfahrer. Ich wage zu behaupten, dass Frankreich für Radler ein Paradies ist“, sagt sie. Das erklärt, wieso sie ihre Tour nicht quer durch Italien geplant hatte.<h3>Rückkehr über Piemont</h3>Wegen schlimmer Wetterprognosen mit Schneefall in der Höhe musste Astrid die Rückkehr nach Italien umplanen. Schweren Herzens verzichtete sie auf den Colle dell'Agnello und zog den „einfacheren Weg“ mit Montgenevre und Sestriere vor. Der Rest war ein gemütliches Ausrollen durch den Piemont zum Lago Maggiore, wo sie mit einem Abstecher nach Bellinzona in die Schweiz ihre Tour beendete.<BR /><BR />„Ich habe auf dieser 2-wöchigen Tour vor allem mich selbst besser kennengelernt. Ich fühle mich mental stärker, weil ich die Herausforderung gemeistert habe, auch weil ich durch gutes Material keine Pannen hatte. Außerdem bin ich ruhiger geworden und gestärkt nach Hause zurückgekehrt“, fasst sie ihre ganz persönliche Tour de France kurz zusammen.