Stefan Siegels Reisebegleiter waren Schäferhund Ranger, die Lust nach Abenteuer und der Wunsch nach Einsamkeit.<BR /><BR /><BR /><BR />Der Name des gebürtigen Meraners Stefan Siegel (42) steht für Mode. Für alles, was stylisch, außergewöhnlich und angesagt ist. Der ehemalige Investment-Banker, der während seiner Wiener Studienzeit für Gucci, Prada und Calvin Klein über den Laufsteg lief, lancierte 2008 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Daniel die Onlineplattform „Not just a Label“ (NJAL). <BR /><BR />Die geniale Idee dahinter: Auf dieser Webseite können ausgewählte Nachwuchsdesigner sich und ihre avantgardistischen Modelle vorstellen. Heute gilt NJAL als Schaufenster für zeitgenössische Luxusmode und als eine der einflussreichsten Mode-Webseiten weltweit. Sie vertritt über 45.000 junge Designer in mehr als 150 Ländern. Parallel dazu fördert die Plattform Modeschöpfer, die nachhaltigere Fashion produzieren und lokale Kreisläufe unterstützen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="719027_image" /></div> <BR /> 2015 kehrte Siegel von der virtuellen in die reale Welt zurück. Der damalige Wahl-Londoner eröffnete in Dubai einen „Not just a label“-Flagship-Store, wenig später sperrte im renommierten Waldorf Astoria Hotel an der Park Avenue in New York sein zweiter Laden auf. Mittlerweile lebt und arbeitet der Südtiroler in Malibu, einer Stadt westlich von Los Angeles (Kalifornien).<BR /><BR />Hier bastelte Stefan Siegel an der Verwirklichung seines „amerikanischen Traumes“. 2020, als die USA im Lockdown waren, mietete er zunächst einen Airstream-Wohnwagen, packte einige persönliche Sachen ein, ebenso seinen Laptop und seinen Deutschen Schäferhund Ranger.<BR /><BR /><b>Leben in der Wildnis</b><BR /><BR /> Auf der Reiseroute dieser mehrmonatigen „Probefahrt“ standen unter anderem die US-Bundesstaaten Oregon, Idaho, Wyoming und Montana. <BR />Stefan Siegel wollte herausfinden, ob das Leben in der amerikanischen Wildnis etwas für ihn und Ranger war. Hund und Herrchen waren begeistert von der Freiheit, den Nächten unter Sternen, der beeindrucken Landschaft abseits der großen Städte. „Ich habe meinen inneren Frieden immer in der Natur gefunden, weit weg von allem und jedem“, schrieb Siegel damals begeistert auf Instagram. <BR /><BR />An seinem 42. Geburtstag, am 28. Dezember 2020, begann dann das ganz große Abenteuer für Stefan und Ranger. „Ich ging eine Werbepartnerschaft mit Airstream ein, und wir gingen auf eine einjährige Reise quer durch die USA“, schildert Siegel. 40.000 Kilometer legte er in 330 Tagen in der „Silbernen Blechbüchse“, wie die Airstream Wohnwagen von ihren Fans liebevoll genannt werden, zurück und bereiste dabei 28 US-Bundesstaaten. <BR /><BR /><b>Leben wie die Nomaden</b><BR /><BR />Sein „Greatest American Roadtrip“ führte ihn quasi vom Pazifik zum Atlantik und retour. Auf der Route lagen atemberaubende Landschaften, entzückende Städtchen und unberührte Wälder. Die Abenteuer dokumentierte er auf Instagram.<BR /><BR />Hund und Herrchen lebten dabei wie die Nomaden, trotzen Staubstürmen, eiskalten Nächten, mechanischen Problemen, suchten nach Wasser, Strom und Verpflegung. Belohnt wurden sie mit atemberaubenden Landschaften – nahezu menschenleer und authentisch, vor allem westlich der Rocky Mountains. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="719030_image" /></div> <BR />Warum er weggegangen ist? „Damit ich zurückkommen kann. Damit ich den Ort, von dem ich komme, mit neuen Augen und anderen Farben sehen kann“, so Stefan Siegel. „Ich war in den vergangenen Jahren viel in Metropolen unterwegs, dieses Alleinsein habe ich nun genossen. Durch das Leben in der Einsamkeit habe ich viel über mich erfahren.“ <BR /><BR />Ganz auf Komfort hat der Südtiroler in seiner silbern glänzenden und aerodynamischen „Constantly Moving Happiness Machine“ (zu Deutsch: Sich-ständig-bewegende-Glücksmaschine) nicht verzichtet. Sein Airstream war insgesamt 10 Meter lang, verfügte über eine Kochnische, eine Toilette und Dusche, „und sogar Netflix konnte ich schauen, während ich mitten im Wald parkte“, so Siegel. Die Inneneinrichtung seines Modells war im Stil der Jahrhundertmitte gestaltet, will heißen: Wände und Schränke aus dunklem Walnussholz, Arbeitsflächen aus weißem Marmor und dunkelgraue Polstermöbel. Gezogen wurde der Airstream von einem Mercedes G-Klasse. <BR /><BR /><b>Büro im Airstream</b><BR /><BR />Seinen Job erledigte der Weltenbummler von unterwegs aus, „im digitalisierten Zeitalter ist dies problemlos möglich – egal, ob man in einem Büro in Malibu sitzt oder in einem Airstream am Grand Canyon.“ Im Herbst, nach 9 Monaten in der „Wildnis“, unterbrach der Unternehmer kurz sein Abenteuer, um zur Mailänder Modewoche zu fliegen. Hier brachte es die Kooperation von NJAL mit Zalando unter Dach und Fach. <BR /><BR />Vor wenigen Tagen ist Stefan Siegel nach Malibu zurück gekehrt. „Als erstes bestellte ich mir einen Kaffee in einem Coffee-Shop“, schmunzelt er. „Mein erster Besuch im nahen Los Angeles wird sicherlich zum Kulturschock.“ Der Airstream ist beim Hotel eines Freundes geparkt. Stefan Siegel: „Ich kann mir vorstellen, ihn auch weiterhin als Unterkunft zu nutzen.“<BR />