Alles fing mit einer Handtasche aus schwarzem Militärnylon an. Ihre erste Designarbeit für das Familienunternehmen, das sie im Alter von 28 Jahren überraschend von ihrer Mutter Luisa übernahm, erwies sich sofort als geniale Idee. Praktisch, leicht, wasserfest – und vor allem nützlich. Bis heute ist die Nylon-Handtasche von Prada ein Kultobjekt. In der Folgezeit machte Miuccia Prada das Modehaus mit revolutionären Designs, schlichtem Understatement und praktischen Materialien zu einer weltweit erfolgreichen Marke.<BR /><BR />Neben den klassischen Kleidern und Schnitten, die unter ihrer Ägide bei Prada produziert wurden, prägte die Italienerin als eine der ersten großen Modemacherinnen den sogenannten Ugly Chic (frei übersetzt etwa: hässliche Eleganz). Einige finden das schrecklich, doch bei Modefans war und ist er heute wieder der letzte Schrei.<BR /><BR /><BR />Gallery #DText/86-64658054 not found<h3>„Ich kreiere Kleider, die getragen werden können“</h3>Erstmals zeigte Miuccia Prada den Ugly Chic in einer Kollektion 1996. Sie wollte damals provozieren und das Unpassende in den Mittelpunkt stellen: Knalliges Grün prallte auf staubiges Braun, dicker Zopfstrick auf hauchdünne Transparentstoffe, Retro auf Futuristisches, Plastik auf Kristall und Socken auf High-Heel-Sandalen. Sie spielte mit dem Hässlichen und Schönen, mit Tabu und Norm – und feierte damit einen Riesenerfolg.<BR /><BR />Die Kollektion sollte mit Traditionen brechen. „Irgendwie wurde das, was man ,Bad Taste' (schlechter Geschmack, Anm. d. Red.) nennt, in der Mode nie akzeptiert. Damals war es eine Art Skandal, eine Beleidigung. Auch heute noch ist die Mode manchmal der Ort der klischeehaften Schönheit, aber es ist das Klischee der Schönheit, das komplett entfernt – ja, verändert werden muss“, sagte Prada der Modezeitschrift „Vogue“.<BR /><BR /> Pradas Mode stellte immer die Frau ins Zentrum. „Die Vorstellung von einer Frau als schöne Silhouette – nein! Ich versuche, Frauen zu respektieren. Ich neige nicht dazu, Kleider zu entwerfen, die super-sexy sind. Ich kreiere Kleider, die getragen werden können, die nützlich sind“, sagte sie der „Vogue“.<BR /><BR />Heute ist die Prada-Group ein erfolgreicher Player in der Modewelt. Der Konzernumsatz belief sich im vergangenen Jahr auf knapp 4,73 Milliarden Euro. Das Unternehmen führt Miuccias Ehemann Patrizio Bertelli (78). Längst vermarktet Prada auch Parfüms, Schmuck und Sonnenbrillen.<BR /><BR />Eigentlich war ihr die Karriere als erfolgreiche Modemacherin in die Wiege gelegt, doch als junge Frau wehrte sie sich vehement dagegen, im Familienunternehmen zu arbeiten. 1913 hatte ihr Großvater Mario mit seinem Bruder Martino ein Unternehmen für hochwertige Lederwaren gegründet. Der Name damals: Fratelli Prada, die Brüder Prada. Später übernahm ihre Mutter Luisa. Miuccia Prada, am 10. Mai 1949 als Maria Bianchi in Mailand geboren, studierte zunächst Politikwissenschaft und promovierte. Danach ließ sie sich als Pantomime ausbilden. Eine Zeit lang war sie Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens. Schon damals wollte sie anders sein. Bei den Demonstrationen und Sit-ins tauchte sie nicht wie ihre Genossinnen in Jeans auf, sondern trug Kleider des französischen Designers Yves Saint Laurent.<BR /><BR />Mit 28 Jahren übernahm sie gemeinsam mit ihren 2 Geschwistern von ihrer Mutter das Unternehmen. Sie nahm deren Geburtsnamen an und nannte sich Miuccia – ihr Spitzname aus Kindheitstagen. Ihr Ehemann, mit dem sie 2 Söhne hat, animierte sie zur Designer-Karriere. Angeblich hielt sie zuvor noch nie einen Stift in der Hand. Sie habe auch nie gelernt, zu zeichnen und zu schneidern, sondern entwerfe immer „mit Worten“ ihre Mode.<BR /><BR />Mit ihrem Ehemann baute sie das Unternehmen zu einem Millionen-Imperium aus. Aus dem altehrwürdigen Familienbetrieb, der 1919 von Vittorio Emanuele III. zum königlichen Hoflieferanten ernannt wurde, machten sie einen modernen Modekonzern. 1993 gelang Miuccia Prada mit ihrem zweiten Label Miu Miu ein weiterer Coup.<BR /><BR />Als eine der wenigen Frauen in der von Männern dominierten italienischen Modewelt stach Miuccia Prada mit ihren Kreationen heraus. Noch heute legt Miuccia Prada Wert auf Stilbruch. In neuen Kollektionen setzte sie wieder auf Kontraste und brach weibliche Klischees mit maskulinen Elementen und Stoffen.<BR /><BR />Doch Prada will sich nicht an vergangenen Erfolgen messen. „Wenn die Leute fragen: ,Bist du glücklich über deinen Erfolg in der Mode?' Das ist mir völlig egal“, sagte sie der „Vogue“. „Ich denke darüber nach, was ich als Nächstes tue.“ Dabei treibe sie stets der Gedanke an, dass die Menschen, die ihre Kleider tragen, sich selbstbewusst fühlen. „Mode ist eine Darstellung der eigenen Vision der Welt. Denn sonst ist Mode meiner Meinung nach nutzlos.“