Samstag, 30. März 2019

Modern und innovativ

Der Raiffeisenverband gedachte ein ganzes Jahr lang mit zahlreichen Initiativen des Vordenkers der Genossenschaftsidee Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der am 30. März des Vorjahres 200 Jahre alt geworden wäre. Generaldirektor Paul Gasser über die Erkenntnisse aus dem Jubiläumsjahr.

Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes
Paul Gasser, Generaldirektor des Raiffeisenverbandes

Welches Resümee ziehen Sie aus dem Jubiläumsjahr?

Wir wollten die Bedeutung des Genossenschaftswesens generell und im Besonderen für Südtirol sichtbar machen. Denn Genossenschaften haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Wirtschaftsregion Südtirol in Europa heute gut dasteht. Der Blick zurück hat gezeigt, dass diese positive Entwicklung nur durch harte Arbeit erreicht werden konnte und wir an den genossenschaftlichen Prinzipien festhalten müssen, um auch in Zukunft Erfolg zu haben. Wir möchten das Wissen rund um das Genossenschaftswesen noch stärker verbreiten. Deshalb ist die Einrichtung einer Organisationseinheit im Raiffeisenverband geplant, die sich intensiv mit der Förderung des Genossenschaftsgedankens beschäftigt.

Bei einer Fachtagung in der EURAC diskutierten im vergangenen November Wissenschaftler über die Aktualität und Zukunft von Genossenschaften. Was waren die Ergebnisse?

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass es lohnend ist, sich für diese Art des Wirtschaftens einzusetzen. Die Ergebnisse sind sehr motivierend. Eine wichtige Erkenntnis war, dass wir uns besser vernetzen und die Interessen der Genossenschaften auf nationaler und internationaler Ebene gemeinsam vertreten müssen. Denn vor allem in der Gesetzgebung, zum Beispiel bei der Überreglementierung im Bankenwesen, werden die Bedürfnisse von Genossenschaften häufig zu wenig berücksichtigt.

Der Raiffeisenverband hat auch einen Innovationspreis ausgeschrieben. Welchen Stellenwert hat Innovation in der Genossenschaftswelt?

Genossenschaften sind moderner und innovativer, als gemeinhin geglaubt wird. Unsere Kellereien, Obst und Sennereigenossenschaften sind im internationalen Vergleich gerade deshalb so erfolgreich, weil sie in Forschung und Entwicklung investieren und sich ständig weiterentwickeln.
Auch die Gemeinwohlökonomie liegt international im Trend: Mit ihrer Art des Wirtschaftens und der gelebten Mitbeteiligung kommen Genossenschaften diesem ethischen Wirtschaftsmodell schon sehr nahe. Außerdem bieten Genossenschaften in Bereichen Lösungen an, in denen die öffentliche Hand an ihre Grenzen stößt, beispielsweise in der Pflege von älteren Menschen oder in der Kinderbetreuung.

Steigt die Anzahl von Genossenschaftsgründungen?

Europaweit steigt die Anzahl der Genossenschaften stärker als in Südtirol. Hierzulande gibt es schon über 1.000 Genossenschaften, das ist für ein Land mit 500.000 Einwohnern eine sehr hohe Dichte.
Neugründungen gibt es vor allem im sozialen Bereich. Wichtig ist, dass die neuen Genossenschaften auf lange Sicht lebensfähig sind und dass sie einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Deshalb unterstützen wir potenzielle Neugründungen mit einer umfassenden Start-up-Beratung.

stol