Sonntag, 08. April 2018

Münster: Kein islamistisches Motiv, dafür politischer Krach

Ein Auto rast in eine Gruppe von Menschen, es gibt Tote und Verletzte – die ersten Nachrichten aus Münster haben viele Menschen an einen islamistischen Terroranschlag denken lassen. Nachdem deutlich wurde, dass der Todesfahrer wohl kein solches Motiv hatte, ist in Sozialen Netzwerken ein Streit über die politische Instrumentalisierung des Falls ausgebrochen.

Nach dem Zwischenfall in Münster fragen sich am Sonntag viele: Warum mussten 2 Menschen sterben?
Nach dem Zwischenfall in Münster fragen sich am Sonntag viele: Warum mussten 2 Menschen sterben? - Foto: © APA/AFP

„Jetzt, wo der Täter in Münster offenbar Deutscher war und keinen islamistischen Hintergrund hatte, sind manche von rechts außen geradezu enttäuscht“, twitterte der Grünen-Politiker Cem Özdemir am Wochenende. „Das ist genauso krank wie Islamismus. Man trauert um jedes Opfer, wenn man Mensch ist!“

Für verärgerte Reaktionen hatte unter anderem die AfD-Politikerin Beatrix von Storch gesorgt, die kurz nach der Tat das Merkel-Zitat „Wir schaffen das“ in Großbuchstaben und dazu einen wütenden Emoji twitterte. Am Sonntag schrieb sie: „Ein Nachahmer islamischen Terrors schlägt zu. Und die Verharmlosungs- und Islam-ist-Vielfaltsapologeten jubilieren.“ Das zeige, dass die Gefahr von islamistischem Terror allen bewusst sei.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion Die Linke, Jan Korte, sagte dazu: „Wer nicht einfach mitfühlen und trauern kann, bei dem stimmt der Kompass der menschlichen Anständigkeit nicht.“ Wer solch eine Tragödie politisch instrumentalisiere sei politisch und moralisch kaputt.

Erdogan greift nach Vorfall von Münster Macron an

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den tödlichen Vorfall in Münster für einen verbalen Angriff auf den französischen Amtskollegen Emmanuel Macron genutzt. „Da, Ihr seht doch, was die Terroristen in Deutschland machen, oder?“, sagte Erdogan am Samstag im westtürkischen Denizli nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

„Das wird auch in Frankreich geschehen. Ihr werdet sinken, solange der Westen diese Terroristen nährt“, sagte Erdogan. 

Hintergrund für Erdogans Angriff auf Macron war, dass dieser kürzlich eine Delegation mit Vertretern der syrischen Kurdenmiliz YPG im Elysee-Palast empfangen hatte. Erdogan sagte: „Frankreich, Du leistest dem Terrorismus Beihilfe, unterstützt ihn und empfängst dann Terroristen im Elysee-Palast.“ Frankreich werde die Geißel des Terrorismus auf diese Art nicht loswerden.

apa/dpa

stol