Ein Touchscreen vorne und ein Touchpad hinten, zwei Kameras auf Vorder- und Rückseite, Neigungs- und Bewegungssensoren, WLAN und UMTS: Ein bisschen wirkt es so, als habe Sony beim Design der Playstation Vita jedes denkbare Feature in ein Gehäuse gestopft. Ab dem 22. Februar ist der Nachfolger der PSP (Playstation Portable) erhältlich.Das Prunkstück der Vita ist, genau wie beim Vorgänger, das große Display mit organischer LED-Technologie (OLED). Mit 5 Zoll Bildschirmdiagonale (rund 12 Zentimeter) ist es im Vergleich zur PSP sogar nochmal ein wenig gewachsen.Zudem bietet es mit 960 mal 544 Pixeln genau die doppelte Auflösung. Das sorgt vor allem in grafisch aufwendigen Spielen für beeindruckende Bilder. Positiv fällt auf, dass die Farben auch aus schrägen Blickwinkeln nicht verzerrt erscheinen.Allerdings spiegelt das Display kräftig, und die maximale Helligkeit hat gegen starken Sonnenschein kaum eine Chance.Zum Start kostet die Vita 249 Euro, die UMTS-Version 50 Euro mehr. Für diesen Preis hat das Handheld keinerlei internen Speicher an Bord.Käufer müssen in der Regel noch Geld in eine Speicherkarte investieren – ohne lassen sich nicht einmal Spielstände speichern, von Musik und Videos ganz zu schweigen.Die Vita schluckt keine normalen SD-Karten, sondern ein eigenes Format mit 4 bis 16 Gigabyte Speicherplatz. Die größte Version kostet 50 Euro und lohnt sich vor allem für Nutzer, die ihre Spiele digital kaufen. Ein einzelner Titel nimmt da schnell einen bis drei Gigabyte Platz weg.Das Einsetzen der Speicherkarten ist vor dem ersten Einschalten nicht ganz unproblematisch: Die Vita hat in der UMTS-Version vier Klappen, hinter denen sich verschiedene Einschübe und Anschlüsse verbergen.Die Speicherkarte wird unter dem Display eingesetzt, die SIM-Karte bei der UMTS-Version an der Seite, Karten mit Spielen dagegen an der Oberkante. Beschriftet sind die Slots nicht, die Klappen davor müssen mühsam mit dem Fingernagel aufgehebelt werden.Alle Vita-Titel sollen zeitgleich sowohl online im Playstation Store als auch auf speziellen Speicherkarten im Handel erhältlich sein, die Preis liegen zwischen 40 und 50 Euro. Alte PSP-Spiele kann die Vita problemlos abspielen – wenn sie in digitaler Form gekauft wurden. Für die Universal Media Discs (UMD), die Sony extra für die PSP erfand, hat die Vita kein Laufwerk mehr.Einmal eingeschaltet, fragt die Konsole sofort nach einem WLAN-Passwort und Zugangsdaten für das Playstation Network (PSN).Wer noch keinen PSN-Account hat, kann sich bei dieser Gelegenheit gleich einen einrichten. Vorher muss die Vita allerdings ein Update auf die Firmware-Version 1.60 herunterladen, die Option dafür findet sich bei den Systemeinstellungen.Im Hauptmenü hat sich Sony vom App-Fieber der Smartphones anstecken lassen – selbst das Einstellungsmenü ist eine App. Bei einem Klick auf ein Anwendungssymbol blendet das System zunächst einen Startbildschirm ein. Erst eine weitere Berührung startet die App.Mit der Playstation-Taste links unten können Playstation-Nutzer jederzeit von überall ins Menü zurückspringen und zum Beispiel Einstellungen ändern oder in den digitalen Spieleanleitungen stöbern – Multitasking ist für die Vita kein Problem.Der Touchscreen reagiert dabei präzise und flink wie bei besseren Smartphones.Das Touchpad auf der Rückseite der Vita kommt vor allem im Spiel zum Einsatz: In der Minispielsammlung „Little Deviants“ erschafft der Spieler damit zum Beispiel kleine Hügel, um eine Kugel in ihr Ziel zu bugsieren.Das Schiebepad der PSP hat Sony verworfen, stattdessen hat die Vita zwei richtige Analogsticks. Actionspiele wie „Uncharted“ steuern sich damit fast genau wie auf der Playstation 3, allerdings sind die Sticks und Buttons bedeutend kleiner als beim Original und liegen etwas eng beieinander.Beim Spiel passiert es außerdem schnell, dass der Spieler mit den Fingern die Stereolautsprecher rechts und links neben den Analogsticks verdeckt.Die Vita ist, genau wie ihr Vorgänger, keine reine Spielekonsole. So hat die Konsole zum Beispiel einen Browser an Bord, Musik und Videos spielt sie ebenfalls ab – letztere allerdings nur im MP4-Format.Von der Playstation 3 lassen sich Videos und Filme unkompliziert per USB-Kabel auf die Vita übertragen.Die Direktverbindung zum PC ist etwas komplizierter: Nutzer müssen auf ihrem Rechner zunächst den sogenannten Content Assistant Manager installieren.Der wird im Netz heruntergeladen oder bei der ersten Verbindung direkt von der Vita aus aufgespielt. Mit diesem Programm werden bestimmte Ordner freigegeben, auf die die Vita dann zugreifen kann.Leider erkennt die Konsole keine Unterordner, so dass im Bilderordner zum Beispiel ungeordnet alle gespeicherten Fotos auf einmal angezeigt werden.Mit einem Gewicht von 260 bis 280 Gramm ist die Vita je nach Version etwas schwerer als der Nintendo 3DS, der knapp 230 Gramm auf die Waage bringt. Dafür fühlt sie sich wertig an und liegt, auch dank der Griffmulden auf der Rückseite, gut in der Hand.Der Akku hält beim Spielen rund vier Stunden durch – damit braucht sich die Vita vor der Konkurrenz nicht zu verstecken.Der Teufel liegt eher in den Details: Unachtsame Nutzer können das USB-Kabel zum Beispiel mit etwas Gewalt schnell falsch herum in die Buchse stecken.Und die Kameras an Vorder- und Rückseite sind mit einer maximalen Auflösung von 640 mal 480 Pixeln kaum für anspruchsvolle Fotos geeignet.dpa