„Die Lootboxen sind im Kontext des gesamten Spiels zu bewerten. Da der Spiel<?Uni SchriftWeite="94ru"> erfolg maßgeblich von Strategie<?_Uni> und Taktik abhängt, liegt kein verbotenes Glücksspiel vor.“ – So lautete unlängst der Entscheid des Obersten Gerichtshofs (OGH) in Wien, der nicht nur in Österreich, sondern europaweit für Aufsehen sorgt. Nicht zu<?Uni SchriftWeite="97ru"> letzt, weil der dem Entscheid<?_Uni> <?Uni SchriftWeite="92ru"> vorausgehende Prozess gegen<?_Uni> einen Giganten im Spielesektor geführt worden war: „EA Sports“. Dieser produ<?Uni SchriftWeite="97ru"> ziert einige Gamingklassiker,<?_Uni> wie z.B. „FIFA“ (nunmehr „FC“ genannt). Und wer hier zockt, weiß: Mit den errungenen oder erkauften „Lootboxen“, die meist zufallsbasierte Belohnungen enthalten, ist der Spielespaß gleich umso größer. <BR /><BR />Gegen diese „Lootboxen“ hatte ein Gamer geklagt und die Rückzahlung von knapp 20.000 Euro verlangt. Diese Summe hatte er von Oktober 2017 bis Oktober 2022 für derlei „Lootboxen“ ausgegeben, dabei aber immer Pech gehabt. Statt Messi & Co. bekam er nur den „Dorf-Ronaldo“ und Konsorten. Statt Glück im Spiel hatte der Mann also Pech in der „Lootbox“ und klagte „EA- Sports“ auf „illegales Glücksspiel“, da der Spielehersteller über keine entsprechende Konzession verfüge. Eine Argumentation, die nun aber vom Wiener OGH zurückgewiesen wurde, denn Glücksspiel sei es nur, wenn das Ergebnis ausschließlich oder überwiegend vom Zufall abhänge. <h3> Das Problem: „Klare Regeln fehlen “</h3>Für Gunde Bauhofer, Leiterin der Verbraucherzentrale Südtirol (VZS), greift diese juristische Einordnung dennoch zu kurz. Ob „Lootboxen“ nun formal Glücksspiel seien oder nicht, ändere wenig am Grundproblem: „In diesem Bereich besteht dringender Regulierungsbedarf.“ Die Mechaniken in gar einigen Games zielten ganz bewusst auf zusätzliche Ausgaben ab. Zeitlich begrenzte Angebote, künstliche Verknappung oder Bonusaktionen – sog. „Dark Patterns“ – setzten Spieler unter Druck, rasch zuzugreifen. <BR /><BR />Besonders kritisch sieht sie In-App-Käufe: „Hier wirft man echtes Geld aus dem virtuellen Fenster.“Auch kleine Beträge könnten sich unbemerkt summieren, etwa wenn sie über die Telefonrechnung abgebucht werden. Der spektakuläre Fall in Österreich mit 20.000 Euro sei zwar extrem, doch das eigentliche Risiko liege in den vielen kleinen Zahlungen: „Solche Mechanismen haben ein erhebliches Suchtpotenzial und richten sich keineswegs nur an Kinder. Animationen, Geräusche und zufallsbasierte Belohnungen sind da gezielt so gestaltet, dass Spieler immer wieder kaufen – ähnlich wie bei realen ‚Mystery-Boxen‘, bei denen selten sofort der gewünschte Inhalt enthalten ist.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1279374_image" /></div> <BR />Gesetzliche Leitplanken fehlen laut Bauhofer aber bislang weitgehend. Weder in Italien noch auf EU-Ebe<?TrVer> ne gebe es klare Regeln, welche Verkaufspraktiken in Spielen zulässig seien: „Je größer der Rechtsraum, desto besser – mindestens auf EU-Ebene“, sagt sie. Denn Ziel müsse sein, bestimmte Methoden als unlauter einzustufen und dagegen vorgehen zu können.<BR /><BR />Bis dahin liege viel Verantwortung bei den Nutzern selbst – besonders bei Eltern. Sie sollten Spiele bewusst auswählen, In-App-Käufe in den Geräteeinstellungen beschränken oder deaktivieren und beim Telefonanbieter die Mehrwertdienste sperren lassen. Entscheidend bleibe aber der Austausch in der Familie: „Am wichtigsten noch immer ist der Dialog darüber, was und wie gespielt wird.“<BR /><BR /><h3> Die Suchtgefahr: Kleine Beträge, große Wirkung</h3>Auch aus suchtpräventiver Sicht werden „Lootboxen“ kritisch gesehen. Für den Sozialpädagogen Manuel Oberkalmsteiner vom Forum Prävention erfüllen sie zentrale Merkmale klassischer Glücksspiele: „Geld wird eingesetzt, doch das Ergebnis basiert auf Zufall und lässt sich nicht rückgängig machen.“ Besonders heikel sei, so der Experte, dass solche Mechaniken selbst in vermeintlich harmlosen Spielen auftauchen. Etwa – wie im eingangs erwähnten Fall – in populären Sporttiteln, die viele Eltern als eigentlich „unproblematisch“ einstufen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1279377_image" /></div> <BR />Dabei liegt das Risiko laut Oberkalmsteiners Beobachtung weniger im einmaligen Großkauf von „Lootboxen“ und anderen spielerleichternden Tools als vielmehr in der Summe vieler kleiner Zahlungen: „Vor allem auf dem Smartphone, das ständig verfügbar und oft mit der Kreditkarte verbunden ist, kann die Hemmschwelle niedrig sein. Mal gönnt man sich 99 Cent hier, dann wieder zwei Euro dort – das fällt kaum auf. So aber kann sich eine schöne Summe zusammenläppern.“ <BR /><BR />Was der Sozialpädagoge aber auch sagt: „Die Mehrheit der Spieler gibt eigentlich kein oder nur wenig Geld aus. Problematisch wird es jedoch dann, wenn Spiele beginnen, eine wichtige emotionale Funktion im jeweiligen Alltag zu übernehmen. Viele Titel arbeiten gezielt mit Gruppendruck und Belohnungssystemen. Und wer in einer Online-Gemeinschaft mithalten will, muss schneller vorankommen – und kann sich Fortschritt erkaufen.“ Das aber, so warnt Oberkalmsteiner, sorge für zusätzliche Motivation, häufiger zu spielen oder Geld auszugeben: „Vor allem in belas<?Uni SchriftWeite="97ru"> tenden Lebensphasen kann<?_Uni> dieser virtuelle Erfolg zum kurzfristigen Kick und zum Suchttrigger werden.“<BR /><BR />Ein klares Altersmuster erkennt er – entgegen allen <?Uni SchriftWeite="93ru"> klassischen Gamingklischees<?_Uni> – aber nicht. Denn während Jüngere weniger finanzielle Mittel hätten, verfügten Erwachsene über größere Budgets. Problematisches Verhalten komme also in allen Generationen vor – und entscheidend sei daher der persönliche Umgang mit einem Spiel.<BR /><BR />Doch wie sich schützen, um via „Lootboxen“ und ähnlichen Belohnungsprinzipien beim Zocken auf Smartphone & Co. nicht irgendwann in die Abhängigkeitsspirale zu geraten? Hier nennt der Experte eine einfache und klassische Regel der Glücksspielprävention: „Legen Sie ein fixes Zeit- und Geldbudget fest, dokumentieren Sie alle Ausgaben und beobachten Sie das eigene Spielverhalten. Und wer bemerkt, dass er vor allem bei Stress oder Frust zum Spiel greift, sollte bewusst gegensteuern.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-73619981_listbox" />