Montag, 18. Juli 2016

In Nahost gehen Pokemons ganz eigene Wege

Auch Israelis und Palästinenser werden von der Pokemon Go-Welle mitgerissen, die gegenwärtig rund um den Globus schwappt. Aber wie immer in dieser Konfliktregion bekommt auch die Jagd mit dem Mobiltelefon auf die virtuellen Comicfiguren sofort eine hochpolitische Note.

Foto: © APA/DPA

Die kostenlose Spiele-App Pokemon Go animiert die Nutzer, mit ihrem Smartphone durch die Gegend zu laufen und in der „echten Welt“ versteckte Pokemon-Figuren einzufangen. Dabei werden die GPS-Funktion, das Kartenmaterial und die Kamera des Smartphones genutzt. Seit der Veröffentlichung der App vor knapp zwei Wochen wurde sie bereits millionenfach heruntergeladen, um die Wahrnehmung der reellen Umgebung spielerisch anzureichern.

Mit Pikachu zur Popularität

Mit einem Augenzwinkern nutzte den Hype auch Israels Staatspräsident Reuven Rivlin zum Popularitätsgewinn. Er veröffentlichte die Aufnahme eines katzenähnlichen Pokemons im Empfangssalon, in dem er gewöhnlich die Führer dieser Welt begrüßt. Die Bildunterschrift lautete: „Hole rasch jemand den Sicherheitsdienst!“

Schnell haben auch palästinensische Aktivisten erkannt, wie die Aufmerksamkeitswelle für ihre Sache genutzt werden kann. Auf Twitter breit geteilt wurde das Bild von Pikachu, dem bekanntesten Pokemon, der aus den Trümmern eines Hauses hervortritt, das im Gazakrieg vor zwei Jahren zerbombt wurde.

„Pokemon No Go“

Ein junger Mann aus Hebron macht auf die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Palästinenser im besetzten Westjordanland aufmerksam: Er zeigt das Bild einer israelischen Siedlung, No-Go-Zone für alle Palästinenser, und schreibt dazu: „Hier die Straße herunter ist ein Pokemon ... wie zum Teufel kann ich es aufspüren?“

Ganz andere Sorgen bereitet die neue Smartphone-Anwendung der israelischen Spionageabwehr. Die Abteilung „Informationssicherheit“ im Außenministerium hat Mitarbeitern im diplomatischen Dienst verboten, Pokemon Go in den Botschaften und Konsulaten sowie in den Räumen des Ministeriums selbst zu spielen, berichtete die Tageszeitung „Jediot Ahronot“.

Der Grund ist, dass der genaue Standort des Spielers ständig übermittelt und die eingebaute Kamera genutzt wird. So könnten Räumlichkeiten im Vorfeld von Einbrüchen ausspioniert werden und Geheimdokumente ins Bild geraten. Aus diesem Grunde sollen Diplomaten auch keine Verschlusssachen zu Hause aufbewahren, wenn sie dort die App anwenden.

apa/afp

stol