Freitag, 25. September 2015

lifeshot: Durch Spaß zurück zur Realität

Jeder will ihn einfangen, diesen einen, perfekten Moment. Und der soll auch noch richtig gut aussehen. Im Kampf um das beste Foto geht jedoch leider die Realität und vor allem auch die Spontanität verloren. Vier Südtiroler haben eine App entwickelt, die genau dort ansetzt, wo andere aufhören – bei der ungeschminkten Wahrheit.

Die App lifeshot will zurück zur Realität. - Foto: DLife
Die App lifeshot will zurück zur Realität. - Foto: DLife

Gebräunte Oberschenkel am Strand, Selfies im Spiegel, perfekt inszenierte Schmolllippen: Nur wenige Jahre nach der Verbreitung von Social Media-Plattformen wie Facebook, Instagram und Twitter hat sich eine künstliche Konformität in die veröffentlichten Fotos eingeschlichen.

„Jeder denkt, er müsse die Welt perfekt darstellen und so viele Likes wie möglich bekommen. Aber damit betrügt er sich selbst, und was noch viel wichtiger ist: Auch das Umfeld“, erklärt Thomas Plankensteiner, einer der vier Grundpfeiler der neuen App lifeshot. Mehrere Studien würden belegen, so der Initiator weiter, dass die User immer unzufriedener mit bearbeiteten Fotos seien.

Genau da setzt lifeshot den Hebel an: „Wir wollten durch Spaß zurück zur Realität. Und so ist die App entstanden.“

Pushmeldung als Startschuss – Spontane Kreativität ist gefragt

Und so funktioniert es: Die Nutzer von lifeshot erhalten via Pushmeldung den Aufruf zu einer aktiven Fotosession. Dann heißt es schnell handeln, denn nach fünf Minuten ist die Aktion vorbei. Fünf Minuten, in denen ein Foto zu einem Thema geknipst, beschrieben und geteilt werden kann. Kein Filter, kein Ausbessern, kein langes Überlegen. Erst nach Ablauf der Zeit öffnet sich eine Bildergalerie, in der alle im Rahmen der Aktion geschossenen Fotos gesehen, bewertet und kommentiert werden können.

 

Für das Interview mit STOL haben Thomas Plankensteiner und Matthias Widmann (v.l.) eine lifeshot-Aktion gestartet - und wurden prompt zum Motiv gewählt. - Foto: DLife

Wichtig ist: lifeshot funktioniert nur anhand von Pushmeldungen. „Damit werden die User auf die Aktionen aufmerksam gemacht, die zu jeder Tageszeit passieren können. Wer die Pushmeldungen nicht aktiviert, erfährt auch nichts über laufende Foto-Strecken und kann das Zeitfenster von fünf Minuten nicht nutzen“, warnen Thomas Plankensteiner und Matthias Widmann im Interview mit STOL.

Feuerprobe für die App am Freitag

Bereits im März 2014 startete Thomas Plankensteiner gemeinsam mit seinen Partnern Philipp Oberkalmsteiner, Bernhard Schönhuber und Matthias Widmann mit der Planung, rund ein Jahr später, im Februar 2015, wurde das Unternehmen gegründet.

 

Die vier Köpfe hinter lifeshot (v.l.): Bernhard Schönhuber, Thomas Plankensteiner, Philipp Oberkalmsteiner und Matthias Widmann - Foto: lifeshot

Endgültig gestartet ist die App in der ersten Septemberwoche. Durch die geringe Größe der App von 8 Megabyte kann sie jederzeit, auch von unterwegs, über das mobile Datennetz heruntergeladen werden.

Noch befindet sich lifeshot in der Anfangsphase, in der kleinere Fehlerquellen ausgemerzt werden sollen. Am (heutigen) Freitag wird die die App in Florenz einem größeren Publikum, unter anderem mit Vertretern der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ und der Wirtschaftszeitung „Sole 24 Ore“ vorgestellt.

„Das wird für uns eine Feuerprobe. Wir wollen eine lifeshot-Fotoaktion starten, die anhand der Lokalisierung am Smartphone nur für die sich im Raum befindlichen Personen nutzbar ist. Da muss alles perfekt funktionieren“, erklärt Plankensteiner.

Diese Funktion soll dann auch in Zukunft häufiger eingesetzt werden: „Wir wollen lokale lifeshot-Aktionen veranstalten, an der nur Personen teilnehmen können, die sich auf demselben Event befinden. Das kann ein Hockeyspiel sein, ein Festival oder auch ein Konzert. So entstehen Momentgalerien, die denselben Zeitpunkt derselben Veranstaltung von Menschen festhalten, die sich ansonsten fremd sind.“

Interview: Elisabeth Turker

stol