<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />Wer kennt's nicht? Es beginnt meist harmlos – ein schneller Griff zum Handy, ein Wisch über den Bildschirm. Doch ehe man sich versieht, sind Minuten oder gar Stunden vergangen – und man hängt immer noch an dem Ding. Drumherum läuft alles weiter, während man selbst virtuell abtaucht – am Schreibtisch, an der Haltestelle oder abends faul auf dem Sofa liegend. <BR /><BR />Auch Johanna Jörg (27) aus Burgeis kennt das Gefühl, im Sog des kleinen Bildschirms in eine ganz andere Welt einzutauchen – und dort zu versinken. Das Problem sieht sie dabei hauptsächlich in einer Sache. „Wir fragen uns viel zu selten, warum wir eigentlich zum Handy greifen und uns gerne stundenlang in Apps verlieren“, so die gelernte Grafikdesignerin. Auch sie gucke oft ewig lange auf den kleinen Bildschirm, ohne genau zu wissen, warum eigentlich. Und das sei der Knackpunkt an der ganzen Sache: „Wie ferngesteuert öffnen wir Apps wie Instagram & Co – und ehe wir es überhaupt merken, verlieren wir das Gefühl für Zeit, Präsenz und manchmal sogar für uns selbst.“ <h3> Die Idee: Eine App, die bewusstes Handeln fördert</h3>Um sich selbst und andere aus der digitalen Zeitfalle zu befreien, entwickelte Johanna Jörg vor Kurzem gemeinsam mit einem Freund – dem Softwareentwickler Dominik Schwarz – die App „airtime“. Das Ziel: Handy-Nutzer sollen nicht länger unbewusst zum Smartphone greifen und ziellos über den Bildschirm wischen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1203783_image" /></div> <BR />Wie diese App funktioniert, erklärt Jörg so: „Bevor eine andere, beliebig ausgewählte App geöffnet wird, blockiert ‚airtime‘ diese für ein paar Sekunden. Diese kurze Pause schenkt einen Moment, um innezuhalten und zu überlegen: ‚Will ich diese App wirklich öffnen – oder meine Zeit anders gestalten?‘ Mit gezielten Fragen zur Reflexion unterstützt die App den Nutzer dabei, die Entscheidung zu treffen.“ „airtime“ verzichte dabei vollständig auf Verbote – und setze stattdessen auf Achtsamkeit. „Uns geht es nicht darum, die Smartphone-Nutzung zu verbieten“, erklärt die kreative Vinschgerin: „Ziel ist es, den Smartphone-Gebrauch wieder selbst zu steuern – statt sich unbewusst von ihm steuern zu lassen.“<h3> Ein fünfköpfiges Team, das fest an die Idee glaubt</h3>Mittlerweile ist rund um die Idee ein engagiertes Team entstanden: Neben der Initiatorin Johanna Jörg und dem Softwareentwickler Dominik Schwarz gehören dazu auch die Psychologin und Forscherin Hannah Tschenett, der Marketing- und PR-Manager Thomas Tribus sowie die Content-Creatorin Lea Geiser.<BR /><BR />„Wir sind ein Start-up namens ‚Bird'spective‘ und möchten mit unserer App ‚airtime‘ Menschen dabei unterstützen, sich selbst und ihr Handyverhalten besser zu verstehen“, so die Initiatorin: „Dank der Förderung durch den ‚Austria Wirtschaftsservice‘ (aws) – eine staatliche Förderagentur für innovative Unternehmen – erhalten wir eine kleine finanzielle Förderung und können die App stetig weiterentwickeln. Ganz viel ist aber noch unbezahlte Arbeit.“<h3> „Wir entfernen uns immer weiter von uns selbst“</h3>Derzeit sei die App kostenlos und ausschließlich für Android-Geräte verfügbar. „Sobald wir mehr Erfahrungen gesammelt haben, planen wir in einem zweiten Schritt, die App auch für Apple-Geräte zu entwickeln“, freut sich Jörg auf die nächsten Monate, die richtungsweisend werden.<BR /><BR />Was das Vinschger Start-up-Unternehmen mit seiner Erfindung erreichen möchte? Ein digitales Umdenken. Aber nicht nur. „Wir leben heute in einer Konsumgesellschaft – und das nicht nur im digitalen Raum, sondern in nahezu allen Bereichen unseres Lebens. Ein Grund dafür ist, dass wir uns immer weiter von uns selbst entfernen“, unterstreicht die 27-Jährige.<BR /><BR />Man sei sich oft nicht mehr bewusst, welchen Einfluss das eigene Verhalten auf die Welt, die Umwelt und vor allem auf einen selbst habe. „Statt uns mit unseren eigenen Gedanken, Emotionen und persönlichen Geschichten auseinanderzusetzen, lenken wir uns ständig ab – und das meist unbewusst. Unsere Vision ist es, der Gesellschaft etwas zurückzugeben: mehr Bewusstheit und Achtsamkeit für das eigene Verhalten, die eigenen Gefühle und Gedanken“, bringt Johanna Jörg ihre Ansichten auf den Punkt.<BR /><BR /><Symbol_Hinweis></Symbol_Hinweis><i>Alle Infos zur App gibt's online unter <a href="www.bird-spective.com" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">www.bird-spective.com</a> und auf Instagram: @bird_spective</i>