<b> Sie haben mit Ihrem Start-up „WeDaVinci“ unter anderem ein KI-Tool entwickelt, wofür Sie im Rahmen der „Berlinale“ vor zwei Wochen ausgezeichnet wurden. Worum geht's dabei?<BR /></b>Veronika Gamper: Mit „VisionaryTales“ bieten wir die Möglichkeit, auf einfache Art und Weise mit der Unterstützung durch KI zu einem Text ein kurzes Video zu erstellen. Das Tool ist Teil unserer KI-basierten Content-Generierungs-Plattform „WeDaVinci“. Wir haben als Start-up in den vergangenen Jahren Erfahrungen im Bereich Text und Audio gesammelt und sind über meine Tätigkeit bei RTL schließlich auch zum Thema Bild und Video gekommen. Ich selbst habe einen Hintergrund in Informatik, aber auch ein einjähriges Filmstudium absolviert.<BR /><BR /><b>Für wen ist das Tool gedacht bzw. welche Vorteile bietet es?</b><BR />Wir bieten dem Nutzer die Möglichkeit, einen kurzen Video-Trailer zu einem Text zu erstellen, und verbinden dabei die Verlags- mit der Filmbranche. So dient ein Buchtrailer einem Verlag dazu, Filmrechte zu verkaufen. Gleichzeitig kann ein Filmproduzent frühzeitig testen, ob sich ein Text bzw. ein Buch zur Verfilmung eignen. Darüber hinaus lassen sich auch Werbetrailer für Bücher erstellen, beispielsweise um junge Zielgruppen in den sozialen Medien anzusprechen. Produktionsfirmen können sogenannte Sizzle-Reels – eine Art kurze Werbevideos – erstellen. Mit diesen können sie Förderer, Co-Produzenten und Talente von ihrer Vision überzeugen und auf diese Weise Finanzierung si<?TrVer> chern.<BR /><BR /><b>Werden dadurch manche Jobs bei Filmschaffenden überflüssig?</b><BR />Ich finde es schade, dass sich die Diskussion beim Thema KI oft auf Einsparungen reduziert. Vieles von dem, was ich aufgezählt habe, war bisher noch gar nicht möglich. Ein Buchtrailer wurde bisher höchstens für wenige Bestseller gemacht, da dafür das Marketingbudget fehlt. Sicher gibt es Aufgabenbereiche, in denen KI zukünftig einen höheren Anteil einnimmt. Ich sehe großes Potenzial aber im Schaffen von Möglichkeiten, die es bisher nicht gab: Ein Drehbuchautor kann einen Trailer selbst erstellen, um seine Idee zu visualisieren und die Chance auf eine Verfilmung zu erhöhen. Ein Verlag kann eine breite Palette seiner nun 100 Buchtitel bewerben, anstelle nur drei der Top-Titel, und kleinen Verlagen bietet sich die Möglichkeit, im wahrsten Sinne des Wortes „gesehen“ zu werden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1288203_image" /></div> <BR /><b>Wird es für das Publikum irgendwann nicht mehr relevant sein, ob der Inhalt – egal, ob Film, Musik oder Text – KI-generiert ist oder von echten Menschen stammt?</b><BR />Ich glaube, beides wird parallel existieren: Es gibt Inhalte, bei denen ein menschlicher Urheber wichtiger ist, und Inhalte, bei denen dies weniger wichtig ist. Wenn ich etwa ein Ölgemälde betrachte und weiß, dieses stammt von einem Menschen, der sich etwas Bestimmtes dabei gedacht hat, dann ist die Wertschätzung eine andere als bei einem KI-generierten Bild. Gleiches gilt für einen Filmstar: Ei<?TrVer> ne reale Person mit einer echten Hintergrundgeschichte erzeugt ei<?TrVer> ne höhere emotionale Bindung und Identifikationsmöglichkeit als eine KI-generierte Figur. Dieser Unterschied wird weiterhin bestehen. Es wird aber Anwendungsfälle geben, in denen sich KI-generierte Inhalte sehr gut eignen und vom Nutzer, Betrachter oder Leser akzeptiert werden. Beispielsweise dann, wenn die Entstehungsgeschichte für die Nutzer in den Hintergrund rückt. Und es wird vor allem Inhalte geben, die der Mensch mithilfe von KI als Werkzeug erstellt: Bei denen der Mensch die Anforderungen vorgibt, dann zu Vorschlägen der KI Feedback gibt, diese im Dialog mit der KI verbessert und schließlich zu einem Ergebnis gelangt, das erst durch diese Interaktion möglich geworden ist.<BR /><BR /><b>Insofern sehen Sie KI und Mensch nicht als Gegensatzpaar?</b><BR />Nein, es geht um die Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI. Der Mensch kann künstliche Intelligenz als Werkzeug nutzen, um schneller zu einem Ergebnis zu kommen – also etwa aus mehreren Varianten Favoriten auswählen und diese wiederum überarbeiten zu können. Das ist zumindest bei unserem Start-up das Verständnis von „Co-Creation“ bzw. Zusammenarbeit mit KI.<BR /><BR /><b>Wie blicken Sie generell in die Zukunft mit KI?</b><BR />Ich glaube, dass sich sehr viel verändern wird und man gut beraten ist, sich jetzt damit auseinanderzusetzen, um zu verstehen, was überhaupt möglich ist und wofür KI eingesetzt werden kann. In der Medienbranche kann das etwa zu neuen Formaten führen, in der Medizin zu großen Durchbrüchen …<BR /><BR /><b>Es geht also darum, verstärkt die Chancen durch künstliche Intelligenz zu sehen und nicht nur die Gefahren?</b><BR />Genau. Beim Thema KI denken wir in Europa zu viel an die Gefahren. Es ist sicher richtig, diesbezüglich aufmerksam zu sein und aufmerksam zu machen. Wir dürfen uns aber gleichzeitig auch nicht dagegen versperren, um nicht anderen Ländern und Regionen hinterherzuhinken. Wir sollten mehr an die Potenziale denken. Ich sehe jedenfalls viele Chancen. In der Geschichte der Menschheit hat es zahlreiche Umwälzungen gegeben – Veränderungen erfordern und führen zu Anpassungen. So werden sich neue Tätigkeitsschwerpunkte ergeben, und gerade im wirtschaftlichen Umfeld werden wir sicherlich Neues ersinnen, um uns durch menschliche Kreativität im Wettbewerb abzuheben.<BR /><BR /><b>Hand aufs Herz: Was wäre bei diesem Interview besser geworden, wenn sowohl die Fragen als auch die Antworten von der KI stammen würden, anstatt von uns?</b><BR /><I>(schmunzelt)</I> Die KI hätte sicher in Sekundenschnelle Informationen zum Thema gesucht und strukturiert in Fragen und Antworten aufbereitet. Aber wir als Individuen haben Hintergrundwissen, welche konkreten Themen für die Leser relevant sind, die uns vorab nicht zur Gänze bewusst waren und wir somit der KI nicht hätten mitgeben können. Entsprechend haben wir im Gespräch persönliche Erfahrungen und Einschätzungen eingebracht und sind vermutlich zu einem besseren Ergebnis gekommen, als es die KI geliefert hätte.<BR /><BR />Interview: Christoph Höllrigl