Montag, 14. März 2016

Neue Masche von Internetbetrügern: Abzocke über Promi-Todesmeldungen

Leonardo DiCaprio ist tot, Rapper Kay One tödlich verunglückt, Charlie Sheen gestorben: In sozialen Netzwerken wie Facebook locken Betrüger Nutzer in die Falle, indem sie schlichtweg Märchen erfinden, wie den plötzlichen Tod eines Promis oder die Suche nach vermissten Mädchen. Sicherheitsexperten warnen vor organisierter Kriminalität, die die Emotionen der User ausnutzt.

Stefan Raab ist nicht tot: Die Meldung ist ein Fake.
Stefan Raab ist nicht tot: Die Meldung ist ein Fake.

Es war eine Schlagzeile, die für Furore sorgte: „++SELBSTMORD++ Stefan Raab wurde der Stress zu viel“ lautete der Titel einer Meldung, die jüngst auf Facebook aufpoppte. Der angebliche Urheber: Niemand Geringeres als Raabs früherer Arbeitgeber „Prosieben.de/TV TOTAL“. So sah es zumindest auf den ersten Blick aus. Wer auf die Meldung klickte, wurde allerdings schnell eines Besseren belehrt. Der Beitrag war gefälscht, der Link führte zu einem Gewinnspiel (STOL hat berichtet). Um an Daten heranzukommen, setzen Betrüger neuerdings auf die Masche: Je größer die Sensation, desto mehr Klicks.

Die Toten: Leonardo DiCaprio, Rapper Kay One oder Charlie Sheen

Den Betrug enthüllt hat die österreichische Non-Profit-Organisation „mimikama“. „Seit ein paar Wochen können wir gehäuft beobachten, dass Todesüberschriften von Prominenten erfunden werden und es so ausschaut, als ob es von Nachrichten- oder TV-Sendern kommt“, sagt Andre Wolf, Social-Media-Experte bei mimikama.
Unter den vermeintlichen Todesopfern: Schauspieler Leonardo DiCaprio, Rapper Kay One oder etwa Hollywood-Star Charlie Sheen.

Das Ziel: Name, Alter, Anschrift, E-Mail

Doch warum das alles? Wolf erklärt das Prinzip: Es geht um Name, Alter, Anschrift, E-Mail. Um gezielt Werbung zu verschicken, bezahlen Versicherungs- oder Reiseunternehmen oft hohe Summen an Dienstleistungsfirmen, die darauf spezialisiert sind, Datensätze – sogenannte „Leads“ – im Netz zu sammeln.

Solche Partnerprogramme sind nichts Ungewöhnliches und legal. Mittelsmänner verbreiten die Links dann im Netz und erhalten bei erfolgreicher Datensammlung Provision von den Firmen. Doch genau da wird es oft kriminell, denn die Links werden in völlig anderen Kontexten versteckt: „Dann werden dramatische Meldungen aufgebaut, damit möglichst viele draufklicken“, sagt Wolf. Das Ziel: Möglichst viel Geld abzugreifen.

Als Sterbe- und Vermisstenanzeigen getarnte Trojaner

Besonders gefährlich für User ist es vor allem dann, wenn sich hinter dem Link Trojaner verstecken, die den Rechner befallen, wie etwa bei einer Meldung zum vermeintlichen Tod des philippinischen Schauspielers Vic Sotto, die im Sommer vergangen Jahres im Netz kursierte. Neben Sterbeanzeigen kursierten auch zunehmend Vermisstenanzeigen im Netz, überwiegend von jungen Mädchen, sagt Wolf.
Der Vorteil: Das Ganze geht noch schneller viral, denn aus Anteilnahme teilten viele die Posts ganz unbedarft auf ihrer eigenen Seite. „Sozusagen eine Mutation des Ganzen.“

Die Mitleidsschiene: Spendenaufrufen für Tiere

Und nicht nur das: „Auch bei Spendenaufrufen für Tierheime wird die Mitleidsschiene angesprochen und die Leute sind aufgrund ihrer Emotionalität bereit, Gutes zu tun“, erklärt Karsten Gulden, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und Berater von mimikama. Damit die Daten auch wirklich verbreitet werden, muss der Nutzer diese zwar erst mal selber eingeben. Doch wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass unter 28 Millionen Facebook-Nutzern einige darauf reinfallen, liegt auf der Hand.

Die Spuren zu den Tätern verlieren sich

„Es ist tatsächlich so, dass ständig neue Fallen eingebaut werden, das ist heutzutage kein Problem“, erklärt der Jurist. Schwerer sei es, den Tätern auf die Spur zu kommen. „Es handelt sich um kriminelle Vereinigungen, die ihren Sitz oft im Ausland haben. Da haben wir es mit organisierter Kriminalität zu tun, die immer professioneller wird.“ Über Landesgrenzen hinweg sei es dann schwierig, die Gesetzgebung durchzusetzen. Die Folge: die Spuren verlieren sich.

Nicht jeder müsse nun aber Angst haben, beim Surfen in die Hand von Cyberkriminellen zu fallen: „Das Wichtigste ist, dass sowohl Anwender als auch Anbieter gefragt sind, ihre Daten bestmöglich zu schützen.“ Also regelmäßig Betriebssysteme updaten und der Kreativität bei der Passwort-Wahl ruhig mal freien Lauf lassen.

apa/dpa

stol