Samstag, 16. Juli 2016

"Pokémon Go": Die Jagd erreicht Südtirol

Seit Freitag ist der Hype auch in Südtirol offiziell erhältlich: Das Smartphone-Spiel "Pokémon Go" begeistert bereits seit über einer Woche Menschen auf der ganzen Welt - und auch in Südtirol ist das Jagdfieber nach den kleinen Monstern ausgebrochen.

Die Pokémon-Jagd hat auch Südtirol erreicht. - Foto: Moe Arpaci
Die Pokémon-Jagd hat auch Südtirol erreicht. - Foto: Moe Arpaci

Und wieder haben wir einen nächsten Schritt in Richtung erweiterte Realität gemacht: Das beliebte japanische Videospiel aus dem Jahr 1996, das bald auch den Fernseher eroberte und als Kartenspiel die Freizeit zahlreicher Jugendlicher gestaltete, holt uns nun endgültig in der Wirklichkeit ein.

Pokémon bedeutet Taschenmonster - ein Name, der heute noch mehr zutrifft als in den 90ern. Mit der neusten App "Pokémon Go" fangen die Spieler die kleinen Monster - und stecken sie zusammen mit ihrem Smartphone wieder in die Hosen- oder Handtasche.

Wie funktioniert das Spiel?

Für all jene, die noch nicht auf Jagd sind, hier eine kleine Erklärung: "Pokémon Go" wird mit dem Smartphone gespielt. Mit der App findet man über die Handykamera an gewissen Orten 3D-Pokémon, die man tatsächlich einfangen kann - wenn man denn genügend Pokébälle hat. Bei der Sichtung eines Pokémon gibt es 3 Möglichkeiten: Weglaufen, Fotografieren, Fangen. 

Foto: Moe Arpaci

Nachdem die App in den USA schon länger erhältlich war und am Mittwoch Deutschland erreicht hatte, kam "Pokémon Go" am Freitag auch offiziell in Italien an. In Südtirol freilich wollten die eingefleischten Fans nicht so lange warten - und befinden sich schon seit längerem auf der Jagd. Wie so üblich für große zeitgenössische Hypes gibt es auch für die Monsterfang-App eigene Facebook-Gruppen, in denen sich die Jäger austauschen können. Für Südtirol gibt es sogar mehrere, darunter auch die Gruppe "Pokémon Go Südtirol", die mittlerweile über 400 Mitglieder zählt.

STOL hat mit einem der beiden Initiatoren der Facebook-Seite über das Spiel gesprochen.

Südtirol Online: Wie lange spielen Sie das Spiel schon?

Moe Arpaci: Offiziell ist "Pokémon Go" erst seit Freitag in Italien erhältlich, aber viele Südtiroler - ich auch - haben sich das Spiel vorher schon von anderen Seiten geholt. In der vergangenen Woche ist das Spiel schon mehrmals zusammengebrochen, weil auf der ganzen Welt zu viele Spieler gleichzeitig online waren.

STOL: Mal ganz von vorne: Wie funktioniert das Spiel "Pokémon Go"?

Arpaci: Im Grunde ist es einfach: Man installiert die App und begibt sich mittels der Handykamera auf die Jagd. Kommt man in die Nähe eines Pokémon, vibriert das Handy. Und dann geht es darum, das kleine Monster zu fangen. Bei manchen ist es einfach, aber manchmal sind sie auch schwerer zu fangen. Das Ziel ist es, so viele Pokémon wie möglich einzufangen, sie zu entwickeln und im Spiel aufzusteigen. Es gibt verschiedene PokeStops - diese befinden sich etwa bei Denkmälern oder größeren öffentlichen Plätzen wie etwa einem Zugbahnhof - wo man Pokébälle einsammeln kann. Diese braucht man zum Fangen der Taschenmonster.

STOL: Was macht man mit den gefangenen Pokémons?

Arpaci: Je mehr Pokémons man fängt, desto schneller steigt man auf. Sobald man Level 5 erreicht hat, darf man gegen andere Spieler in der Arena antreten. In diesem Moment muss man sich für eines der Teams entscheiden, entweder für Gelb (Intuition), Blau (Weisheit) oder Rot (Wagemut). Wenn man dann die Arena eines gegnerischen Teams betritt, schaltet man die Kamera ein und muss kämpfen. Als Belohnung gibt es Bonbons oder Sternstaub, beides Zutaten die man braucht, um die eigenen Pokémons zu entwickeln.

STOL: Gibt es spezielle Orte, an denen man Pokémons findet?

Arpaci: Das ist eine der tollen Sachen an "Pokémon Go": Die Taschenmonster sind ihrer Umgebung angepasst. Spaziert man mit seinem Handy im Wald, findet man Wald-Pokémon, an Gewässern Wasser-Pokémon, am Friedhof Geister-Pokémon. 

STOL: Was denken Sie: Wie gut kommt "Pokémon Go" in Südtirol an?

Arpaci: Meiner Einschätzung nach spielt jeder zweite Jugendliche weltweit mittlerweile "Pokémon Go", auch in Südtirol. Es ist lustig zu beobachten, wenn man es weiß: Wenn man jemanden in sein Handy starren und die Runde laufen sieht, heißt das nicht mehr zwingend, dass er Textnachrichten liest, sondern eher, dass er Pokémon jagt. Das erkennt man vor allem dann, wenn jemand auf seinen Display schaut und mal 10 Meter in die eine Richtung geht und plötzlich in eine andere. Man wird nämlich über eine Landkarte zu den Pokémon geführt.

Eine Landkarte zeigt den Weg zum nächsten Pokémon. - Foto: Moe Arpaci

STOL: Das ganze "ins Handy starren" und "plötzlich Richtung wechseln" klingt ziemlich gefährlich.

Arpaci: Bei jedem Spielstart weist die App darauf hin, dass man auch während der Suche auf seine Umgebung achten muss. Aber natürlich ist es schon passiert, dass man mit anderen Leuten zusammenprallt.

Vor jedem Spielstart warnt die App den Spieler, sich nicht von seiner Umgebung ablenken zu lassen. Foto: Moe Arpaci

Aber der Fakt, dass man für das Spiel nach draußen muss, ist auch das Schöne daran. Ein Freund von mir hat seine meiste Freizeit zu Hause vor der Spielkonsole verbracht. Jetzt läuft er im Freien umher und geht am Fluss spazieren, um Pokémon zu fangen. Man wird quasi gezwungen, Runden zu drehen: Findet man bei "Pokémon Go" ein Ei, so kann man es ausbrüten. Dazu muss man  - je nach Ei - 2, 5 oder 10 Kilometer gehen. Erst wenn man die Kilometer hinter sich gebracht hat, schlüpft das Pokémon. Und natürlich gilt: Je länger man geht, desto seltener und außergewöhnlicher ist das Pokémon. 

Erst sammelt man die Eier, dann brütet man sie aus - Foto: Moe Arpaci

STOL: Ihr habt eine Facebook-Gruppe für das Spiel gegründet. Warum?

Arpaci: Das Spiel regt nicht nur zum Gang ins Freie an, es ist auch sozial. Immerhin tauscht man sich untereinander aus, kann Pokémon tauschen, Standorte teilen und so weiter. Zudem können die Spieler auf der Seite um Rat fragen, wenn sie ein Problem haben.

STOL: Sie haben gesagt, dass jeder 2. Jugendliche das Spiel spielt. Aber "Pokémon Go" ist nicht nur für Jugendliche, oder?

Arpaci: Ehrlich gesagt glaube ich, dass die Erwachsenen fast noch fanatischer sind. Sie besitzen nämlich auch das Geld, um sich gewisse Upgrades zu kaufen, wie etwa zusätzliche Pokébälle, Bonbons oder Sternstaub. Damit machen sie ihre Pokémon schneller besser.

STOL: Was waren die lustigsten Orte, an denen Sie Pokémon in Südtirol gefunden haben?

Arpaci: Einmal habe ich einen Pokémon auf dem Bein eines guten Freundes gefunden. Ein anderes Mal saß einer auf dem Kopf des Kapuziner-Wastls in Bruneck. Ein Freund von mir hat tatsächlich einmal einen Fisch-Pokémon in einer Pfanne gefunden.

Interview: Elisabeth Turker

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"Pokémon Go": Vorsicht ist geboten!

  • Neben Spiel, Spaß und Spannung weist der neuste Hype leider auch einige Gefahren auf: So ist es schon vorgekommen, dass manche übereifrige Jäger auch während dem Autofahren Pokémon fangen wollen. Der nächste Unfall lässt so nicht lange auf sich warten.
  • Eine weitere Gefahr für Nutzer ist, dass man sich auf das Spiel konzentriert und Diebe unbemerkt zugreifen können. Es kann auch passieren, dass man überfahren wird, weil man so fest beim Spielen ist, dass man die Umgebung aus den Augen verliert.
  • Auch ein kostenloses Spiel kann ins Geld gehen: Mit der Kreditkarte kann man Münzen kaufen, mit denen man Items, Pokébälle und Upgrades erhalten kann.
  • Und ganz wichtig: Damit das Spiel Pokémon funktioniert, muss man GPS-Positionsdaten und ein Benutzerkonto anlegen. Von Vorteil ist es, sich mit einer E-Mail und einem Passwort einzuloggen und nicht über den Google-Account, denn in diesem Fall könnten Datendiebe auf persönliche Informationen zugreifen.

stol