Donnerstag, 24. August 2017

Syrer macht aus seiner Flucht ein Computerspiel: „Path Out“

Der 21 Jahre alte Syrer Abdullah Karam hat Erfahrungen gemacht, die er niemandem wünscht. Für sich behalten will er die Erlebnisse seiner Flucht nach Europa aber nicht. Sie flossen in ein Computerspiel namens „Path Out“.

Und die Flucht beginnt ...
Und die Flucht beginnt ...

Computerspieler stehen oft unter dem Verdacht der Realitätsflucht. Schließlich verbringen sie ihre Freizeit damit, sich in Fantasiewelten zu versenken. Einen anderen Weg geht das Spiel „Path Out“ (übersetzt auf Deutsch in etwa: Fluchtweg). Statt mit ausgedachten Welten, werden die Spieler mit einer knallharten Realität konfrontiert: In dem Spiel zeichnet der syrische Grafiker Abdullah Karam (21) seine Flucht von Syrien nach Österreich nach.

Mit Hilfe des Karlsruher Computerspiele-Entwicklers Georg Hobmeier hat der 21-Jährige seine Erlebnisse in ein Computerspiel einfließen lassen.

Die Flucht beginnt

Aus der Vogelperspektive lässt sich Karam durch das vom Krieg gezeichnete Syrien steuern. Die Gefahr ist allgegenwärtig: Der Boden ist vermint, es gibt Nachbarn, die Berichte an die Regierung schreiben. Karams Flucht beginnt, als sein Bruder bei einer Demonstration gegen Präsident Baschar al-Assad in einen Schusswechsel gerät. Die Familie drängt ihn zur Flucht.

Die Spieler nehmen Karams Rolle ein und meistern unterwegs Herausforderungen, die Karam größtenteils selbst erlebt hat. In kurzen Erklärvideos, die während des Spiels am Bildschirmrand eingeblendet werden, spricht er unter anderem augenzwinkernd über kulturelle Stereotype wie die Frage, warum im Spiel statt eines Autos ein Kamel vor seinem Haus in Syrien „parkt“.

Flüchtlinge verstehen

„Die Videos enthalten Tipps, erläutern Kontexte – und zeigen, dass hinter der Geschichte ein Mensch steht, dass ich das, was im Spiel gezeigt wird, wirklich erlebt habe“, sagt Karam im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Die Situation von Flüchtlingen zu verstehen, ist der Hauptzweck.“

Hinter dem Spiel steht die Firma Causa Creations mit Sitz in Karlsruhe, die sich auf Spiele mit gesellschaftlichen Anliegen spezialisiert hat.

dpa

stol