Donnerstag, 19. Oktober 2017

Nach Gespräch mit Trump: Witwe von Soldaten bricht zusammen

Der Umgang von US-Präsident Donald Trump mit dem Schicksal gefallener Soldaten lässt die Wellen der Empörung immer höher schlagen. Eine Abgeordnete berichtete am Mittwoch, Trump habe die Witwe eines Soldaten rüde abgefertigt.

Donald Trump ist wieder in aller Munde.
Donald Trump ist wieder in aller Munde. - Foto: © APA/AFP

Ihr Mann habe „gewusst, worauf er sich einließ, als er sich verpflichtete“, soll er der Frau am Telefon gesagt haben. Nachsatz: „Aber ich vermute, es tut trotzdem weh“.

Trump wies die Vorwürfe zurück. Die demokratische Abgeordnete Frederica Wilson habe seine angeblichen Worte „komplett erfunden“, schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er könne dies auch beweisen. Trump präsentierte solche Beweise aber nicht. Der Präsident hatte bereits in den Vortagen mit dem aus der Luft gegriffenen Vorwurf für Wirbel gesorgt, seine Amtsvorgänger hätten sich nicht genügend um die Hinterbliebenen gefallener Soldaten gekümmert.

Worte „schrecklich“ und „unsensibel“

Trump rief laut Wilson die Witwe an, während diese auf dem Weg zum Flughafen von Miami war, wo sie die sterblichen Überreste ihres im westafrikanischen Niger getöteten Mannes in Empfang nehmen wollte. Die Abgeordnete befand sich nach eigenen Angaben mit der Witwe im Wagen und hörte einen Teil des Telefonats mit.

Die Worte des Präsidenten seien „schrecklich“ und „unsensibel“ gewesen, sagte die Parlamentarierin der oppositionellen Demokraten dem Sender MSNBC. Die junge Witwe habe während des gesamten Telefonats geweint und sei danach zusammengebrochen. Das Schlimmste für die Witwe sei gewesen, dass sich der Präsident nicht an den Namen ihres Mannes habe erinnern können.

Witwe im sechsten Monat schwanger

Wilson bezeichnete den Präsidenten als „kranken Mann“: „Er ist kaltherzig, und er empfindet für niemanden Mitleid oder Mitgefühl.“ Bei der Witwe handelt es sich um eine 24-jährige Mutter von zwei Kindern, die im sechsten Monat schwanger ist.

Ihr 25-jähriger Ehemann war Anfang des Monats während eines Anti-Terror-Einsatzes im Niger in einen Hinterhalt geraten. Dabei wurde er zusammen mit drei weiteren US-Soldaten getötet.

Trump zieht Obama mit ins Boot

Trump sah sich in den Tagen nach dem Vorfall mit kritischen Fragen dazu konfrontiert, warum er nicht öffentlich dazu Stellung bezog. Er reagierte daraufhin zu Wochenbeginn mit der Ankündigung, dass er die Hinterbliebenen anrufen werde. Zugleich warf er seinem Amtsvorgänger Barack Obama und anderen früheren Präsidenten vor, solche Anrufe oft nicht gemacht zu haben.

Frühere ranghohe Mitarbeiter Obamas wiesen die Anschuldigungen empört zurück. Ex-Justizminister Eric Holder forderte Trump auf, „mit den verdammten Lügen aufzuhören“. Er erinnerte daran, dass Obama im Jahr 2009 persönlich die sterblichen Überreste von insgesamt 18 in Afghanistan gefallenen Soldaten und anderen US-Bürgern in Empfang genommen habe.

apa/afp

stol