Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen des Vortages wehten die Flaggen am Amtssitz von Präsident Mahmoud Abbas in Ramallah auf halbmast. Am Dienstag haben indes Tausende Menschen im Gazastreifen Abschied von ihren Toten genommen. Einige der 60 Todesopfer wurden bereits am Montagabend beerdigt. Zu den Opfern zählt auch ein acht Monate altes Mädchen, das erstickt sein soll, nachdem es von israelischen Soldaten eingesetztes Tränengas eingeatmet hat.Laut Augenzeugen waren die Särge von rund 25 der am Montag getöteten Palästinenser in die Fahnen der radikalislamischen Hamas gewickelt. Dies heißt allerdings zunächst nur, dass die Hamas für die Kosten der Beerdigung aufgekommen ist. „Diese Juden (Israelis) sind Kriminelle”, sagte Faddel Sheikh Khalil der Deutschen Presse-Agentur. Seine Tochter war bei den Protesten getötet worden.Israel warf hingegen der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, Zivilisten auf zynische Weise als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Die israelische Armee habe den Auftrag, Palästinenser um jeden Preis daran zu hindern, die Gaza-Grenze zu überqueren, sagte ein Armeesprecher. Die Hamas wolle hingegen unter dem Deckmantel der Proteste Anschläge in israelischen Grenzorten verüben.Eine unabhängige Untersuchung der gewaltsamen Vorfälle an der Gaza-Grenze wird es jedenfalls nicht geben. Denn die USA lehnen dies ab. Unter den Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrats kursierte am Montag der Entwurf für eine gemeinsame Stellungnahme zu der Gewalt, in der auch eine solche Untersuchung gefordert wurde. Diesen Entwurf blockierten die USA jedoch. Der Rat wollte am Dienstag erneut über die Lage beraten und sich dabei auch vom Nahost-Beauftragten Nikolaj Mladenow informieren lassen.Ein Ende der Unruhen ist nicht zuerwarten, haben doch alle politischen Fraktionen für Dienstagmittag zu Protesten an israelischen Armeekontrollpunkten im Westjordanland aufgerufen. Am Nakba-Tag erinnern die Palästinenser traditionell an die Flucht und Vertreibung Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung vor 70 Jahren. Dabei kam es bereits in der Vergangenheit zu Unruhen.Ein Auslöser für die Proteste im Gazastreifen war die Eröffnung der US-Botschaft am Montag in Jerusalem - ausgerechnet am Jahrestag der Staatsgründung Israels. US-Präsident Donald Trump hatte vor rund sechs Monaten in einem international scharf kritisierten Schritt Jerusalem einseitig als Israels Hauptstadt anerkannt. Dabei kündigte er auch die Verlegung der Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem an.Jerusalem gilt als eine zentrale Streitfrage im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Israel hat den Ostteil der Stadt im Sechstagekrieg 1967 erobert. Den Anspruch der Palästinenser auf Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen künftigen Staat Palästina lehnt Israel ab. Nach Ansicht der internationalen Gemeinschaft muss der Status der Stadt in gemeinsamen Friedensgesprächen zwischen Israelis und Palästinensern festgelegt werden.Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) hat indes die Teilnahme des österreichischen Botschafters in Israel, Martin Weiss, an einem Empfang des israelischen Außenministeriums vor der Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem verteidigt. „Aus unserer Teilnahme am Empfang sind keinerlei völkerrechtliche Implikationen herauszulesen”, sagte Kneissl im „ZiB 2”-Interview am Montag zum Boykott des Empfangs durch fast alle EU-Staaten. An der österreichischen Position im Konflikt zwischen Israel und Palästina ändere sich nichts, so Kneissl, die Israels Annexion von Ostjerusalem im Jahr 1980 als „völkerrechtswidrigen Akt” bezeichnete.Es bleibe bei der klaren Position: „Es muss eine Verhandlungslösung für Jerusalem und für einen palästinensischen Staat her”, so Kneissl. Gefragt, ob sich Österreich mit der Teilnahme am Empfang gegen die westeuropäische Linie stelle, antwortete Kneissl: „Es war die Bitte der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini hier vielleicht an bestimmen Empfängen nicht teilzunehmen”, sagte die Außenministerin. Die Teilnahme sei jedoch meist eine Entscheidung des Botschafters, manchmal in Rücksprache mit dem Außenministerium.Nach israelischen Angaben wurden alle 86 Länder mit diplomatischen Vertretungen zu der Feier eingeladen, von denen Botschafter Martin Weiss zufolge nur 34 teilgenommen haben. Von den EU-Staaten waren lediglich Österreich, Rumänien, Ungarn und Tschechien vertreten. Bei der Einweihung selbst waren die Diplomaten nicht eingeladen.apa/dpa/ag.