Mittwoch, 28. September 2016

Nach Putschversuch in der Türkei rund 32.000 Verdächtige in Haft

Als Reaktion auf den gescheiterten Putsch hat die türkische Regierung nach eigenen Angaben bisher rund 32.000 Verdächtige inhaftieren lassen. Gegen insgesamt 70.000 Menschen wurde ermittelt, wie Justizminister Bekir Bozdag am Mittwoch dem Fernsehsender NTV gesagt hat.

In der Türkei wurden nach dem gescheiterten Putschversuch 32.000 Verdächtige inhaftiert.
In der Türkei wurden nach dem gescheiterten Putschversuch 32.000 Verdächtige inhaftiert. - Foto: © APA/AFP

„Dieser Prozess geht weiter“, fügte Bozdag hinzu. Es könne weitere Festnahmen, aber auch Freilassungen geben. Die bevorstehenden Gerichtsprozesse sind die bisher größten in der türkischen Geschichte. Es sei „noch nicht ganz geklärt“, wie sie geführt würden, sagte Bozdag.

Mehr als 10.000 Mitarbeiter aus Staatsdienst entlassen

Anfang September hatte die Regierung mitgeteilt, dass mehr als 10.000 weitere Staatsbedienstete entlassen worden seien. Betroffen seien mehr als 7.600 Polizisten und über 300 Gendarmen. Zudem mussten mehr als 2.300 Hochschulmitarbeiter sowie insgesamt mehr als tausend Soldaten, Richter und Staatsanwälte ihre Posten räumen. Fast 34.000 Häftlinge wurden vorzeitig entlassen, um Platz in den überfüllten Gefängnissen zu schaffen.

"Säuberungen" vor allem in der Justiz und beim Militär

Präsident Recep Tayyip Erdogan, der den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen als Drahtzieher des Umsturzversuches betrachtet, hatte nach dem gescheiterten Putsch am 15. Juli umfangreiche „Säuberungen“ im Staatsapparat angekündigt. Seither wurden Zehntausende Mitarbeiter der Sicherheitskräfte, der Justiz und des Bildungswesens aus dem Dienst entfernt.

Allein im Justizwesen sind fast 3.400 Menschen davon betroffen, im Militär stieg die Zahl der Entlassenen inzwischen auf gut 4.450.

apa/afp

stol