Mittwoch, 02. Mai 2018

Nach Streit mit Papst: Malteserorden hat neuen Chef

Der Jahrhunderte alte Malteserorden hat nach einer schweren Krise einen neuen Chef. Der bisherige Interimschef Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto wurde am Mittwoch in Rom auf Lebenszeit an die Spitze des katholischen Ordens gewählt, wie die Organisation mitteilte.

Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto wurde auf Lebenszeit an die Spitze des katholischen Ordens gewählt.
Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto wurde auf Lebenszeit an die Spitze des katholischen Ordens gewählt. - Foto: © APA/ANSA

Der 73-jährige Italiener folgt auf den ehemaligen Großmeister Matthew Festing, der vor rund eineinhalb Jahren nach einem Streit mit dem Papst zurückgetreten war. Dalla Torre stand schon seit einem Jahr übergangsweise an der Spitze des Ordens und soll die fast 1000 Jahre alte Organisation weiter reformieren.

Der Malteserorden wurde im Jahr 1048 gegründet, er unterhält in etwa 120 Ländern Wohltätigkeitsprojekte und hat etwa 13.500 Mitglieder.

Streit um Macht mit dem Vatikan 

Der Wahl war ein beispielloser Machtstreit mit dem Vatikan vorausgegangen, der sich an der Entlassung des Deutschen Albrecht von Boeselager entzündet hatte. Von Boeselager war als Großkanzler unter anderem ein Jahr zurückliegender Streit zum Verhängnis geworden, bei dem es auch um die Verteilung von Kondomen in Myanmar ging. Der damalige Ordenschef Festing hatte sich anschließend gegen eine Untersuchung der Vorfälle durch eine vom Vatikan eingesetzte Kommission gewehrt. Der Streit eskalierte, Papst Franziskus forderte Festing zum Rücktritt auf. Danach wurde Boeselagers Entlassung wieder aufgehoben.

Dalla Torre wurde 1944 in Rom geboren, hat sich während seines Studiums auf christliche Archäologie und Kunstgeschichte spezialisiert und lehrte an der Päpstlichen Universität Urbaniana in Rom. Mitglied des Ordens wurde er 1985. Dalla Torre ist der 80. Großmeister.

apa/dpa 

stol