Mittwoch, 16. September 2015

Nahost-Experte Landis: Europa muss in Syrien-Konflikt eingreifen

Die EU müsse in den Syrien-Konflikt eingreifen, wenn sie die Flüchtlingsbewegung von dort stoppen wolle. Das meint der amerikanische Nahost-Experte Joshua Landis.

Europa und der syrische Präsidente Bashar al-Assad sollen sich im Kampf gegen den IS-Terror vereinen, fordern Experten.
Europa und der syrische Präsidente Bashar al-Assad sollen sich im Kampf gegen den IS-Terror vereinen, fordern Experten. - Foto: © LaPresse

In einem Interview mit dem Magazin „Zeit Online“ machte Landis deutlich, dass man auch den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad in den Kampf gegen die Terrormiliz IS einbeziehen müsse.

„Die russische Regierung setzt auf Assad. Er ist der Einzige, der dem IS eine Armee entgegenstellt, die auch nach internationalem Recht anerkannt ist“, sagte Landis, der als einer der führenden Syrien-Experten der USA gilt.

„Natürlich ist Assad ein furchtbarer Krimineller, er sollte dem Internationalen Gerichtshof überstellt werden“, fügte der Nahost-Experte hinzu. Doch Europa müsse sich entscheiden, ob es die Flüchtlingsbewegungen stoppen wolle. „Wenn es einfach so weitermacht wie bisher, werden Damaskus, Homs und Hama an die Rebellen fallen. Weitere Hunderttausende Flüchtlinge werden dann das Land verlassen“, warnte Landis.

Europa nur Trittrettfahrer

Europa sei nur der Trittbrettfahrer der amerikanischen Außenpolitik im Nahen Osten. Doch auch die US-Regierung übernehme nicht die Führung, kritisierte der Professor an der Universität von Oklahoma.

„Europa hat sich darauf verlassen, dass die USA Truppen nach Syrien schicken und die Lage in den Griff bekommen. Doch für die Amerikaner ist das Problem im Nahen Osten nicht besonders drängend. Anders als Europa sind sie nicht von der Flüchtlingskrise betroffen“, so Landis.

Syrer auf Assad angewiesen

Russland nutze die„ außenpolitische Kopflosigkeit des Westens“ aus. Einerseits wollten Europa und die USA die Terrormiliz IS zerstören, andererseits wollten sie Assad loswerden. Mit den Truppenverlegungen in Syrien mache Russlands Präsident Wladimir Putin klar: „Beides geht nicht“, betonte Landis.

Noch heute seien 65 Prozent der syrischen Bevölkerung auf Assad angewiesen – er sorge für Wasser, Elektrizität „und sogar für ein Mindestmaß an Sicherheit. Wer die Flüchtlingsbewegung nach Europa stoppen will, kann Assad nicht zerstören“, sagte Landis.

apa/dpa

stol