<b>Von Doris Ebner</b><BR /><BR />Wer hat gesagt, dass wir immer allem zustimmen müssen? Wir sind Kreaturen mit freiem Willen und damit auch berechtigt, Anfragen abzulehnen und unsere Bereitschaft zu verweigern. Wäre doch noch schöner – möchte man meinen. Denn einfach ist das Ganze nicht. Während viele andere Beschlüsse rasch und im Handumdrehen gefasst werden, fühlt sich ein „Nein“ nicht an wie eine sachliche Entscheidung. <BR /><BR />Es ist, als wäre damit viel mehr verbunden: eine versteckte Stellungnahme zu jener Person, der wir uns verweigern, und vor allem auch ein Urteil über uns selbst. Auf einmal beginnen wir, unseren eigenen Wert an die Erfüllung der an uns herangetragenen Bitte zu knüpfen. Und schon scheint es, als gäbe es kein Entrinnen mehr.<BR /><BR />Besonders schwierig wird es immer dort, wo wir über lange Zeit gelernt haben, zuverlässig zu funktionieren. Immer verfügbar zu sein, generiert in den allermeisten Fällen Anerkennung, auf die wir nur ungern verzichten möchten. Anstatt einen Gang zurückzuschalten, um auf unsere eigenen Bedürfnisse zu hören, machen wir deshalb munter weiter und noch mehr. So lange, bis das, was ursprünglich als gut gemeinter Gefallen gedacht war, längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist – für andere und für uns selbst. <BR /><BR />Und genau deshalb fällt es umso schwerer, eine Grenze zu setzen. Mit jedem Schritt zurück verletzen wir nicht nur unser Gegenüber, sondern auch eine Gewohnheit, die sich vielleicht über Jahre etabliert hat. Für das System ein Grund zur Rebellion. Deshalb gilt es hier, besondere Vorsicht walten zu lassen. <h3> Klar und trotzdem freundlich</h3>Ein „Nein“ muss weder hart noch kühl oder gar verletzend sein. Es darf freundlich klingen und doch eine eindeutige Botschaft vermitteln. „Heute schaffe ich das nicht.“ „Dafür habe ich im Moment keine Kapazität.“ Oder schlicht: „Das kann ich diesmal nicht übernehmen.“ Das ist ehrlich.<BR /><BR /> Der Mensch, mit dem wir uns gerade im Austausch befinden, hat eine klare Ansage bekommen, ohne schroff zurückgewiesen worden zu sein. Deshalb müssen wir unsere Entscheidung auch nicht erklären, sondern dürfen uns selbst schützen. Je länger wir uns rechtfertigen, desto größer wird nämlich die Gefahr, dass aus einer klaren Grenze eine Verhandlung erwächst, aus der wir vermutlich als Verlierer aussteigen – schon allein deshalb, weil es uns ohnehin schon schwergefallen ist, die Bitte auszuschlagen. <BR /><BR />Ein enttäuschtes Gesicht, einen kurzen Moment der Irritation oder ein „Schade“ als Reaktion allerdings gilt es auszuhalten. Doch anders, als es im ersten Moment oft scheinen mag, ist das kein Zeichen dafür, dass wir einen Fehler gemacht haben. <BR /><BR />Vielmehr ist es Aufgabe unseres Gegenübers, mit unserer Entscheidung umzugehen. Unsere eigene ist es lediglich, die Kräfte, die wir zur Verfügung haben, so einzusetzen, dass wir nicht zu Nebendarstellern in unserem eigenen Alltag werden. <h3> Zur Person</h3><div class="img-embed"><embed id="1172901_image" /></div> <BR />Doris Ebner ist diplomierte Neuromentaltrainerin. Im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie ihre Faszination für die Gehirnforschung und die Kraft der Gedanken entdeckt und erfahren, welche Möglichkeiten darin verborgen liegen. Ihre besondere Begeisterung gilt dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb sie mit Leidenschaft ihr Wissen an andere Menschen weitergibt und sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben unterstützt. Zudem hat Doris Ebner Germanistik und Musik studiert und arbeitet als Redakteurin.