Freitag, 29. April 2016

Netzwerktagung „Zusammenspiel (wir) alle in Beziehung“

54 Gäste aus dem ganzen Land kamen am Freitag, 22. April 2016 ins Kinderdorf zur Netzwerktagung.

Vortrag von Walter Lorenz im Kinderdorf.
Badge Local
Vortrag von Walter Lorenz im Kinderdorf.

Mit dabei waren Vertreter aus den Sozialdiensten, der Landes- und Gemeindepolitik, der Kinder und Jugendpsychiatrischen Fachambulanz , der Schulen, der Freien Universität Bozen, des Jugendgerichtes, der Wirtschaft, von anderen sozialpädagogischen Einrichtungen und Betroffene.

Heinz Senoner, der Direktor des Kinderdorfes begrüßte die Gäste mit den Worten: „Um im Netzwerk gut zusammen zu arbeiten, brauchen wir eine offene, wertschätzende Haltung allen Beteiligen gegenüber: Mitarbeitern und Klienten. Wir müssen eine gemeinsame Sprache entwickeln und die Arbeit des Netzwerkes immer wieder hinterfragen. Vor allem müssen wir mit den betroffenen Personen gemeinsam Lösungen entwickeln. Wir dürfen nicht über sie, sondern wollen mit ihnen reden. Deshalb haben wir auch Klienten zur Tagung eingeladen.“

Thema der Tagung war die Zusammenarbeit im Netzwerk im Sinne des Wohls von Kindern und Jugendlichen.

Die Mitarbeiter des Kinderdorfes luden Kollegen/-innen aus allen Institutionen ein, mit denen sie zusammen arbeiten und stellten Fragen zu unterschiedlichen Themen: „Welche helfende Rolle spielen Eltern im Hilfsprozesses?“, „Was passiert wenn es im Netzwerk unterschiedliche Einschätzungen gibt und wie geht man mit Konflikten um?“ oder „Wie ist der Umgang mit psychiatrischen Fällen im pädagogischen Bereich, was sind die Zuständigkeiten, wie sind die Hierarchien?“.

„Wie können soziale Institutionen mit Arbeitgebern, Schulen und Behörden den Weg eines Jugendlichen in die Arbeitswelt gemeinsam gut gestalten?“ war auch ein Thema. Das Therapie Center stellte eine klare Frage: „Glauben Sie, dass es eine Einrichtung wie das Therapie Center noch braucht?“ „Wie kann der Kinder- und Jugendschutz weiterhin garantiert werden?“ wollte die Direktion wissen.

Diese Fragen wurden an Tischen in den Räumen und Stuben des Thalhofers mit der Methode des „Pro-Action-Cafés“ in Gruppen besprochen. Gut strukturiert und moderiert wurde der Vormittag von Sabina Frei, Universitätsdozentin und Mitglied des Verwaltungsrates der Kinderdorf Genossenschaft.

„Wichtig ist es uns, beim Diskutieren der Fragen einander zu begegnen und die fachlichen Beziehungen zu stärken, um die Grundlage für unsere Zusammenarbeit zu festigen. So können wir immer besser gemeinsam zum Wohl der Kinder und Jugendlichen handeln“, sagt der Direktor.

Prof. Walter  Lorenz referiert

Walter Lorenz, Rektor der Freien Universität Bozen war nicht nur Teilnehmer, sondern hielt auch ein Impulsreferat. Er sprach darüber, welchen Einfluss „das Neue Zeitalter der Unverbindlichkeit, der globalen Vernetzung, der Schnelllebigkeit und des wenig Zeithabens“ auf die Beziehungen, insbesondere auf jene der Kinder und Jugendlichen hat und vor welche Herausforderungen diese neue Zeit die Familien und die professionellen Fachkräfte stellt.

Ziele erreicht

Die Ziele, die sich das Kinderdorf bei dieser Tagung gesteckt hat, sind erreicht worden. Die Gäste, waren einhellig der Meinung, dass dieses Treffen die Beziehungen untereinander gestärkt habe.

Eine Nutzerin meinte: „Es war für mich etwas Besonderes, meine Sicht der Dinge einbringen zu können. Ich konnte vieles erfahren, was mir bisher nicht so bewusst war.“ „Ich gehe mit einem guten Gefühl nach Hause.

Es war sehr wertvoll sich einmal außerhalb der konkreten Fallarbeit zu treffen und über grundsätzliche Sichtweisen der Arbeit zu sprechen. Ich habe viele Kontakte geknüpft. Das wirkt sich sicher positiv auf meine zukünftige Arbeit aus“, so ein Fachkraft in der Abschlussrunde.

„Für mich waren die unterschiedlichen Sichtweisen interessant zu erleben. Und ich merke, dass es manchmal gut tut Perspektive zu wechseln. Denn obwohl wir alle dasselbe wollen, dass es dem Klienten besser geht, haben wir oft verschiedene Sichtweisen auf die Dinge. So eine Tagung trägt zum besseren Verständnis der anderen Dienste bei“, resümiert eine Teilnehmerin. Für die einladenden MitarbeiterInnen des Kinderdorfes gab es viel Bestätigung und viel Impulse, um in ihrer täglichen Arbeit noch wirksamer zu werden und die betreuten Kinder und Jugendlichen noch besser zu unterstützen.

Obmann Walter Mitterrutzner dankt den Teilnehmer: „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich so viele Akteure im sozialen Bereich Zeit nehmen, an so einer Netzwerktagung teilzunehmen. Fast alle unsere eingeladenen Gäste sind gekommen. Ich möchte Ihnen allen dafür danken und werte dies bereits als Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung und Anerkennung.“

Leibliches Wohl

Überrascht waren die Gäste von dem wunderbaren Mittagessen, das eine kurdische Frau, die vor Jahren die Dienste des Kinderdorfes in Anspruch genommen hatte, für alle gekocht hat. Dieses abschließende  informelle Zusammensein wurde von allen gern angenommen.

 

stol