Dienstag, 01. November 2016

Neue Wikileaks-Enthüllungen plagen Clinton im Wahlkampf-Endspurt

Eine Woche vor der Präsidentschaftswahl in den USA belasten neue Enthüllungen den Wahlkampf von Hillary Clinton: Die Plattform Wikileaks veröffentlichte am Montag vertrauliche E-Mails von Parteistrategen, die den Verdacht nahelegen, dass Clinton bei TV-Debatten im Vorwahlkampf im Voraus über anstehende Fragen informiert worden sein könnte.

Hillary Clinton unter Druck.
Hillary Clinton unter Druck. - Foto: © LaPresse

Nach Bekanntwerden der neuen gehackten E-Mails trennte sich der Sender CNN umgehend von der prominenten Politikanalystin Donna Brazile, die die Fragen im Voraus an Clintons Team weitergeleitet haben soll.

In dem Fall geht es um E-Mails, welche die damalige CNN-Mitarbeiterin Brazile an Clintons Wahlkampfchef John Podesta und andere Kampagnenmanager geschrieben hat. Sie nehmen Bezug auf bevorstehende TV-Debatten, die von CNN ausgerichtet wurden und in denen sich Clinton und ihr damaliger parteiinterner Gegner Bernie Sanders gegenüberstanden. Die Mails lassen den Schluss zu, dass Brazile der Kandidatin einen Vorteil gegenüber Sanders verschaffen wollte.

Gehackte Mails

In einer Email an Podesta vom März schreibt Brazile: „Eine der Fragen morgen an HRC (Hillary Rodham Clinton) wird von einer Frau mit Ausschlag kommen. Ihre Familie leidet an Bleivergiftung, und sie wird fragen, was Hillary tun wird, um den Menschen in Flint zu helfen.“ Flint ist eine Stadt in Michigan, die damals wegen vergifteten Leitungswassers in den Nachrichten war.

Bei der Debatte am folgenden Tag wurde Clinton dann tatsächlich von einer Frau befragt, die über Hautprobleme in ihrer Familie berichtete. Allerdings stellte die Frau eine andere Frage.

In einer weiteren gehackten Email, die sich an eine Clinton-Mitarbeiterin richtete, schrieb Brazile, dass sie „gelegentlich die Fragen im Vorhinein“ bekäme und diese vor den TV-Debatten an das Wahlkampfteam weiterleiten könne.

Der Sender CNN kritisierte Braziles Vorgehen und gab die Trennung von der langjährigen Mitarbeiterin bekannt. Im Sender herrsche „absolutes Unbehagen über das, was wir über ihre Kontakte mit dem Clinton-Team während ihrer Zeit als Mitarbeiterin erfahren haben“, erklärte CNN. Der Sender beteuerte, dass er Brazile niemals Zugang zu Gästen der TV-Debatten und erwarteten Fragen gewährt habe.

Brazile ist eines der bekanntesten Gesichter aus dem Parteiapparat der US-Demokraten. Seit Juli ist sie kommissarische Parteivorsitzende, nachdem die vorherige Chefin ihren Posten – ebenfalls wegen Wikileaks-Enthüllungen – aufgegeben hatte. Seit Juli hatte Brazile ihren Vertrag mit CNN ruhen lassen und war nicht mehr als Analystin aufgetreten.

Vorwürfe von Trump

Clintons rechtspopulistischer Gegenkandidat Donald Trump hatte im Wahlkampf immer wieder den Vorwurf erhoben, die Demokratin sei im Voraus über Fragen in TV-Debatten informiert worden; Belege hatte er dafür aber nicht vorgelegt.

Die neuen Enthüllungen von Wikipedia sind Teil einer ganzen Serie, die auf internen Mails aus dem gehackten E-Mail-Konto von John Podesta beruhen und den Wahlkampf der Demokraten belasten. Die Geheimdienste vermuten, dass Russland hinter dem Hackerangriff und den Veröffentlichungen steht. Clinton sieht darin einen Versuch, den Wahlkampf zu ihren Lasten zu beeinflussen.

apa

stol