Sonntag, 05. November 2017

Neukaledonien: 2018 Abstimmung über Unabhängigkeit von Frankreich

Das französische Überseegebiet Neukaledonien will über die Loslösung vom Mutterland abstimmen. Bei Verhandlungen zwischen Vertretern Neukaledoniens und der französischen Regierung wurden am Donnerstag zentrale Stolpersteine aus dem Weg geräumt. Paris gibt damit grünes Licht für das Referendum, das in spätestens einem Jahr stattfinden soll.

2018 wird sich entscheiden, ob Neukaledonien weiterhin ein Teil von Frankreich bleibt oder nicht.
2018 wird sich entscheiden, ob Neukaledonien weiterhin ein Teil von Frankreich bleibt oder nicht. - Foto: © shutterstock

Die paradiesisch anmutende Inselgruppe im Südpazifik, die sich östlich von Australien befindet, verfügt schon heute über einen Sonderstatus. Der französische Statthalter wacht nur mehr über einen Teil der Hoheitsrechte (Finanzen, Verteidigung, innere Sicherheit und Justiz), der Rest fällt in den Verantwortungsbereich der neukaledonischen Regierung.

Der Sonderstatus des etwa 270.000 Einwohner zählenden Archipels und die Möglichkeit des Referendums sind Resultate eines langwierigen Verhandlungsprozesses, der Ende der 1980er-Jahre einsetzte. Er war die Folge von Unabhängigkeitsbestrebungen, die Mitte der 80er-Jahre zu blutigen Auseinandersetzungen geführt hatten.

Die Bruchlinie zwischen Anhängern und Gegnern der Unabhängigkeit verlief damals wie heute entlang ethnischer Grenzen. Die Kanaken, die melanesischen Ureinwohner der Insel, befürworten die Unabhängigkeit mehrheitlich, während die Einwohner europäischer Abstammung, die Caldoches, eher für den Verbleib bei Frankreich sind.

Frankreichs Politiker plädieren für Verbleib beim Mutterland

Auch die französische Regierung hofft, das Entstehen eines neuen Staates, der „Kanaky“ heißen könnte, zu verhindern. Paris hat strategische Interessen im Südpazifik. Außerdem befürchtet die Regierung im Mutterland, dass eine Unabhängigkeit Neukaledoniens Abspaltungstendenzen in anderen Überseegebieten verstärken könnte.

Neukaledonien wäre der erste Gebietsverlust für Frankreich seit der Unabhängigkeit Dschibutis 1977 und Vanuatus im Südpazifik 1980.

Premierminister Edouard Philippe wird noch im November nach Neukaledonien reisen, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Staatspräsident Emmanuel Macron will es ihm im Frühjahr gleichtun. Die demografischen Entwicklungen spielen der französischen Regierung in die Hände, denn die Kanaken stellen nur mehr etwa 39 Prozent der Einwohner der Inselgruppe.

stol