Sonntag, 03. Juni 2018

Nicaragua: Erneut Tote bei Massenprotesten

Bei den anhaltenden Massenprotesten in Nicaragua gegen Präsident Daniel Ortega sind am Samstag mindestens 6 Menschen getötet worden.

Ein Demonstrant zeigt die Kugel einer im Einsatz benutzten Waffe. - Foto: APA/AFP
Ein Demonstrant zeigt die Kugel einer im Einsatz benutzten Waffe. - Foto: APA/AFP

In der Stadt Masaya wurden bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften nach Angaben des nicaraguanischen Menschenrechtsverbands ANPDH 5 Menschen getötet, darunter ein 15-Jähriger und ein Beamter der Geheimpolizei.

In der Hauptstadt Managua wurde ein US-Bürger getötet, wie die US-Botschaft mitteilte. Der 48-Jährige wurde laut ANPDH von regierungstreuen Demonstranten getötet.

Ausschreitungen in mindestens 6 Städten

In mindestens 6 Städten, darunter Managua und Masaya, kam es zu Ausschreitungen, Plünderungen und Bränden. Die Behörden machten dafür „rechtsgerichtete Gruppen” verantwortlich. Aus mehreren Städten berichteten die Bewohner dagegen, dass die Sicherheitskräfte die Zerstörungen angerichtet hätten.

In Masaya lieferten sich Hunderte Jugendliche Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie errichteten Barrikaden gegen eine vermutete Offensive der Sicherheitskräfte. Die Demonstranten bewarfen die Polizei mit Sprengsätzen und Steinen. Die Polizei antwortete mit Tränengas und offenbar auch mit scharfer Munition. Andere Bewohner der Stadt suchten Schutz in ihren Häusern.

Mehr als 100 Tote seit Beginn der Massenproteste

Seit dem Beginn der Massenproteste in Nicaragua am 18. April wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen und der Polizei mehr als 100 Menschen getötet. Die Wut der Demonstranten hatte sich zunächst gegen Pläne für Pensionskürzungen gerichtet. Staatschef Ortega zog diese angesichts des Widerstands schon bald wieder zurück.

Der ehemalige Guerillakämpfer regiert Nicaragua seit elf Jahren, einen Rücktritt lehnt er weiterhin ab. Sein jetziges Mandat endet Anfang 2022.

apa/afp

stol