Eine Gemeinheit, was das Alter mit einem macht! Als wäre es gestern gewesen, klingt mir der Satz meiner Großmutter im Ohr. Das erste Mal habe ich ihn als Backfisch gehört. Dass die Botschaft damals nicht angekommen ist, liegt in der Natur der Jugend, der die Welt gehört.<BR /><BR /> Heute kann ich ihre Empörung nachvollziehen. Wie gut, dass ich immer schlechter sehe, was im faltigen Fall durchaus von Vorteil ist. Und die Ausstrahlung, seufz… Dieser ewige Quell der Attraktivität. <BR /><BR />Wie nur soll man darin baden, wenn das Spiegelbild ein Eigenleben führt und zunehmend so aussieht, als hätte es durchgemacht. Von dieser fiesen, inneren Stimme erst gar nicht zu sprechen, die da hämisch flüstert: Ja, ja, du bist auch nicht mehr ganz taufrisch, meine Liebe. Und bald kannst du die Jahre nicht mehr wegschummeln mit guter Schminke und vorteilhafter Kleidung. <BR /><BR />Vielleicht solltest du doch einmal an chirurgische Helferlein denken, lockt sie. Aufspritzen? Liften? Glattbügeln? NIEMALS! Da sehe ich lieber aus wie ein chinesischer Faltenhund, oder ein Uhu nach dem Waldbrand, wie mein Onkel zu sagen pflegte. <BR /><BR />Und während ich so vor mich hinjammere und mit meiner verwelkenden Optik hadere, springt meine quirlige Mutter mit ihren drei Hunden ins Blickfeld. Ein Mädchen von 80 Jahren ist sie jetzt, und sie geht Hand in Hand mit der Zeit. Mama, sag, wie hast du das gemacht, so jung zu bleiben, frage ich sie. „Ich habe losgelassen und angenommen“, sagt sie lächelnd, als wäre es das Leichteste der Welt. <BR /><BR />War das nicht schwer? „Nicht so schwer, wie du denkst. Ich wollte keinen Kampf führen, der nicht gewonnen werden kann. Und es gibt so viel Wichtigeres im Leben. Ich hatte meine Zeit und irgendwann muss man zur Seite treten und Platz machen für die Jungen.“ <BR /><BR />Meinst du, ich schaffe das auch, Mama, frage ich sie leise. Ihr Strahlen gibt mir die Antwort. Es wischt nicht die Jahre aus dem Gesicht. Aber es macht sie alterslos schön.<BR />