Sonntag, 15. Oktober 2017

Niederlage der Grünen - Felipe: „Sehr betroffen”

Katastrophenstimmung hat bei den Grünen am Sonntag nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen zur Nationalratswahl geherrscht. „Dieses erste Ergebnis macht uns alle sehr betroffen”, sagte Bundessprecherin Ingrid Felipe auf der Bühne des „Metropol”. Betroffen sei sie, „weil wir auch wissen, welche Personen dahinter stecken”, aber auch angesichts der Zuwächse der anderen Parteien.

Foto: APA
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”Das ist ein Rechtsruck, und es ist ein demokratisch herbeigeführter Rechtsruck”, so Felipe. „Es macht nachdenklich, was in unserer Republik los ist.” „Ich tue mir hart, so zuversichtlich zu sprechen wie sonst”, meinte sie weiter. Es sei ein hartes halbes Jahr für die Grünen gewesen, viele Dinge hätte man besser machen können. Ulrike Lunacek habe dennoch einen „großartigen Wahlkampf” geführt. Nun hoffe man bei der Auszählung noch auf die grünen Hochburgen, insbesondere Wien.

”Bleibt bitte da, gemeinsam schaffen wir das”, sagte sie zu den grünen Unterstützern. „Gemeinsam werden wir auch diese schwere Zeit meistern, gemeinsam auch weiter eine starke grüne Stimme in Österreich sein.”

Grünen-Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek sprach in einer ersten Reaktion von einer „großen Enttäuschung”. Es handle sich um eine „bittere Niederlage”, sagte Lunacek kurz angebunden zu Journalisten bei ihrem Eintreffen im Medienzentrum in der Nationalbibliothek.

Bundesgeschäftsführer Robert Luschnik versprach weiter den Einsatz für grüne Kernthemen. Er sprach von einem „respektablen Ergebnis”, und: „Ich bin stolz, dass wir einen fairen und sauberen Wahlkampf geführt haben.”

Der stellvertretende Grünen-Klubobmann Werner Kogler sprach von einer „schweren Niederlage” seiner Partei bei der Nationalratswahl. Man habe eine „schwere Außensituation” gehabt, aber auch „schwere eigene Fehler” begangen. Es schaue aber so aus, dass man den Einzug in den Nationalrat schaffen werde, sagte Kogler gegenüber Journalisten. Man werde nicht aufgeben, aber wer jetzt nicht von einem schweren Rückschlag spreche, liege vollkommen daneben, so Kogler.

Wiens Vizebürgermeisterin und stellvertretende Bundesparteichefin der Grünen, Maria Vassilakou, sieht angesichts des desaströsen Abschneidens ihrer Partei, die eventuell sogar aus dem Nationalrat fliegen könnte, einen „bitteren Tag für mich und die grüne Bewegung”. Nun müsse man „schonungslos” analysieren und die richtigen Schlüsse ziehen, sagte sie dem „ORF Wien”.

Die Wähler hätten eine unüberhörbare Botschaft gesendet - nämlich dass sie es nicht schätzen würden, wenn man sich gegenseitig absäge und wenn aus den Grünen zwei Listen würden, sagte Vassilakou in einer Statement-Runde von Wiener Parteifunktionären in Anspielung an Peter Pilz, dem sie nichtsdestotrotz in einem Nebensatz zum möglichen Einzug gratulierte.

Schlimme Befürchtungen hat Vassilakou offenbar für die Hauptstadt, wo die Grünen gemeinsam mit der SPÖ in einer Koalition sind. „Ich mache mir Sorgen um Wien”, denn auf das „Wien-Bashing” der vergangenen Wochen könnten nun, sollte es zu Schwarz-Blau kommen, Taten folgen. Sie werde aber nicht zulassen, dass die Stadt „ausgehungert” werde und werde alle Kraft einsetzen, um Wien zu „beschützen”.

apa

stol