Freitag, 30. März 2018

Nobelpreisträgerin Malala wieder in Pakistan

Pakistan verfolgt gespannt die emotionale Heimkehr der jungen Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai in ihre Heimat nach einem Mordversuch der Taliban vor mehr als 5 Jahren. Die Kinderrechtsaktivistin war am Donnerstagmorgen überraschend am Flughafen in Islamabad angekommen und unter Polizeischutz in ein Hotel gebracht worden.

Malala ist zunächst nur für 4 Tage zurückgekehrt.
Malala ist zunächst nur für 4 Tage zurückgekehrt. - Foto: © APA/AFP

Noch am Morgen wurde sie von Premier Shahid Khaqan Abbasi empfangen. Am Abend traf sie Aktivisten der Zivilgesellschaft und Verwandte, die aus ihrer Heimat, dem Swat-Tal, angereist waren. Am Freitag traf sie wieder Familie und Freunde. „Wir sind so glücklich, dass wir sie wieder zu Hause haben“, sagte ihr Cousin Mahmud ul Hassan am Freitag. Aus Sicherheitsgründen könne Malala nicht nach Hause ins Swat-Tal in Nordpakistan reisen, wo die Taliban 2009 zwar vertrieben wurden, Extremisten aber weiter Einfluss haben. Eine Quelle aus dem Büro des Ministerpräsidenten sagte allerdings, der Premier habe Malala am Donnerstag eine „Eskorte so groß wie meine eigene“ angeboten, falls sie nach Swat fahren wolle.

Drohungen bis heute 

Im Oktober 2012 hatten maskierte Kämpfer der Taliban im Swat-Tal Malalas Schulbus angehalten und ihr in den Kopf geschossen. Malala war damals 15 Jahre alt. Sie hatte sich seit Jahren für Schulbildung für Mädchen und gegen das grausame Regime der Islamisten in ihrer Heimat ausgesprochen. Schon mit 11 Jahren hatte sie unter einem Pseudonym für die BBC in einem Online-Tagebuch vom Leben unter dem Scharia-Gesetz erzählt und den Schwierigkeiten für sie und ihre Freundinnen, zur Schule zu gehen. Die Taliban bedrohen Malala auch heute noch, weshalb sie in Großbritannien lebt.

Weil sie sich selbst nach dem Attentat weiter für die Rechte von Mädchen und Frauen, vor allem im Bildungsbereich, einsetzte, wurde Malala 2014 der Friedensnobelpreis zuerkannt. Im April 2017 wurde sie die jüngste UN-Friedensbotschafterin aller Zeiten.

Der Traum von einer Rückkehr 

Malala ist zunächst nur für 4 Tage zurückgekehrt. Bei einem Empfang im Amtssitz des Ministerpräsidenten sagte sie am Donnerstag mit Tränen in den Augen: „Ich kann nicht glauben, dass es wirklich passiert – ich habe in den vergangenen Jahren so oft davon geträumt, wieder in meine Heimat zurückzukehren.“

„Ich bin erst 20 Jahre alt, aber ich habe viel erlebt“, sagte sie. „Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich dieses Land nie verlassen.“ Nun sei sie wiedergekommen, um ihr Volk zu sehen. Sie werde sich weiter für die Bildung von jungen Menschen in Pakistan einsetzen, versprach sie. Malala hat eine eigene Stiftung, den „Malala Fund“, vor allem für Mädchenbildungs-Initiativen.

Ministerpräsident Abbasi sagte: „Ich bin sehr glücklich, unsere Tochter hier willkommen zu heißen.“ Malala sei „die stärkste der pakistanischen Stimmen gegen Extremismus“. Die Reaktionen auf ihren Besuch lagen zwischen Liebe und Hass. Viele Pakistaner bewundern Malala für ihren Mut und ihren Einsatz für die Kinder und Frauen von Pakistan und anderswo. In den mächtigen konservativen bis islamistischen Kreisen des Landes gilt Malala aber als eine Agentin des Westens, die unislamische Werte verbreitet.

dpa

stol