Donnerstag, 09. Juli 2015

„Nur Gott weiß, wo das endet“

Am Sonntag soll ein EU-Sondergipfel die Entscheidung fällen, ob Griechenland auf neue Hilfen hoffen kann oder den Euro verlassen muss. „Bei einer Rückkehr zur Drachme wären wir erledigt“, warnen Geschäftsleute. Viele Athener halten sich schon jetzt nur mit Mühe über Wasser.

Foto: © APA/AP

„Die Leute haben kein Geld mehr, die Wirtschaft liegt am Boden.“ Evangelis Panagiotopoulos bekommt die Krise Griechenlands am eigenen Leib zu spüren.

Der Friseur sitzt auf einer Bank vor seinem kleinen Salon in der Nähe des Omonia-Platzes im Zentrum von Athen und wartet auf Kundschaft. „Die Zahl meiner Kunden ist um 40 Prozent zurückgegangen“, klagt der 65-Jährige. „Um Geld zu sparen, lassen die Athener sich die Haare daheim von ihren Frauen schneiden.“

Banges Warten auf Sonntag

Die Griechen blicken gebannt auf den EU-Sondergipfel an diesem Sonntag. Dann soll in Brüssel die Entscheidung fallen, ob ihr Land auf neue Hilfen hoffen kann oder ob ein „Grexit“, also das Verlassen der Euro-Zone, unvermeidbar wird.

Am vorigen Sonntag hatten sie noch voller Stolz mit ihrem Nein im Referendum der Spar- und Reformpolitik der Geldgeber eine Absage erteilt. Jetzt aber macht sich wieder Angst um die Zukunft breit.

Bauwerke stehen leer und verfallen

Diese Gegend zwischen der Athener Altstadt („Plaka“) und dem Bahnhof war einmal ein blühendes Viertel mit Geschäften, Firmen- und Bürogebäuden. Nun ist es zu einem Sinnbild der Krise und des Niedergangs geworden. Mehrstöckige Bauwerke stehen leer und verfallen.

„Wenn jetzt noch die Drachme kommt, sind wir komplett erledigt“, befürchtet Evangelis Fanourgakis. Der 77-Jährige betreibt in der Nähe ein Geschäft für Reinigungsartikel. Er hält sich damit finanziell mühevoll über Wasser. „Die Zahl meiner Kunden ist auf weniger als die Hälfte gesunken“, beklagt er. „Nur Gott weiß, wie diese Krise enden wird.“

dpa

stol