<b>Von Petra Schwienbacher</b><BR /><BR />Viele Hunde beherrschen ein Signal im Wohnzimmer scheinbar perfekt. „Sitz“ klappt zuverlässig, der Rückruf funktioniert im Garten und auch das Warten fällt leicht. Kaum geht es jedoch nach draußen, scheint all das plötzlich vergessen zu sein. <BR /><BR />Viele Menschen fragen sich dann, warum der Hund zu Hause alles kann und unterwegs scheinbar nichts mehr funktioniert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1339812_image" /></div> <BR /><b>Warum funktioniert ein Signal zu Hause, draußen aber plötzlich nicht mehr?</b><BR />Lisa Holzner, Hundetrainerin: Die Antwort liegt darin, wie Hunde lernen. Im Gegensatz zum Menschen übertragen Hunde Gelerntes nicht automatisch auf neue Situationen oder Orte. Hat ein Hund gelernt, sich im Wohnzimmer auf ein Signal hin hinzusetzen, bedeutet das zunächst genau das: Im Wohnzimmer auf dieses Signal hinsetzen. Der Garten oder die Straße vor dem Haus stellen für den Hund neue Lernsituationen dar. Dort riecht alles anders, es gibt neue Geräusche, Bewegungen und unzählige Reize, die um Aufmerksamkeit konkurrieren. Deshalb fällt es vielen Hunden schwer, bereits Gelerntes in einer neuen Umgebung sofort wieder abzurufen. Das bedeutet nicht, dass der Hund stur ist oder etwas absichtlich ignoriert. Vielmehr muss er erst lernen, dass ein Signal überall dieselbe Bedeutung hat. <BR /><BR /><b>Was kann man als Hundehalter also tun?</b><BR />Holzner: Damit ein Hund ein Verhalten wirklich verinnerlicht, muss man an vielen verschiedenen Orten üben. Wenn ein Verhalten sicher funktioniert, wird die Schwierigkeit langsam gesteigert – zunächst im Garten, anschließend vor dem Haus, später auf einem ruhigen Spazierweg und schließlich auch in anspruchsvolleren Situationen. Hundetraining beginnt nicht erst auf dem Hundeplatz. Die wichtigsten Trainingseinheiten finden jeden Tag ganz nebenbei im Alltag statt. Schon kleine Situationen bieten wertvolle Lernmöglichkeiten und sollten belohnt werden. Das ruhige Warten vor der Haustür, die Orientierung am Menschen während des Spaziergangs, das Gehen an lockerer Leine, entspanntes Verhalten im Café, gelassenes Ein- und Aussteigen aus dem Auto oder ruhiges Vorbeigehen an anderen Menschen und Hunden – all diese Momente helfen dem Hund, erwünschtes Verhalten in unterschiedlichsten Situationen zu lernen. Oft reichen dafür wenige Minuten. Danach darf der Hund wieder schnüffeln, seine Umgebung erkunden oder einfach Hund sein. So bleibt die Motivation erhalten und das Gelernte kann besser verarbeitet werden.<BR /><BR /><b>Warum sind Geduld und kleine Schritte so wichtig?</b><BR />Holzner: Ein häufiger Fehler besteht darin, den Schwierigkeitsgrad zu schnell zu erhöhen. Funktioniert ein Signal im Wohnzimmer zuverlässig, wird häufig erwartet, dass es auch auf dem belebten Dorfplatz, im Wald oder mitten zwischen spielenden Kindern genauso gut klappt. Für viele Hunde ist dieser Sprung jedoch viel zu groß. Jede neue Ablenkung macht eine Übung schwieriger. Deshalb lohnt es sich, das Training in kleinen Schritten aufzubauen. Rückschritte gehören beim Lernen dazu und sind normal. Mit Geduld, einem gut aufgebauten Training und vielen positiven Erfahrungen wächst die Sicherheit nach und nach. Wer die kleinen Alltagssituationen bewusst nutzt und den Schwierigkeitsgrad langsam steigert, schafft die besten Voraussetzungen für zuverlässiges Verhalten – nicht nur auf dem Hundeplatz, sondern überall dort, wo das gemeinsame Leben stattfindet.