Freitag, 26. Januar 2018

Pakt zwischen Mafia und Politik: Hohe Strafen gefordert

Vor einem Schwurgericht in Palermo geht das Verfahren gegen zehn Angeklagte, darunter hochrangige Politiker und Bosse der Mafia, wegen eines mutmaßlichen Paktes zwischen dem Staat und der Cosa Nostra in den 90er-Jahren in die Endphase. Hohe Haftstrafen wurden am Freitag von der Staatsanwaltschaft von Palermo für Politiker und Mafiosi gefordert.

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Eine zwölfjährige Haftstrafe wurde für den ehemaligen italienischen Senator Marcello Dell'Utri, langjährige „rechte Hand“ von Ex-Premier Silvio Berlusconi, gefordert. Der 76-Jährige sitzt bereits seit seiner rechtskräftigen Verurteilung 2014 wegen Mafia-Zugehörigkeit zu sieben Jahren Haft in Rom in Haft.

Für Mario Mori, Ex-Kommandant der Carabinieri-Sondereinheit ROS, forderte die Anklage 15 Jahre Haft. Für die inhaftierten Mafia-Bosse Leoluca Bagarella und Antonino Ciná wurde eine Haftstrafe von 16 bzw. zwölf Jahren Haft beantragt. Massimo Ciancimino, Sohn des skandalumwitterten Ex-Bürgermeisters von Palermo, Vito Ciancimino, und Schlüsselzeuge im Prozess, drohen wegen Verleumdung fünf Jahre Haft.

Ciancimino, der wegen Geldwäsche bereits zu drei Jahren Haft verurteilt worden war, ist ein Schlüsselzeuge in mehreren Mafia-Untersuchungen. Als ausschlaggebend gelten seine Zeugnisse über mögliche Verstrickungen zwischen der Cosa Nostra und dem Staat in den 90er-Jahren. Wegen Falschaussage wurde eine sechsjährige Haftstrafe für Italiens früheren Innenminister und Ex-Senatspräsident Nicola Mancino gefordert.

Laut Ciancimino hatte die Cosa Nostra Anfang der 90er-Jahre eine Reihe von Forderungen an den Staat gestellt, unter anderem die Abschaffung der für Mafiosi erschwerten Haftbedingungen. Dafür wollte die Mafia keine weiteren Anschläge wie jene verüben, die 1992 zum Tod der Anti-Mafia-Jäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino geführt hatten.

Auch für den ehemaligen Innenminister und früheren Senatspräsidenten Nicola Mancino wurde ein Prozess beantragt, allerdings nur wegen Falschaussage. Im Prozess war auch die langjährige Nummer eins der sizilianischen Cosa Nostra, Salvatore Riina, angezeigt, der im November in Haft gestorben ist. Der Prozess läuft seit 2013, 210 Gerichtsanhörungen gab es bisher.

apa

stol