Einer von ihnen ist der in Partschins wohnhafte Abenteurer und ausgewiesene Ötzi-Fan Philipp Schraut. Er erklärt, was es mit diesem einmaligen Experiment auf sich hat. <BR /><BR />Wie war das nun tatsächlich, als Steinzeitmensch zu leben? Mit welchen Dingen musste man sich zwangsläufig auseinanderschlagen, wie hat sich die Kleidung angefühlt, wie das Essen geschmeckt? Fragen über Fragen, die zwar schon tausendfach in wissenschaftlichen Abhandlungen erörtert wurden, aber relativ selten am eigenen Leibe erprobt. Aber genau das hat Philipp Schraut, in Partschins ansässiger Abenteurer, Überlebenstrainer und veritabler Ötzi-Fan, schon seit Jahren brennend interessiert. Nachdem er ein sehr praktisch veranlagter Mensch ist, hat er beschlossen, sich einfach für einige Tage in einen Steinzeitmenschen zu verwandeln. Verwandeln trifft es nicht ganz, vielmehr versuchte er, die Lebensumstände von vor über 5000 Jahren zu ergründen, indem er sich einfach mal für ein paar Tage in die Steinzeit zurückkatapultiert.<BR /><BR /> Der Hintergrund war recht simpel: Schrauts 45. Geburtstag. „Ötzi war wahrscheinlich zwischen 44 und 46 Jahre alt, als er gestorben ist, das habe ich zum Anlass genommen, seine Lebenswelt nachzuempfinden“, erklärt Schraut das kühne Steinzeit-Experiment. Für das einmalige Unterfangen konnte er auch einige Gleichgesinnte gewinnen: Dennis Moch, Markus Klek und André Georg, ihres Zeichens ausgewiesene Steinzeit-Fachleute. <h3>Auf uralten Pfaden</h3>Bei nasskaltem Wetter machten sie sich Ende Oktober in ihrer selbst hergestellten Fellbekleidung und mit der passenden Ausrüstung auf den Weg. Der Start erfolgte in Latsch, wo es jungsteinzeitliche Siedlungsplätze gibt, danach ging es den Vinschger Sonnenberg entlang in Richtung Osten. <BR /><BR />Dabei kamen sie an mehreren uralten Kultstätten vorbei, sodass zuweilen das Mesolithikum mit einem Schlag wieder real wurde. Nur entgegenkommende Wanderer und Spaziergänger aus dem 21. Jahrhundert zerstörten dann die perfekte Szenerie. Schließlich nächtigten die 4 Steinzeit-Männer etwas unterhalb von Schloss Juval an einer Stelle, wo mutmaßlich schon vor 7000 Jahren Menschen siedelten. „Vieles deutet darauf hin, dass bereits Ötzi diese Orte kannte oder womöglich sogar dort gelebt hat“, weiß Schraut.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1096830_image" /></div> <BR /><BR /> Daraufhin hatte die famose Truppe den Fundort von Ötzi im Visier, das Tisenjoch. Nachdem sie die engen Schluchten des Schnalstals überwunden hatte, gab es eine verdiente, stilechte Rast am Archeopark, dem archäologischen Freilichtmuseum in Unser Frau in Schnals. <BR /><BR /><BR />Schließlich ging es weiter bergauf, sozusagen auf den Spuren von Ötzis letzter Wanderung. Unglücklicherweise wollte das Wetter nicht mitspielen. Bevor sich die Felle und das Leder mit Regenwasser vollsaugen konnten, entschlossen sich Schraut & Co. lieber zur Umkehr. <BR /><BR />„Der Aufstieg wäre bei dem Wetter zu riskant gewesen, das hätten die Steinzeitmenschen damals genauso gehandhabt“, vermutet Schraut, der bereits zuvor wegen der Nässe weitestgehend barfuß unterwegs war. Umso mehr genoss er es, in den wohlig-warmen Patschen zu nächtigen. <h3> Felle, Lederhosen, Waffen</h3>„Ich hatte mir einen Mantel mit dem Fell von 3 Gämsen angefertigt, damit konnte mir die Kälte nichts anhaben“, sagt der Partschinser. Die Herstellung dieses Mantels erwies sich als Sisyphusarbeit, was nicht überrascht, denn dabei wurde auf moderne Hilfsmittel verzichtet.<BR /><BR /> Allein das Gerben nahm Tage in Anspruch. Wie es wohl auch in der Steinzeit zwangsläufig Usus gewesen war, wurden sämtliche Teile der toten Gämsen genutzt, so etwa die Sehnen zum Nähen oder das Gehirn zum Einfetten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1096833_image" /></div> Philipp Schraut schwärmt auch von den stilechten Rucksäcken, mit welchen sie die notwendige Ausrüstung, Waffen sowie das Essen transportierten. „Die Jagdwaffen hatten wir nur für das Erlebnis dabei, denn wir wussten natürlich, dass wir nicht jagen dürfen“, räumt der 45-Jährige ein. <BR /><BR />So führten sie etwa Bogen-Rohlinge mit und Speere. Was wären auch Steinzeitmenschen ohne ihre Jagdwaffen? Um Gewicht zu sparen, beschränkten sie die Archäo-Abenteurer großteils auf getrocknete Nahrung: Nüsse, getrocknete Früchte (Kornelkirschen und Schlehen) sowie Dörrfleisch. Verarbeitete Lebensmittel oder Süßigkeiten waren also tabu. Nicht umsonst findet die sogenannte Paleo-Diät vermehrt Anhänger in der Jetztzeit. Einmal nur gönnten sie sich Schweinsrippen aus dem Supermarkt, rösteten diese abends am Lagerfeuer und verzehrten sie mit Genuss. Wobei: Sogar Rippelen dürfte man schon vor 5000 Jahren gegessen haben, vermutlich ohne großartige Würze. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1096836_image" /></div> <BR />Nachdem das Vorhaben mit Ötzis Fundstelle wegen des Regenwetters abgebrochen werden musste, entschieden sie sich tags darauf für eine Alternativroute. Schließlich erreichten sie die Hochebene Lazaun, dort begaben sie sich in ein „gespenstisch anmutendes Waldstück“. Unterm Strich erkundeten sie im Verlauf ihrer Steinzeit-Exkursion Plätze und Pfade, die es seit Jahrtausenden gibt, wobei vor allem der unmittelbare Bezug zur Natur und zur Umgebung faszinierend sei. <BR /><BR />Wie aber haben die Menschen aus der Jetztzeit bei diesem überraschenden Anblick reagiert? „Auf der ersten Hälfte der Tour zwischen Latsch und Juval trafen wir auf viele Wanderer. Da haben wir schon unzählige Fotos machen und 1000 Fragen über uns ergehen lassen müssen“, berichtet Schraut. Aber das „ehrliche Interesse und die große Neugier“ an ihrem Projekt habe sie allemal gefreut. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1096839_image" /></div> <BR /><BR />„Es war ein grandioses Eintauchen in diese Epoche, ich habe einige Tage benötigt, um die gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten“, zieht er ein positives Resümee. <BR /><BR />Das gemeinsame Erlebnis hat zusammengeschweißt, die 4 Männer liebäugeln mit einer Neuauflage des Steinzeit-Experiments. An einem anderen Ort, idealerweise mit einer Überschreitung, aber auf jeden Fall so authentisch und lebensnah wie nur möglich. <BR /><BR />Achja, auf ein neuzeitliches Utensil wollten sie dann doch nicht verzichten – das Handy. Mit dem Smartphone im Gepäck könne man im Fall der Fälle immer einen Notruf tätigen. Außerdem konnten sie so ihr Abenteuer mit Fotos dokumentieren. Höhlenzeichnungen kamen dann wohl doch nicht in Frage.