„Die Investitionskosten sind hoch und die Rentabilität nicht garantiert“, sagt Matthias Bertagnolli, Leiter der Abteilung Innovation und Energie beim Bauernbund. Den ersten Zug, 40 Prozent Förderung vom Staat abzuholen, hat man allerdings bereits verpasst.<BR /><BR />Agri-Photovoltaik ist in Südtirol erst seit Juni 2024 für wissenschaftliche Zwecke erlaubt. Umso überraschender kam vor 3 Wochen die Ankündigung der Landesräte Peter Brunner und Luis Walcher, die Möglichkeit, auf landwirtschaftlichen Anlagen sowohl Pflanzen wie Strom zu produzieren, großflächig freizugeben. Und zwar auf potenziell 8000 Hektar in Talniederungen bis zu 75 Höhenmetern. Errichtet werden dürfen Agri-Photovoltaikanlagen nur über Apfel-, Pflaumen- und Kirschanlagen – nicht aber in Weinbergen, Wiesen, Acker- und Weideflächen. Maximal 40 Prozent der Fläche wird man mit Photovoltaik überbauen dürfen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-70669920_quote" /><BR /><BR /> In Absprache mit Walcher legt Brunner heute der Landesregierung die Verordnung vor. Agri-Photovoltaik soll mithelfen, die Energiewende zu schaffen und Südtirol bis 20240 klimaneutral zu machen. „Der Ansturm wird sich allerdings in Grenzen halten. Jedem muss klar sein, dass 70 Prozent des Ertrags weiter garantiert sein müssen“, sagt Walcher. „Die Erwartungshaltung ist groß. Wie es sich entwickelt, wird man aber erst in einigen Monaten wissen“, so Brunner. Beiträge vom Land gebe es nicht, sehr wohl aber vom Staat.<h3> Investitionskosten sind hoch</h3>„Keiner muss Angst haben, dass die große Agri-Voltaik-Welle übers Land schwappt. Aber es ist gut, dass diese Möglichkeit geschaffen wird, denn wir brauchen alternative Energie“, sagt SBB-Obmann Daniel Gasser. Freilich seien die Investitionskosten mit einer Million Euro pro Hektar sehr hoch. <BR /><BR />„Und die Infrastruktur muss mit einem Netzanschluss schon vorhanden sein, sonst wird es noch einmal teurer“, so Gasser. Bis September laufe aber ein Aufruf, PNRR-Gelder vom Staat abzuholen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-70669924_quote" /><BR /><BR />Allerdings ist dieser Zug bereits abgefahren. Ende Juni schloss ein Aufruf, mit dem Antragsteller 40 Prozent der Investitionskosten aus Mitteln des staatlichen Aufbaufonds PNRR hätten erhalten können. Nun bleibt eine zweite Möglichkeit, 40 Prozent Bezuschussung abzuholen. „Diese Möglichkeit greift aber nur mehr, wenn man die Produktionsanlage in den Dienst einer Energiegemeinschaft stellt“, sagt Matthias Bertagnolli, Leiter der Abteilung Innovation und Energie beim Bauernbund. Offen sei dieser Aufruf bis November. <BR /><BR />Selbst wenn es bis dahin noch einige Monate sind, sei der Termin „sportlich“. Es brauche ein genehmigtes Projekt und einen Netzanschluss der Edyna, was dauert.<BR /><BR />„Es ist nicht so, dass 50 Bauern warten, ins Ungewisse zu starten“, meint Bertagnolli. Die Investitionskosten seien hoch, die Rentabilität nicht garantiert, auch wenn es für Anlagen mit Monitoring Fördertarife gebe. „Als bäuerlicher Unternehmer würde ich nicht investieren. Es sei denn, man ist risikobereit“, so der Experte. Er schätzt, dass die wenigen Mutigen an „einer Hand“ abzuzählen sein werden.<h3> Viele Fragen sind noch offen</h3>Auch Bertagnolli begrüßt, dass man die neue Möglichkeit jetzt „erproben“ könne, um Klimaziele zu erreichen. Die Anlage von Land und Laimburg im Binnenland wurde mit viel Beton sehr kostenintensiv errichtet. <BR /><BR />Es gebe günstigere Angebote, die auf bestehenden Trägern für Hagelschutzanlagen aufbauen. Ob sich diese für Südtirol eignen, sei ebenso zu prüfen, wie welche Apfelsorten sich eignen, unter einem „Dach“ zu wachsen. Kurzum: Viele Fragen sind noch offen.