Seine Geschichte zeigt: Es ist nie verkehrt, seine Talente zu veredeln und seinen Träumen zu folgen.<BR /><BR />Scheinbar mühelos gleitet der durchtrainierte Mann auf einer im Saal schwebenden Stange dahin und vollzieht dabei artistische Kunststücke. Seine grazilen Bewegungen sind auf den Rhythmus der Musik angepasst, sein Gesichtsausdruck lässt weder Anstrengung noch Anspannung erkennen. Stattdessen ist jede Körperfaser angespannt. Für ein paar Augenblicke glaubt man, dem Tanz eines Fabelwesens beizuwohnen.<BR /><BR />Aber nein, es ist der 25-jährige Alex Aufderklamm, der an diesem 30. Jänner das Publikum in der Bozner Stadthalle mit seiner Darbietung verzaubert. Die Vorstellung „On Fire 2026“ bildet den feierlichen Auftakt zu den Olympischen Winterspielen, passend dazu bietet der 25-jährige Luftakrobat im Zusammenspiel mit der Sängerin Maria De Val, dem Posaunisten Peter Steiner sowie der Südtirol Filarmonica hierbei selbst eine olympiareife Leistung.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1276029_image" /></div> Ein paar Tage später erreichen wir ihn in seiner Wahlheimat Montreal, Kanada. An der dortigen „National Circus School“, einem weltweiten Referenzzentrum für Artisten und Zirkuskünstler, veredelt er seine akrobatischen Talente. Im Juni dieses Jahres wird der Branzoller sein Diplom in der Tasche haben, ein weiteres nach dem Hochschulstudium für Zirkuskünstler an der Akademie „Cirko Vertigo“ in Turin. <BR /><BR />„Ich bin nun fast sechs Jahre weg von daheim, umso emotionaler sind für mich die Auftritte in der Heimat wie eben jener in der Bozner Stadthalle“, erzählt er am Telefon. Gerade dort, in Südtirol, wo er seine Familie und seine Freunde weiß, sei es eine Ehrensache gewesen, sich von der besten Seite zu zeigen. Je länger man mit Alex spricht, desto eher wird deutlich, dass man es mit einer weltoffenen und sensiblen Künstlerseele zu tun hat, zugleich mit einem überaus ehrgeizigen und zielorientierten Menschen. „Ich bin sehr dankbar über meine bisherigen Erfahrungen und glücklich über meine jetzige Situation“, zeigt er auf und verweist auf aktuelle Projekte und Veranstaltungen in verschiedenen Ländern. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1276032_image" /></div> <BR />Dynamic Flying Pole nennt sich die Spezialdisziplin von Alex Aufderklamm. Man kann sie als Nische in der Nische bezeichnen, denn selbst der 25-Jährige kennt kaum andere Spezialisten. Der Performer vollzieht seine akrobatischen Elemente wie eingangs erwähnt an einer fliegenden Pole-Dance-Stange, die vertikal von einer Decke hängt. Wer dazu imstande ist, verfügt über große Körperbeherrschung, Kraft, Ausdauer, Mut und akrobatisches Können. Trainingsfleiß und der Glaube an sich selbst zählen zu den Grundvoraussetzungen.<BR /><BR /><b>Spektakuläre Performance in Tiers</b><BR /><BR />Diese Sportart ist der wesentliche Teil seiner Tätigkeit, darüber hinaus feilt er an Konzepten, entwirft Szenenbilder, schreibt an dramatischen Sequenzen. Zu diesem Zweck gründete er vor über zwei Jahren seine Produktionsfirma „Homeland Productions“, sein Auftaktprojekt war die schwindelerregende Performance an der Gondel der Tierser Cabriobahn im August 2023. In fast 140 Meter Höhe vollzog er, seines Zeichens bereits zweifacher Pole-Weltmeister an der fixen Stange, den höchsten Pole-Act der Welt. Klarerweise beachtete er dabei die geltenden Sicherheitsbestimmungen und wurde zudem von einem spezialisierten Rigger-Team unterstützt. Seitdem ist er auch Inhaber eines „Guinness“-Weltrekords. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1276035_image" /></div> <BR />Schon als sechsjähriger Bub verspürte der Branzoller einen kaum zu bändigenden Bewegungsdrang. „Ich habe im Wohnzimmer getanzt und recht bald meine Eltern gefragt, ob es denn nicht irgendwo einen Kurs gibt“, blickt er zurück. Den gab es tatsächlich. <BR /><BR />In der Tanzschule „È Danza“ von Elisa Darù in Branzoll lernt er erste Schritte, schon bald folgen Modern Dance und Ballett bei den Tanzlehrerinnen Anita Harb und Elisabetta Violante. Danach versucht er sich in der Vertikaltuchakrobatik, ehe er mit 15 Jahren den Pole-Sport für sich entdeckt. Noch in der Oberschule beteiligt er sich an internationalen Wettkämpfen, ein erstes Ausrufezeichen setzt er mit dem zweifachen Weltmeistertitel in Tarragona, Spanien, im Jahr 2018.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1276038_image" /></div> <BR /><BR />Nach Abschluss der Oberschule in Bozen weiß er nicht so recht, wie es weitergehen soll. Einerseits kann er sich eine Ausbildung zum Tänzer vorstellen, andererseits sieht er sich zum Pole-Performer berufen. „Tatsächlich gab mir eine Tänzerin den Ratschlag, mich doch mal genauer in der Zirkuswelt umzusehen“, erinnert er sich an ein Schlüsselerlebnis. Und siehe da, in Turin findet er die professionelle Ausbildung für Zirkuskünstler an der Akademie „Cirko Vertigo“, die einzige ihrer Art in ganz Italien. „Es war exakt das, was ich gesucht hatte“, sagt er und weist darauf hin, dass er zudem einen Bachelor für zeitgenössische Zirkuskünstler (DAMS) erworben hat. Bereits jetzt ist Alex Aufderklamm somit ein Flying-Pole-Performer mit akademischem Hintergrund, im Artistenmekka Montreal folgt nun noch der Ritterschlag. <BR /><BR /><b>Grenzgänger der Genres</b><BR /><BR />„Ich betrachte mich durchaus als Grenzgänger, als einer, der unterschiedliche Genres wie Tanz, Artistik und Athletik zu etwas Besonderem verbinden möchte“, erklärt er seinen Ansatz. Elemente der Dramaturgie und des Ausdrucks sind für ihn genauso bedeutend wie die technische Ausführung an der Schwebestange. Das Ziel bestehe darin, eine Harmonie zwischen Körper, Geist und Seele zu schaffen. „Kunst“, so sagt er, „ist etwas Wunderbares und ich bin glücklich, in meinem kleinen Bereich etwas zur Kunst beitragen zu können.“ <BR />Immer wieder betont er die unverzichtbare Rolle seiner Eltern und so mancher Weggefährten in Südtirol. Deren Zuspruch und Energie sei essenziell gewesen, um sich auf diesen außergewöhnlichen Weg begeben zu können. Um so manchen Zweifel auszuräumen. Um notorischen Schlechtrednern kein Gewicht zu geben. Wer auf einer Schwebestange tanzt oder einer Zirkusdisziplin frönt, dem schlägt vielfach noch Geringschätzung entgegen. <BR /><BR />Alex Aufderklamm hingegen weiß, dass es richtig war, seinem inneren Ruf zu folgen. Nun stehen ihm viele Türen offen. „Es gibt Möglichkeiten auf allen Kontinenten, denn die Zirkuskunst hat auf der ganzen Welt ihre Anhänger“, erklärt er. Ob als Freischaffender, im Künstlerkollektiv oder im Zirkusensemble – er könne sich eigentlich alles vorstellen, lässt die nächsten Schritte aber einfach mal auf sich zukommen. Das hat ja schon bisher bestens geklappt.